Dorfladen bekommt Geld

Das finanzielle Fundament für das Projekt Dorfladen in Kitzen bekommt einen soliden Pfeiler. Aus dem europäische LEADER-Programm hat der Freistaat Sachsen jetzt Fördermittel zur Verfügung gestellt. Der Zuwendungsbescheid über 129.381,62 Euro liegt dem Förderverein, der das Vorhabend initiiert hat und vorantreibt, seit wenigen Tagen vor. „Damit können wir nun gezielt weiterbauen, damit der Laden im kommenden Jahr eröffnet werden kann“, sagte Vereinsvorsitzende Ingrid Riedel. Ergänzt wird die Finanzierung mit einem Eigenanteil von wenigstens 40.000 Euro.

Sie gehören zu den fleißigen Helfern beim Ausbau des künftigen Dorfladens: Werner Reutter, Andreas von Holten, Gerald Ruffert und Andreas Arnold (v.l.)

Dafür ist der Verein noch auf weitere Einnahmen, zum Beispiel in Form von Spenden angewiesen. Bislang ist der Fonds für das Projekt Dorfladen mit 30.000 Euro gefüllt. Unter anderem haben neben den zahlreichen Spenden von Vereinsmitgliedern und anderen Unterstützern des Vorhabens die Einnahmen aus dem bereits dreimal veranstalteten Marktfrühstück beigetragen.

Einer von zwei Räumen im Untergeschoss, in denen im nächsten Jahr gut gefüllte Regale stehen sollen.

Auf einer Fläche von rund 50 Quadratmetern entsteht ein kleiner Einkaufsmarkt, der vom Groitzscher Rewe-Händler Michel Fritzsche betrieben werden soll. Er wird dafür sorgen, dass es in den Regalen mindestens 700 Produkte an sieben Tagen in der Woche gibt, wobei das Geschäft rund um die Uhr, also 24 Stunden am Tag, zugänglich ist. Im Angebot sind auch zahlreiche Frischeprodukte wie Obst und Gemüse, Backwaren, Molkerei- und Fleischprodukte.

Unermüdlich treppauf und treppab unterwegs im Gebäude des künftigen Minimarktes ist Siegwald Bilesch.

Der Dorfladen wird ohne ständig vor Ort präsentes Personal betrieben. Der Zugang erfolgt mittels EC-/Kreditkarte, mit der auch die gekauften Waren an der elektronischen Selbstbedienungskasse bezahlt werden. Der Laden entsteht im einstigen Pförtnergebäude des früheren Kreisbetriebes für Landtechnik an der Kitzener Ernst-Thälmann-Straße. Der Förderverein hat dafür das Gebäude von der Agrarprodukte Kitzen gekauft.

In der oberen Etage entsteht ein Sportraum.

Bereits jetzt laufen Bauarbeiten insbesondere im Innenbereich. Dabei handelt es sich um Eigenleistungen von freiwilligen Helfer aus den Reihen des Vereins. Die Fördersumme wird vor allem dazu dienen, die folgenden größeren Aufgaben wie Dachdeckung und Putzarbeiten am Gebäude sowie den Bau der Stellplätze für Autos voranzutreiben. Sind die Bauarbeiten am Gebäude beendet, wird sich Rewe um die eigentliche Ladeneinrichtung kümmern. Zusätzlich zu den Ladenräumen wird in der oberen Etage ein Raum für Bewegungssport eingerichtet.

Bislang noch wenig ansehnlich ist das Gebäude für den künftigen Dorfladen in Kitzen. Aber die Arbeiten sind im Gang und Fördermittel bereits zugesagt.

In Kitzen wieder eine Einkaufsstätte für Lebensmittel zu haben, wird bereits seit Jahren sowohl vom Siedlerverein als auch vom Förderverein verfolgt. Bisherige Pläne, zum Beispiel die Einrichtung eines kleinen n Supermarktes nach Vorbild von Nahkauf- oder Diskamärkten, waren in der Vergangenheit an verschiedenen Hürden gescheitert. Das jetzige Projekt hat nun nahezu alle Voraussetzung erfüllt, um erfolgreich umgesetzt werden zu können.

Kitzen lebt

Liane und Steffen Lehmann.

Es hat sich schon ein wenig herumgesprochen: Seit einigen Tagen gibt es einen Song für Kitzen. Urheberin ist die Liane Lehmann, die zusammen mit ihrem Mann Steffen in Kitzen/Thesau die Medienagentur Videoproduktion Deutschland betreibt.

