Trotz des kühlen Wetters ließen es sich viele Besucher schmecken.
An einem 9. Mai im Freien zu frühstücken, das kann gut gehen, muss aber nicht. Vieles hängt vom Wetter ab. Bei mehr als 20 Grad wie eine Woche zuvor wären sicher deutlich mehr hungrige Mäuler gekommen. So blieb die zweite Auflage des vom Förderverein Kirche Sankt Nikolai organisierten Marktfrühstücks auf der Terrasse des Kitzener Kulturhauses hinter der Premiere im September des Vorjahres ein wenig zurück. Dennoch gingen gut fünf Dutzend liebevoll vorbereitete und leckere Frühstücksteller über den Tresen. Es gab Wurst, Käse, Marmelade und frische Brötchen. Dazu wurden Kaffee und Kakao ausgeschenkt – natürlich mit Milch von den heimischen Kühen der Agrarprodukte Kitzen. Später am Vormittag wurden zudem Bratwürste gegrillt. Zu kaufen gab es Honig, Wurstkonserven, Gemüse- und andere Pflanzen. Frischeprodukte wie Tomaten, Salat, Gurken und ähnliches wurde zwar von dem ein oder anderen nachgefragt, waren aber von den regionalen Erzeugern in dieser Jahreszeit noch nicht marktreif. Dafür hatte Winzer Patrick Gaudig aus Weißenfels-Kriechau das Angebot angenommen, sich mit den Ergebnissen der jüngsten Jahrgänge zu präsentieren. So wurde manches Glas Wein auch zur Vormittagsstunde konsumiert und manche Flasche mit nach Hause genommen.
Im Laufe des Vormittags gab es auch Bratwurst frisch vom Grill.
Trotz des unterkühlten Wetters war das zweite Kitzener Marktfrühstück vielen Besuchern ein guter Anlass, sich zu treffen, zu schwatzen und eben mal mit dem Frühstück aus dem sonstigen alltäglichen Rhythmus auszubrechen. Und ganz sicher: Es wird wieder kuscheligere Tage für das dritte Marktfrühstück geben.
Vor dem Kauf von Honig durfte auch gekostet werden.Der Pflanzenverkauf kam gut an.
Für viele kam es offenbar ganz überraschend per Pegauer Whats-App-Kanal am Mittwochnachmittag. Zum Himmelfahrtstag hatte die Kitzener Kirchgemeinde die Bad Dürrenberger Band Blues Projekt Vesta eingeladen. Vesta ist ein Ortsteil von Bad Dürrenberg. Die drei Herren an Gitarre, Bass und Schlagzeug hatten sich zudem noch einen Kollegen für die Orgel eingeladen, so dass zum Abschluss ein Zusammenspiel mit der ja erst im vorigen Jahr sanierten Rühlmann-Orgel gelang, das das Quartett zuvor noch nicht gemeinsam geprobt hatte. Mit einem Titel der britischen Band Procol Harum und dem Halleluja von Leonard Cohen setzten sie es gut in bluesige Rhythmen um. Zuvor bekamen die rund 40 Besucher in der Kirche Sankt Nikolai einen Mix aus gut einem halben Jahrhundert Blues und Rock zu hören. Titel von Bob Dylan (Knocking on heaven’s door), Bruce Springsteen (The River), Neil Young (Hey, hey, my,my und Like a Hurricane), CCR (Bad Moon Rising) und viele mehr fanden im Publikum Anklang.
Knapp zwei Stunden lang hat sich das Publikum die Seele aus dem Leib gelacht. Und urplötzlich ist das Kabarettprogramm zu Ende. Es hätte noch mehr sein können, schienen sich die Besucherinnen und Besucher einig. Von Kabarett kann man nicht genug bekommen. Aber Fördervereinsvorsitzende Ingrid Riedel brachte es auf den Punkt, als sie den Künstlern noch ein kleines Präsent als Dankeschön und Abschied überreichte: „Anke Geißler kommt im April 2027 wieder.“ Der Applaus war enthusiastisch, als habe die Kabarettistin gerade noch einen letzten guten Gag rausgehauen.
