{"id":1484,"date":"2025-01-24T09:27:11","date_gmt":"2025-01-24T09:27:11","guid":{"rendered":"https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/?p=1484"},"modified":"2025-01-24T09:27:11","modified_gmt":"2025-01-24T09:27:11","slug":"sturm-ruettelt-an-der-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/?p=1484","title":{"rendered":"Sturm r\u00fcttelt an der Kirche"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief001-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1485\" srcset=\"https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief001-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief001-300x200.jpg 300w, https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief001-768x512.jpg 768w, https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief001.jpg 1128w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Umschlag des mehr als 230 Jahre alten Briefes.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">War es eine st\u00fcrmische Nacht? Oder hat der Wind tags\u00fcber heftig geblasen? Auf jeden Fall hat der Sturm ordentlich an der Kirche Kitzen ger\u00fcttelt und erhebliche Sch\u00e4den angerichtet, m\u00f6glicherweise am 15. M\u00e4rz 1793 oder in der Nacht zum 16. M\u00e4rz. Es k\u00f6nnte aber auch ein paar Tage zuvor gewesen sein. Genau wissen wir es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jedenfalls hat der Merseburger Domk\u00e4mmerer Melchior Balthasar Segnitz am Sonntag, dem 17. M\u00e4rz 1793 an den Kitzener Pastor Funkens einen Brief geschrieben, um dessen Brief zu beantworten, der ihm am Sonnabend zuvor (oder vielleicht auch schon eine Woche fr\u00fcher) zugegangen war. Darin entschuldigt sich Segnitz, dass er nicht gleich am Sonnabend dem Boten eine Antwort mitgegeben hat, da ihn andere wichtige Gesch\u00e4fte daran gehindert haben. Auf jeden Fall sagte er dem Kitzener Pastor zu, dass er unaufschiebbare Reparaturen sofort ausf\u00fchren lassen kann und f\u00fcr die aufschiebbaren einen Kostenvoranschlag nach Merseburg senden soll. Dar\u00fcber hinaus geht es in jenem Brief noch um einige Schuldenangelegenheiten, die aber offenbar weniger mit der Geschichte der Kirche Kitzen zu tun haben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"669\" height=\"1003\" src=\"https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief002.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1486\" srcset=\"https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief002.jpg 669w, https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief002-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Seite 1 des Briefes<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach knapp 232 Jahren ist jener Brief wieder in Kitzen angekommen, irgendwie auf wundersame Weise. Was Pastor Funkens seinerzeit mit dem Brief gemacht hat, wird wohl im Dunkeln bleiben. Jedenfalls ist er nicht in einem der Kirchenarchive gelandet. Im vorigen Jahr hat ihn ein Berliner Online-Antiquariat bei E-Bay angeboten. Markus Cottin, der Leiter des Domstiftsarchivs und der Domstiftsbibliothek in Merseburg, hat ihn entdeckt und bei Ingrid Riedel, der Vorsitzenden des F\u00f6rdervereins der Kirche Sankt Nikolai Kitzen, nachgefragt, ob der Verein Interesse an dem Brief haben w\u00fcrde. Ingrid Riedel sagte Ja und Cottin ersteigerte das alte Dokument. Im Januar 2025 hat er es an den Verein \u00fcbergeben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"682\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief003-682x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1487\" srcset=\"https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief003-682x1024.jpg 682w, https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief003-200x300.jpg 200w, https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief003-768x1152.jpg 768w, https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief003.jpg 849w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Nach 230 Jahren noch immer recht gut erhalten: Seite 2 des Briefs.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Brief ist offensichtlich gut gelagert worden. Denn das mehr als 200 Jahre alte Schriftst\u00fcck ist gut erhalten, die schwarze Tinte hebt sich klar vom Papier ab, vorausgesetzt, man kann die alte Schrift auch wirklich lesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eGut! das Sie sogleich die Fenster wieder machen la\u00dfen. Wenn der Schaden am Kirch Dach unaufschieblich ist, so la\u00dfen Sie es auch machen. Wo nicht, so schicken Sie mir einen Anschlag der Reparatur-Kosten und Materialien.\u201c So hei\u00dft es in dem Brief.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"994\" src=\"https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief004-1024x994.