Bereits seit Jahren produzieren die beiden berufsmäßig Videos für Firmen, Vereine, Gesellschaften und den Privatgebrauch. „In diesem Jahr habe ich angefangen, unsere Videos mit eigener Musik zu unterlegen“, erzählt Liane Lehmann. Die Texte schreibt sie selbst, die Melodien generiert sie mit Hilfe Künstlicher Intelligenz am Computer. So ist rein technisch gesehene auch der Song „Kitzen lebt“ entstanden.

Aber nicht einfach aus einer Laune heraus. „Jeder macht ja im Leben so seine Erfahrungen. Das Zusammenleben der Menschen ist manchmal mit oft unnötigen Konflikten belastet. In unserem Land läuft auch nicht alles so, wie es die Menschen sich wünschen. Dabei brauchen wir doch Zusammenhalt und Gemeinschaft. Das, was der Förderverein für die Erhaltung der Kirche, aber ebenso für das Miteinander von Menschen bei der Sanierung und mit den vielfältigen kulturellen Veranstaltungen leistet, ist in Kitzen ein echter Leuchtturm.“ Dieser Einsatz und besonders das Engagement von Ingrid Riedel und Siegwald Bielesch vom Förderverein für die Kirchensanierung habe sie inspiriert, das Lied zu schreiben.

Zwei Tage lang hat sich Liane Lehmann mit dem Text beschäftigt und danach die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz genutzt, um eine Melodie dafür zu finden. „Es waren wohl an die 20 Versuche, ehe ich mit dem Ergebnis zufrieden war“, sagt sie. Als eine Art Vereinshymne stellt sie dem Verein den Song kostenlos zur Verfügung. Ihre Hoffnung ist, dass das Lied dazu beiträgt, die Bürgerinnen und Bürger von Kitzen zu motivieren, sich auch in Zukunft für ihren Ort einzusetzen, an Projekten mitzuarbeiten und sich mit ihrer Heimat zu identifizieren.

Über diverse Kanäle in sozialen Netzwerken hat sich der Kitzen-Song mittlerweile bereits verbreitet. „Zudem gibt es den Song für unsere ausländischen Nachbarn bereits in verschiedenen Sprachen.“ Auch darin sieht Liane Lehmann einen Beitrag, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.

Mittlerweile haben Liane und Steffen Lehmann weitere Projekte im Kopf. „Ich habe begonnen, auf entsprechenden Wunsch ganz individuelle Songs für Trauerfeiern zu kreieren, ebenso persönliche Geburtstagslieder oder Songs für Veranstaltungen wie Firmenjubiläen.“ Damit wollen die Videomacher ihr geschäftliches Portfolio erweitern.

Zu wem das „Kitzen lebt“-Lied noch nicht vorgedrungen ist, der kann es sich jederzeit auf Lehmanns Youtube-Kanal anhören. Hier ist der Link zu „Kitzen lebt“.

Mehr zu den Videomachern gibt es auf ihrer Internetseite Videoproduktiondeutschland.

Auf Ururur-Großvaters Spur

Das Leipziger Symphonieorchester in diesem Jahr in Kitzen.

Kein anderer Klangkörper oder Künstler war seit dem Start der Kultursonntage des Fördervereins der Kreuzkirche Sankt Nikolai vor mehr als 15 Jahren häufiger in Kitzen als das Leipziger Symphonieorchester (LSO). Seit 2020 kommen die Musiker einmal im Jahr in die Kirche Kitzen. Mithin war es am 31. Mai 2026 der siebte Auftritt. Es wird nicht der letzte Auftritt sein, auch wenn Chefdirigent Robbert van Steijn das seit 63 Jahren bestehende Orchester verlässt.

Gegenüber dem Kitzener Publikum verabschiedete er sich mit einer Lobrede auf die „hervorragende Akustik in der Kirche und die wunderbare familiäre Atmosphäre“, in der man gern spiele. „Das Leipziger Symphonieorchester, die Kirche und das Publikum passen eben gut zusammen.“

Katharina Böhm wurde für ihr Flötenspiel gefeiert.

Mehr als 80 Besucherplätze wurden am Sonntagnachmittag in Sankt Nikolai besetzt. Unter den Besuchern waren neben den „Stammgästen“ viele Neulinge, die zum ersten Mal nach Kitzen gekommen waren und nach dem Eindruck des Konzerts gern wiederkommen wollen.