Mutter aus dem Hessischen zu Besuch.
Mehr als 150 Menschen füllten am 26. April das Kulturzentrum Kirche Sankt Nikolai, um Anke Geißler als Gastwirtin Monike Weingeist und in andere Rollen zu erleben. Und sie kamen voll auf ihre Kosten. Zum Beispiel wenn Monika Weingeist von ihren erwachsenen Kindern Tim und Tom erzählt, die sich nicht aus dem Haus bewegen mit ihrem 30 Jahren, die das schon als Kinder nicht getan haben, weshalb sie auch nie aufgeschlagene Knie hatten. „Die Pflaster mit den Motschekiepchen habe ich heute noch zu Hause.“ Und sie habe ihnen Jobs in ihrer Kneipe angeboten für 1000 Euro pro Woche. „Aber das interessiert sie einfach nicht!“
Arbeitsscheue Tochter aus gutem Haus.
Dann schlüpft Anke Geißler in anderer Rollen, wie die der Dame aus dem Hessischen, die ihre studierende Tochter in Leipzig besucht, also im Osten. Als die ihr erzählt habe, dass sie in Leipzig studieren werde, „habe ich erst einmal gefragt, welche größere Stadt da in der Nähe liegt“. Gekonnt wechselt Geißler in die Rolle der Sunny, einer arbeitsscheuen Tochter aus gutem Haus. Um sich gleich wieder als Klaus zu präsentieren, der sich als Binärer Hybrid-Vegetarier und Mischung aus gealtertem Rocker und Türsteher vorstellt. Urkomisch! Ebenso der Hausgeist Balduin, der immer noch im Wirtshaus spukt, nachdem er vor mehr als 80 Jahren entlassen wurde.
Bei Jürgen Harts Klassiker „Der schönste Platz“
Genau so köstlich ist Geißlers Interpretation eines Uralt-Titels von der Leipziger Kabarettlegende Jürgen Hart. „Der schönste Platz“ fand seinen Platz schon 1979 auf einer Single und 1980 im Album „Hart auf Hart“ zusammen mit „Sing, mei Sache, sing“, „Brunos Geist“ und anderen. Der schönste Platz ist „der Schaukelstuhl an meinem Grab … da sitz ich gerne ein und gedenke mein … und mein Doppelkinn, das wabbelt leis im Wind“. Alles musikalisch untermalt von Enrico Wirth am Piano.
Kein Platz blieb leer bei der Veranstaltung.
Dem begeisterten Publikum gelang es, eine Zugabe zu ergattern, die dem vorangegangenen Programm in nichts nachstand. Geißler sang „Am Brunnen vor dem Tore“, allerdings in einer Version, wie sie sich – satirisch überhöht – von Herbert Grönemeyer anhören könnte. Mit Worten beschreiben lässt sich das gar nicht, aber es war zum Brüllen.
Gut unterhalten fühlte sich das Publikum bei der Lesung. Foto: Robert Zentner
Wer kennt das nicht? Das Telefon klingelt und keiner ist dran. Das Telefon klingelt und man bekommt die Nachricht, dass etwas mit dem Bankkonto nicht stimmt. Das Telefon klingelt und man wird gebeten, an einer Umfrage teilzunehmen. Das ist nur eine kleine Auswahl von dem, was einen erwarten kann, wenn das Telefon klingelt und im Display kein aus der Kontaktliste bekannter Name auftaucht. Umgekehrt nervt es oft, wenn man während eines Anrufs bei einem Dienstleister erst die Taste mit der 1, dann die mit der 2, 3, 4 und so weiter drücken muss, um am Ende zu erfahren, dass alle Leitungen belegt seien. Birger Zentner hat aus solchen und anderen Begebenheiten des Lebens heitere Kurzgeschichten verfasst. Einige davon hat er beim ersten 2026er Kultursonntag des Fördervereins der Kirche Sankt Nikolai Kitzen im Kulturhaus des Ortes zum Besten gegeben. Zudem hat der Autor seinen Ende des vorigen Jahres erschienenen Weißenfels-Krimi vorgestellt. Etwa 70 Besucherinnen und Besucher waren zu den Lesung gekommen und fühlten sich für knapp zwei Stunden gut unterhalten. Vor der Lesung und in der Pause sorgten die fleißigen Helferinnen und Helfer aus dem Verein wieder für den Verkauf von Kaffee und Kuchen.
