
Knapp zwei Stunden lang hat sich das Publikum die Seele aus dem Leib gelacht. Und urplötzlich ist das Kabarettprogramm zu Ende. Es hätte noch mehr sein können, schienen sich die Besucherinnen und Besucher einig. Von Kabarett kann man nicht genug bekommen. Aber Fördervereinsvorsitzende Ingrid Riedel brachte es auf den Punkt, als sie den Künstlern noch ein kleines Präsent als Dankeschön und Abschied überreichte: „Anke Geißler kommt im April 2027 wieder.“ Der Applaus war enthusiastisch, als habe die Kabarettistin gerade noch einen letzten guten Gag rausgehauen.

Mehr als 150 Menschen füllten am 26. April das Kulturzentrum Kirche Sankt Nikolai, um Anke Geißler als Gastwirtin Monike Weingeist und in andere Rollen zu erleben. Und sie kamen voll auf ihre Kosten. Zum Beispiel wenn Monika Weingeist von ihren erwachsenen Kindern Tim und Tom erzählt, die sich nicht aus dem Haus bewegen mit ihrem 30 Jahren, die das schon als Kinder nicht getan haben, weshalb sie auch nie aufgeschlagene Knie hatten. „Die Pflaster mit den Motschekiepchen habe ich heute noch zu Hause.“ Und sie habe ihnen Jobs in ihrer Kneipe angeboten für 1000 Euro pro Woche. „Aber das interessiert sie einfach nicht!“

Dann schlüpft Anke Geißler in anderer Rollen, wie die der Dame aus dem Hessischen, die ihre studierende Tochter in Leipzig besucht, also im Osten. Als die ihr erzählt habe, dass sie in Leipzig studieren werde, „habe ich erst einmal gefragt, welche größere Stadt da in der Nähe liegt“. Gekonnt wechselt Geißler in die Rolle der Sunny, einer arbeitsscheuen Tochter aus gutem Haus. Um sich gleich wieder als Klaus zu präsentieren, der sich als Binärer Hybrid-Vegetarier und Mischung aus gealtertem Rocker und Türsteher vorstellt. Urkomisch! Ebenso der Hausgeist Balduin, der immer noch im Wirtshaus spukt, nachdem er vor mehr als 80 Jahren entlassen wurde.

Genau so köstlich ist Geißlers Interpretation eines Uralt-Titels von der Leipziger Kabarettlegende Jürgen Hart. „Der schönste Platz“ fand seinen Platz schon 1979 auf einer Single und 1980 im Album „Hart auf Hart“ zusammen mit „Sing, mei Sache, sing“, „Brunos Geist“ und anderen. Der schönste Platz ist „der Schaukelstuhl an meinem Grab … da sitz ich gerne ein und gedenke mein … und mein Doppelkinn, das wabbelt leis im Wind“. Alles musikalisch untermalt von Enrico Wirth am Piano.

Dem begeisterten Publikum gelang es, eine Zugabe zu ergattern, die dem vorangegangenen Programm in nichts nachstand. Geißler sang „Am Brunnen vor dem Tore“, allerdings in einer Version, wie sie sich – satirisch überhöht – von Herbert Grönemeyer anhören könnte. Mit Worten beschreiben lässt sich das gar nicht, aber es war zum Brüllen.