Unter dem weitreichenden Titel „Wiener Klassik“ präsentierte sich das LSO mit Stücken von Antonio Salieri, Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn. Neben Ludwig van Beethoven sind die drei genannten jene Komponisten, deren Werke aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und dem Anfang des 19. Jahrhunderts diese Epoche am nachhaltigsten prägten. Die Vertreter der Wiener Klassik wollten nicht nur, wie es van Steijn erklärte, dass Musik etwas zum Ausdruck bringt, sondern sie wollten sich selbst in der Musik zum Ausdruck bringen.

Auch Dirigent Robbert van Stijn war begeistert von seiner Solistin.

Bereits mit dem Auftaktstück, der Sinfonia in D-Dur „La Veneziana“ von Antonio Salieri (1750 – 1825) hatte das Orchester das Publikum für sich gewonnen. Geradezu begeistert waren die Besucherinnen und Besucher danach vom Konzert für Flöte und Orchester in G-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791). Katharina Böhm-Prokein brillierte an der Querflöte und bekam kaum endenden Beifall.

Theobald Böhm – Flötist, Komponist und Flötenbaumeister. Foto: Wikipedia

Die Musikerin hat in Leipzig Musikpädagogik und Orchestermusik studiert und ist seit 2004 Mitglied im Ensemble des LSO. Bereits mit neun Jahren hat sie das Flötenspiel erlernt und immer weiter vertieft. Sie setzt damit eine lange Familientradition fort, die mit ihrem Ururur-Großvater begann. Das war Theobald Böhm, der von 1794 bis 1881 in München gelebt hat. Er war nicht nur ein herausragender Flötenspieler, sondern ebenso Komponist. Zudem hat er den Flötenbau revolutioniert. Seine Bauart samt dem von ihm erfundenen Griffsystem ist bis heute die wesentliche bei der Herstellung von Flöten.

Ein begeistertes Publikum.

Im zweiten Teil des Programms gab es ein weiteres Stück von Mozart, das Divertimento in D-Dur. Abschließend ließen die Musiker die Sinfonie Nr. 49 in f-Moll „La Passione“ von Joseph Haydn (1732 – 1809) erklingen, für deren Aufführung es minutenlangen Beifall gab.

Blues, ohne den Blues zu bekommen

Blues in der Kitzener Kirche.

Traurig, melancholisch und voller Weltschmerz – nichts von alledem bringt die Elsterbluesband aus Leipzig im Konzert herüber. Vielmehr ist es Wärme, Erregung, Begeisterung, Gefühl, was die drei Musiker am Sonntagnachmittag (19. Oktober 2025) bei ihrem Konzert in die Kirche Sankt Nikolai in Kitzen getragen haben. Mit einem Blues ist wohl niemand von den mehr als 100 Besucherinnen und Besuchern nach Hause gegangen.

Auch wenn manche Texte verstörend sein mögen, die Musik vermittelten letztlich Lebensfreude. Bestes Beispiel dafür vielleicht ist der Gospel-Song „Go And Tell a Midnight Rider“ beziehungsweise „God’s Gonna Cut You Down“ (Gott wird dich niedermachen) in der Version von Johnny Cash (1932 bis 2003), die er kurz vor seinem Tod aufgenommen hat. Auch aus diesem düsteren Bild entsteht durch die Musik Hoffnung, die Weltschmerz und Traurigkeit überwindet. Der Elsterbluesband gelingt es genau wie ihren musikalischen Vorbildern dieses Gefühl ins Publikum zu tragen. Zu den ursprünglichen Songschreibern gehört mit Orlandus Wilson (1917 bis 1998) eine Legende des Blues beziehungsweise des Gospel, der bis zu seinem Tod mehr als 60 Jahre lang das Golden Gate Quartett prägte.

Paul Ulrich, Koma Kschentz, Sandrino Scherbaum sind die Elsterbluesband.

Musikalisch wandte sich die Elsterbluesband vor allem – der Name ist schließlich Programm – dem Blues zu beziehungsweise dem Rock. Wobei beide Musikrichtung ja enge Verwandte sind. Da bot es sich förmlich an, sich den Rolling Stones zu widmen, die gleich mit mehreren Titeln vertreten waren. Bei „It’s All Over Now“ machte Sandrino Scherbaum deutlich, wie leidenschaftlich er die Blues-Harp (Mundharmonika) spielen kann, die vor mittlerweile 60 Jahren Stones-Frontmann Mick Jagger einsetzte. Dazu gesellten sich Gesang und Gitarrenspiel von Rik „Paul“ Ulrich und der Schlagzeugeinsatz von Koma Kschentz. Letzterer ist übrigens der Sohn von Peter Kschentz (1941 bis 2005), einem langjährigen Mitglied der DDR-Kult-Band Renft.