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1488\" srcset=\"https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief004-1024x994.jpg 1024w, https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief004-300x291.jpg 300w, https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief004-768x746.jpg 768w, https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief004-1200x1165.jpg 1200w, https:\/\/sanktnikolaikitzen.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/WebBrief004.jpg 1523w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die &#8222;\u00dcbersetzung&#8220; des Briefs in f\u00fcr die Allgemeinheit lesbare Schrift, aber in der damals gebr\u00e4uchlichen Ausdrucksweise und Rechtschreibung.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">H\u00fcbsch zu lesen ist auch die ausgesprochene H\u00f6flichkeit, mit der sich Segnitz an Funkens wendet. Die Anrede ist geradezu entz\u00fcckend: \u201eSeiner des Herrn Pastors Magister Funkens, Hochwohlehrw\u00fcrdigen in Hohenlohe. Hochwohlehrw\u00fcrdiger Herr, Hochgeehrtester Herr Magister.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und am Schluss, nicht weniger entz\u00fcckend: \u201eEmpfehlen Sie mich dero Frau Liebste! Ich bin mit vollkommener Hochachtung Ew. Hochwohlerw\u00fcrden ergebenster Diener.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welchen Weg der Brief in den 230 Jahren zur\u00fcckgelegt hat, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Der Berliner Online-Antiquar Theodor Schmidt hat ihn zusammen mit 2000 weiteren Briefen auf einem Flohmarkt am Berliner Ostbahnhof erstanden. \u201eDas waren acht Aktenordner aus dem Nachlass eines Briefsammlers, die dort angeboten wurden\u201c, erz\u00e4hlt er in einem Telefonat. Nach Durchsicht dieser 2000 Schreiben habe er 70 aussortiert, von denen er angenommen habe, dass es daf\u00fcr Interessenten geben k\u00f6nnte. \u201eZwei Drittel davon habe ich mittlerweile verkauft\u201c, sagt Schmidt. Wie der Brief zu dem Sammler, der nicht mehr befragt werden kann, gekommen ist, k\u00f6nne er nicht sagen. \u201eAus meinen Erfahrungen wei\u00df ich allerdings, dass Pfarrer solche Schreiben als ihr pers\u00f6nliches Eigentum betrachtet haben, so dass sie nicht in Kirchenarchiven gelandet sind, sondern eben in der Familie aufgehoben wurden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich sieht das auch Markus Cottin. Er sei immer auf der Spur von alten Dokumenten, die sich mit dem Merseburger Dom befassen. Daher habe er beim Internetportal Ebay einen permanenten Suchauftrag eingerichtet unter den Stichworten Sammeln, Seltenes, Merseburg. \u201eDas meiste, was dabei angezeigt wird, sind Postkarten aus j\u00fcngerer Zeit. Da viele Touristen nach Merseburg und in den Dom kommen, werden auch viele derartige Dinge angeboten. Zirka 20 Treffer habe ich jeden Tag. Und manchmal sind eben auch interessante Briefe wie jener von 1793 dabei\u201c, erz\u00e4hlt Markus Cottin. Aufgrund seiner Erfahrung kann er die vor mehr als 200 Jahren verwendete Kanzleischrift, in der der Domk\u00e4mmerer geschrieben hat, lesen und \u201e\u00fcbersetzen\u201c. Das hat er mit dem besagte Brief gemacht. Etwa eine Stunde habe er daf\u00fcr gebraucht. Den vorausgegangenen Brief von Pastor Funkens an den Domk\u00e4mmerer habe er allerdings nicht finden k\u00f6nnen. Der sei offenbar nicht im Domarchiv gelandet. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was aber nun tun mit einem solchen alten Dokumente. \u201eIch denke, wir sollten den Brief zeigen\u201c, sagt Ingrid Riedel. So weit, so gut. Aber in welcher Form. Dar\u00fcber wird man sich im Verein noch ein paar Gedanken machen m\u00fcssen. Denn das schon gealterte Papier w\u00fcrde wohl den schwankenden Temperatur- und den unklaren Feuchtigkeitsverh\u00e4ltnissen in der Kirche nicht lange standhalten. Also wird es darauf hinauslaufen, eine Kopie des Originalbriefes zu zeigen. \u00dcber das Wann und Wie wird noch zu entscheiden sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings d\u00fcrfte es noch eine Menge anderer Dokumente zur Kitzener Kirche geben. Sie geh\u00f6ren laut Ingrid Riedel zum Kirchenarchiv, das im Pfarrhaus gelagert ist. Was dort zu finden sein k\u00f6nnte, das wartet noch auf die Erforschung. Nach Auskunft von Markus Cottin gibt es auch im Domarchiv Dokumente zur Kitzener Kirche wie zum Neuaufbau des Altars Ende des 18. Jahrhunderts. Aber das w\u00e4re dann schon wieder eine neue Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>War es eine st\u00fcrmische Nacht? Oder hat der Wind tags\u00fcber heftig geblasen? 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