Leidenschaftliches Spiel mit der Blues-Harp von Sandrino Scherbaum.

Scherbaum erwies sich nicht nur mit der Blues-Harp als absolut hörenswert, sondern auch beim Einsatz der Slid-Gitarre und der Lap-Steel-Gitarre (Hawaiigitarre). Natürlich wieder bei den Stones-Hits „Little Red Rooster“ und „No Expectations“. Da hatten die Musiker auch längst ihren Frieden mit dem Spielort gemacht. Denn beim Soundcheck in der leeren Kirchen hatte Ulrich noch befürchtet, dass der Hall-Effekt ihrer Musik schaden könnte. Mit einem hundertköpfigen Auditorium im Raum „verhallten“ alle Zweifel.

Nicht weniger leidenschaftlich: Paul Ulrich mit Gitarre und Gesang.

Ulrich, der aus Stralsund stammt, 1985 nach Leipzig kam und sich vor zwölf Jahren mit Scherbaum und Kschentz zur Elsterbluesband zusammenfand, wartete auch mit einem eigenen Bluestitel auf, dessen Entstehungsgeschichte er kurz erzählte. Als Stralsunder Junge sah er lange vor dem Mauerfall auf dem Rügendamm zwischen Dänholm und Altefähr oft die vom Saßnitzer Fährhafen kommenden Schwedenlaster. „Ich stellte mir dann immer vor, wohin sie wohl fahren würden und wie es dort wäre: Griechenland, Italien oder Spanien.“ Aus dem Erleben performte er später den Titel „The Iron Curtain“, der Eiserne Vorhang. Zum Glück seien jene Zeite lange vorbei.

Koma Kschentz beeindruckte das Publikum auch mit einem Schlagzeugsolo.

Wie bei den Stones-Hits setzte die Elsterbluesband auf eine Reihe anderer bekannter und oft gespielter Titel wie „Sixteen Tons“ von Ernie Ford, „Take Me To The River“ von Al Green oder „Undercover Agent For The Blues“ von Tina Turner. Selbst Besucher, die mehr aus Neugier als aus Liebe zu Blues und Rock gekommen waren, gingen mit einem guten Gefühl aus dem Konzert wie im Anschluss bei einem Gläschen Wein in der Pfarrscheune zu hören war.

Im Medien-Fokus

MDR-Redakteurin Cornelie Winkler (r.) im Interview mit Ingrid Riedel.

Kitzen ist in diesem Jahr ganz besonders in den Fokus von Medien gerückt. Zu verdanken ist das dem Förderverein der Kirche Sankt Nikolai. Der Abschluss der Sanierung der Dorfkirche war ein Grund. Neue Ideen waren ein weiterer Anlass, dass sich die Leipziger Volkszeitung und der Mitteldeutsche Rundfunk mit seiner Fernsehabteilung als auch mit seinem Online-Portal während der letzten Wochen in Kitzen einfanden.

MDR-Redakteurin Cornelia Winkler hat sich in einem Beitrag für das Online-Portal des MDR sehr ausführlich mit der Sanierung der Kirche beschäftigt. Dazu gibt sie Einblicke in das kulturelle Leben in Kitzen, das seit mehr als 15 Jahren während zirka 150 Veranstaltungen in der Kirche und im Kulturhaus bis zu knapp 200 Besucher pro Event anzieht. Zugleich würdigt sie insbesondere das ehrenamtliche Engagement von Dutzenden Frauen und Männern, die sich mit Spenden, Arbeitsleistungen und ihrem Einsatz bei der Organisation von Veranstaltungen regelmäßig einbringen. Der Beitrag ist hier zu finden: Von der Ruine zur Bühne.

LVZ-Reporterin Claudia Carell im Gespräch mit Ingrid Riedel und Siegwald Bilesch (v.l.)

LVZ-Reporterin Claudia Carell hat sich mit dem Gesamtpaket kulturellen und sozialen Engagements in Kitzen beschäftigt, das parallel zur Kirchensanierung zu weiteren Aktivitäten geführt hat. Dabei geht es um die Einrichtung des Bücherstübchens ebenso wie um den regelmäßigen stattfindenden Seniorentreff oder die Treffen der Landfrauen. Mittlerweile gibt es im Ort auch eine enger werdende Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Vereinen wie eben Förderverein, Karnevalsclub, Oldtimerverein, Sportverein oder Feuerwehrverein. Der Beitrag erschien in der LVZ am 7. Oktober und ist auch online auf lvz.de abrufbar, vorausgesetzt man hat ein online-Abo: Was ist das Erfolgsgeheimnis …

Unter dieser Schlagzeile erschien der Beitrag in der LVZ vom 7. Oktober. Einen kompletten Screenshot des Artikels zu veröffentlichen, ist aus urheberechtlichen Gründen nicht möglich.

Ganz speziell mit einem Zukunftsprojekt für Kitzen beschäftigt sich ein MDR-Fernsehbeitrag am 15. September. Dabei geht es um die Einrichtung eines rund um die Uhr zugänglichen und mit Automaten bestückten Dorfladens, der im nächsten Jahr öffnen soll. Entstehen wird er im ehemaligen Pförtnerhaus des früheren Kreisbetriebes für Landtechnik an der Ernst-Thälmann-Straße. Redakteurin Katja Pollokat und Kameramann Marko Becke hatten den Beitrag gedreht, der auch heute noch in der ARD-Mediathek abrufbar ist: „Neuer Dorfladen“.

Siegwald Bilesch, Marko Becke, Katja Pallokat, Ingrid Riedel und Viktor Johannsen (v. l.) beim Besuch der MDR-Filmcrew.

Kampf um den Floßgraben

Bei Elstertrebnitz sprudelt Wasser aus dem Tagebau Profen in den Floßgraben. Es ist die Quelle für den Abschnitt, der auch durch Kitzen und Eisdorf führt.

Dem Elsterfloßgraben droht die Trockenlegung. Wenn die Mibrag aufgrund des politisch gewollten Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen für die Stromerzeugung 2030 mit der Kohleförderung in Profen aufhört, wird auch kein Wasser mehr in den Floßgraben eingeleitet. Das erfolgt bislang über eine „Quelle“ bei Elstertrebnitz. Von dort führt der Floßgraben an Werben vorbei, mitten durch Kitzen, weiter nach Eisdorf, ins sachsen-anhaltische Kleingörschen und über Lützen bis in den Raum Schladebach/Kötzschau.

Frank Thiel vor einem Jahr beim Vortrag in Kitzen.

Mit einer Neun-Punkte-Erklärung hat der Förderverein Elsterfloßgraben seinen Standpunkt zum langfristigen Erhalt des Floßgrabens als Technisches Denkmal und als Ökosystem deutlich gemacht. Das Floßgrabensystem wurde vor rund 450 Jahren gebaut, um Brennholz aus dem Vogtland zu den Salinen bei Schladebach und Kötzschau sowie nach Leipzig zu transportieren. Dank der Initiative des Vereins sind heute wieder Abschnitte zwischen dem thüringische Crossen und Schleckweda im sachsen-anhaltischen Burgenlandkreis sowie eben der bei Elstertrebnitz beginnende Graben erhalten und führen auch Wasser.

Vor einem Jahr hat der Vereinsvorsitzende Frank Thiel in Kitzen bei einer Veranstaltung des Kulturfördervereins über das Projekt gesprochen. Klar ist, dass für den Erhalt die Bundesländer Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt an einem Strang ziehen müssen und nach Ansicht des Floßgrabenvereins auch verantwortlich für den Erhalt sind. Thiel sagt, es sei nicht hinnehmbar, dass die Landesregierung Sachsen-Anhalt die Absicht geäußert habe, den Floßgraben zu beseitigen. „Das ist ein Verstoß gegen den Denkmal- und Naturschutz“, sagt Thiel. In allen drei Bundesländern sei der Floßgraben in die Listen der Technischen Denkmale aufgenommen.

Ist der Teich an der Feuerwehr Kitzen bedroht, wenn über den Floßgraben kein Wasser mehr fließt?

Dies und weitere Argumente pro Elsterfloßgraben stehen auch in der Erklärung der 4. Elsterfloßgrabenkonferenz, die am 26. März dieses Jahre stattgefunden hat. Um vor allem die Landesregierung in Sachsen-Anhalt zu bewegen, sich für den Graben und seiner Wasserführung zu engagieren, sammelt der Verein jetzt auch Unterschriften von Bürgern. Entsprechende Listen sowie die Erklärung und weitere Informationen sind unter www.elsterflossgraben.com zu finden beziehungsweise stehen zum Download zur Verfügung.

Der Kulturförderverein, so erklärte Vorsitzende Ingrid Riedel, unterstützt das Engagement des Floßgrabenvereins nachdrücklich. Während der nächsten Veranstaltung des Kitzener Kulturfördervereins am 27. April in der Kirche Sankt Nikolai werden deshalb Kopien der Erklärung sowie Unterschriftenlisten ausliegen. Wem der Erhalt des Grabens am Herzen liegt, kann sich in die Listen eintragen. Die Unterschriftslisten werden dann an den Floßgrabenverein übermittelt.

Rudolph Sack begründete 162jährige Industrietradition

Thomas Vogler gab Einblicke in das Leben von Rudolph Sack und die Entwucklung von BBG.

Kleinschkorlopp oder Löben? Wo nun alles seinen Anfang nahm, darüber lässt sich trefflich streiten. Rudolph Sack erblickte 1824 in Kleinschkorlopp das Licht der Welt, aber in Löben baute er 1850 gemeinsam mit dem Dorfschmied Klopp den ersten deutschen Pflug aus Eisen. Was heute so normal klingt, war damals eine Sensation und sollte die Landwirtschaft revolutionieren und wenige Jahre später in die Gründung einer nunmehr 162 Jahre anhaltenden Industrietradition münden. Sack gründete 1863 in Leipzig-Plagwitz die Landmaschinenfabrik Rudolph Sack.

Den Bogen vom deutschen Pflug-Pionier bis zur heutigen Landmaschinenproduktion unter dem Markennamen Amazone bei BBG Leipzig spannte bei einem Vortrag am 23. März im Kitzener Kulturhaus Thomas Vogler. Vogler hat sei komplettes berufliches Leben in verschiedenen Funktionen bei Bodenbearbeitungsgeräte (BBG) in Leipzig verbracht. Der Mann vom Jahrgang 1954 erlebte nicht nur die Entwicklung des bedeutendsten Landmaschinenherstellers der DDR, sondern war ebenso Zeitzeuge des Fast-Untergangs von BBG nach 1990 sowie der Wiederauferstehung ab Ende der 1990er Jahre mit der Übernahme des Betriebes durch das renommierte Landmaschinenunternehmen Amazone der Industrieellenfamilie Dreyer aus dem niedersächsischen Hasbergen-Gaste bei Osnabrück.

Vogler, der für den erkrankten Siegfried Pögel beim Vortrag eingesprungen war, schilderte, wie aus dem Volkseigenen Betrieb BBG mit 4100 Beschäftigten bis 1998 noch rund 90 Mitarbeiter übriggeblieben waren. Mit denen begann Amazone, nachdem eine frühere Privatisierung von BBG mit einem anderen Partner gescheitert war, den Aufbau einer neuen Produktionsstätte an der Rippachtalstraße in Leipzig. Viele Menschen aus Kitzen und Umgebung kennen das Gelände, an dem sie bei Fahrten nach Leipzig vorbeikommen. Der Investition von rund 65 Millionen Euro lässt Amazone derzeit laut Vogler noch einmal 12 Millionen Euro folgen, um das traditionsreiche Leipziger Werk mit mittlerweile fast 500 Beschäftigten weiter auszubauen.

Gut besucht war der Vortrag im Kitzener Kulturhaus.

Die Amazonenwerke wurden nur zwei Jahrzehnte nach Sacks Landmaschinenbau gegründet. Mit der Übernahme haben sich zwei geschichtsträchtige Unternehmen zusammengefunden. Die Sacksche Fabrik war immerhin in den 1930er Jahren der größte Pflug- und Drillmaschinenhersteller der Welt.

Ein kurzer Film, der allerdings schon zehn Jahre zuvor gedreht worden ist, veranschaulichte die Entwicklung der beiden Landmaschinenunternehmen bis hin zum gemeinsamen Weg. Die Amazonenwerke werden in der vierten Generation von der Familie Dreyer geführt. Da bleibt offenbar Geschichtsbewusstsein bewahrt, den neben dem Firmennamen Amazone ist beim Leipziger Werk der Name BBG erhalten geblieben, wie man den Firmen- und Bauschildern am Betriebsgelände in der Rippachtalstraße entnehmen kann.

Für die gut 50 Besucher des Vortrags im Kulturhaus Kitzen waren die 60 Minuten ein kurzweiliger Ausflug in die hiesige Geschichte des Landmaschinenbaus. Auch wenn sich mancher womöglich etwas mehr über die Geschichte von Rudolph Sack und seiner Nachkommen gewünscht hätte. Dass Inhalte dazu recht knapp ausfielen, war sicher auch dem Wechsel des Referenten geschuldet. Vogler hatte seinen Vortrag mehr auf BBG ausgelegt. Sein Leben bei und mit BBG bis zu seiner Pensionierung hat er in seinem Buch „Die BBG, mein Leben“ niedergeschrieben.

Der Gedenkstein für Rudolph Sack in Löben.

Allerdings gab und gibt es verschiedene Aktivitäten, die Erinnerung an Rudolph Sack zu pflegen. In Löben gibt es seit dem September vorigen Jahres einen Gedenkstein für den Erfinder und Unternehmer. In der VDI-Garage an der Leipziger Karl-Heine-Straße, die sich in einem 1912 erbauten Gebäude der Sackschen Fabrik befindet, wird das Andenken von Rudolph Sack gepflegt. Seit 2018 steht dort auch eine 1906 von Adolf Lehnert gestaltete Büste. Seit Dezember 2000 gibt es wieder einen Rudolph-Sack-Straße in Leipzig. Die Fröbelstraße wurde damals umbenannt. Die Erinnerung an den Pädagogen Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782 – 1852) ist mit einem Straßennamen im heute zu Leipzig gehörenden Wiederitzsch dennoch erhalten geblieben. Das frühere Anwesen der Familie Sack in Leipzig, das sich im Robert-Koch-Park befindet, rückt mittlerweile in den Fokus eines Vereins, der es erhalten möchte. Mehr dazu ist in einer Broschüre mit dem Titel „Ein Schloss in Grünau“ zu lesen, die der Kitzener Bodo Götze am Ende des Vortrags vorstellte. Unter anderem geht es den Initiatoren darum, den Robert-Koch-Park in Paul-Sack-Park umzubenennen. Der 1923 gestorbene Sohn von Rudolph Sack hatte seinerzeit den Park gestalten lassen.

Bodo Götze zeigt die Broschüre zum einstigen Anwesen der Familie Sack in Leipzigh-Grünau.

Gerlinde Wippert ausgezeichnet

Landrat Henry Graichen übergibt den Preis an Gerlinde Wippert.

Mit dem Ehrenamtspreis des Landkreises Leipzig ist am Freitag, 19. Januar 2024, Gerlinde Wippert ausgezeichnet worden. Vorgeschlagen hatte das der Förderverein der Kirche Sankt Nikolai Kitzen. Damit ist die Kitzenerin eine von sechs Personen, die beim Neujahrsempfang des Landkreises im Markkleeberger Rathaus für ihr ehrenamtliches Engagement im Jahr 2023 geehrt wurden.

Gerlinde Wippert (M.) mit Laudatorin Ingrid Riedel und Landrat Henry Graichen.

Aber was heißt für 2023? Das ist schließlich nur eins in einer ganzen Reihe von Jahren, in denen Gerlinde Wippert für andere aktiv gewesen ist. Neben ihrem beruflichen Einsatz als Altenbetreuerin in einem Pflegeheim, das sei noch angemerkt. Genau darauf machte Ingrid Riedel, die Vorsitzende des Fördervereins, in der Laudatio auf Gerlinde Wippert aufmerksam. „Seit 2008 leitet sie eine Frauen-Gymnastikgruppe, die sich wöchentlich trifft“, sagte Ingrid Riedel. „Gerlinde ist immer da“, weil sie nicht wie die eine oder andere Kursteilnehmerin dem inneren Schweinehund nachgeben und einfach mal nicht kommen könne. Da zu sein, sei aber nur eine Sache. Um in dem Sinne da sein zu können, muss sie regelmäßig Lehrgänge besuchen, um ihre Lizenz als Übungsleiterin zu erneuern.

Musikalisch umrahmt wurden Empfang und Preisverleihungen von Schülerinnen und Schülern der Musik- und Kunstschule Landkreis Leipzig mit einem großartigen Percussion-Programm.

Aber nicht nur beim Sport ist sie da. Als bereits 2005 der Seniorenclub in Kitzen ins Leben gerufen wurde, war sie sofort mit helfenden Händen dabei. Besonders würdigte Ingrid Riedel den Einsatz von Gerlinde Wippert in den Zeiten der Corona-Pandemie. Sie habe Kontakt zu den Senioren gehalten, den ein oder anderen zum Arzt gefahren, Einkäufe erledigt oder „sich auch einmal die Lebensgeschichte einsamer Menschen angehört“.

Wer regelmäßiger Besucher der Kulturveranstaltungen des Fördervereins ist, wird Gerlinde Wippert erst recht kennen. Ist sie es doch, die die Kuchentafel vor den Veranstaltungen organisiert, mit anderen zusammen Kaffee und Kuchen verkauft, abwäscht und saubermacht.

Die Runde der diesjährigen Preisträger mit dem Landrat (l.): (von rechts) Helmut Kuppke von der Freiwilligen Feuerwehr Thräna, Stellvertreterin für Mike Majetschak vom FSV Eintracht Serbitz/Thräna, Gerlinde Wippert, Kai Ludwig vom SV Groitzsch, Viola Heß vom Ringelnatzverein Wurzen sowie Elke Sinn vom Verein zum Wohle der Tiere in Lossa..

Übrigens: Gerlinde Wippert sollte mit der Auszeichnung überrascht werden. Gemeinsam mit ihrem Mann wurde ein Plan geschmiedet. Sie sei zu einer Kabarettveranstaltung eingeladen, hieß es. Und noch bei Betreten des Lindensaals im Markkleeberger Rathaus glaubte sie daran, wie sie am Abend sagte. Erst als sie auf ihrem Sitzplatz das Faltblatt mit dem Programm für den Neujahrsempfang fand, habe ihr geschwant, dass es womöglich gar nicht um Kabarett gehen könnte.

Stimmgewaltige Operettengala

Anne Wegele überzeugte sowohl bei der Arie des Prinzen Orlowsky aus der Fledermaus als auch bei ihrer Kurt-Weill-Interpretation.

Noch fühlt es sich an, wie der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein. Der Unterschied: 363 Euro verdunsten nicht einfach. Sie fließen in die Kasse für die Sanierung und den Wiedereinbau der Orgel in der Kirche Sankt Nikolai Kitzen. Rund 75000 Euro wird es kosten, die Orgel wieder erklingen zu lassen. 50000 Euro davon hat die Kirchengemeinde, die für das Projekt verantwortlich zeichnet, bereits vom Freistaat Sachsen als Förderung zugesagt bekommen. Der Rest muss über Spenden aufgetrieben werden.

Zahlreiche Konzertbesucher fanden den Weg in die Kirche Sankt Nikolai

Die besagten 363 Euro sind der Reinerlös aus den Einnahmen für die Herbstgala der Hochschule für Theater und Musik Leipzig, die Studierende am 22. Oktober in der Kirche beim Kultursonntag des Fördervereins vortrugen. Die Mitglieder der Gesangsklasse von Professorin Ilse-Christine Otto zeigten sich gut geschult, glänzten mit bekannten Operettenmelodien sowie mit einigen mehr oder weniger bekannten Chansons. Begleitet wurden sie am Klavier von Professor Hartmut Hudezeck, der auch für die Einstudierungen gesorgt hatte und sich zudem als kabarettistischer Interpret von Liedern Georg Kreislers (1922 bis 2011) entpuppte. Mit „Eine kleine Gutenachtmusik“, basierend auf der mozartschen Melodie der „Kleinen Nachtmusik“, beschrieb er Eindrücke eines Konzertbesuchs und löste beim Publikum in der gut besuchten Kirche jede Menge Heiterkeit aus.

Bruno Szabo bei seinem Auftritt mit dem Chanson „Mein Hund beißt jede schöne Frau ins Bein“

Dafür sorgten auch die jungen Sängerinnen und Sänger mit Liedern aus Johann Strauß` „Die Fledermaus“, Paul Abrahams „Viktoria und ihr Husar“ oder Carl Zellers „Der Vogelhändler“, Franz Lehars „Paganini“ und „Die lustige Witwe“. Zudem gab es Chansons wie „Der Abschiedsbrief“ von Kurt Weill, „Aloisi“ von Hermann Leopoldi oder „Mein Hund beißt jede schöne Frau ins Bein“ von Kurt Schwabach.

Mit ihren wunderbaren Stimmen begeisterten die jungen Künstlerinnen und Künstler nicht nur bei ihren Soloauftritten, sondern ebenso als Ensemble.

Auch als Ensemble gaben die Studierenden alles
Leonie Herzog verteilte als Christel von der Post erst einmal „Post“, ehe sie die bekannte Arie aus „Der Vogelhändler“ sang
Markus Haase besang das ungarische Mädel aus „Viktoria und ihr Husar“
Verena Flitsch zeigte sich im Chanson-Fach zu Hause
Hartmut Hudezeck begleitete die Gesangsbeiträge und zeigte sich als kabarettistischer Sänger
„Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“ sang Felicia Brembeck
Fridolin Wissemann mit dem Lied des Paganini „Gern hab´ ich die Frau´n geküsst“
Johanna Ihring bei der Arie „Liebe, du Himmel auf Erden“ aus Paganini