Birger Zentner während der Lesung. Foto: Robert Zentner
Sabine Waszelewski und Klaus-Jürgen Dobeneck als Capriccio zum 1. Advent in Kitzen.
Was muss, was darf, was kann in ein Adventskonzert? Offenbar eine ganze Menge, wie das Dessauer Duo Capriccio bei seinem Auftritt zum 1. Advent am 30. November 2025 in der Kirche Kitzen zeigte. Sabine Waszelewski (Gesang) und Klaus-Jürgen Dobeneck (Gitarre und Querflöte) mischten ein abwechslungsreiches Programm unter dem Titel „Dass ich eine Schneeflocke wär“ und boten den rund 160 Besucherinnen und Besuchern klassische Weihnachtslieder wie „Fröhliche Weihnacht“ und „Stille Nacht“, ebenso bekannte weihnachtliche Popsongs wie die in den 1970er und 1980er Jahre entstandenen „Please come home for christmas“ von den Eagles, „Last Christmas“ von der Gruppe Wham! und „Driving home for christmas“ von Chris Rea.
Dobeneck als Solist mit der Querflöte.
Dazu griffen sie ein Stück ins Klassische mit „Air“ von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) und „Adagio“ von Tomaso Albinoni (1671 bis 1741). Dobeneck spielte beides als Solist gekonnt auf der Querflöte. So zeigte er sich nicht nur als kongenialer instrumentaler Begleiter von Waszelewski. Was im Übrigen für den größten Teil des Publikums keine Neuheit war. Es kannte Capriccio bereits aus drei, vier früheren Auftritten in Kitzen, die jeweils mit Begeisterung aufgenommen worden waren.
Sabine Waszelewski
Als dritte Gruppe gab es Titel aus dem letzten Dreivierteljahrhundert, die mit Weihnachten wenig bis nichts zu tun haben, die aber dennoch gut in ein Adventskonzert passten. „Scarborough Fair“ von Simon&Garfunkel zum Beispiel. Oder, um es mit den Worte der Sängerin zu sagen: „Irgendwie klingt das meiste von Simon&Garfunkel wie ein Weihnachtslied.“ Darum liebe sie die Songs der beiden. Das Publikum empfand das, wie man am Beifall spürte, ganz offensichtlich ebenso. Und es geizte mit seiner Wertschätzung auch bei einer Reihe anderer Titel nicht, allen voran jener Song, der dem Capriccio-Programm seinen Titel gab: „Dass ich eine Schneeflocke wär“ von Veronika Fischer (übrigens auch schon aus den 1970er Jahren).
So war von der Kühle in der Kirche, die sich kaum von den Außentemperaturen unterschied, bald nichts mehr zu spüren. Das Publikum wollte das musikalische Duo schließlich nicht ohne Zugabe von dannen ziehen lassen. Waszelewski und Dobeneck ließen sich nicht lange bitten. „White Christmas“ erklang, 1940 von Irving Berlin (1888 bis 1989) komponiert und sieben Jahre später von Bing Crosby (1903 bis 1970) zu Weltruhm gesungen. Und schließlich gab es noch ein „Halleluja“, nämlich das in der Version von Leonard Cohen (1934 bis 2016). Damit waren Künstler und Publikum wieder ganz weit drin in der Adventszeit.
Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Kitzener Kirche zum Adventskonzert.
Die Fiddle Folk Family in der Kitzener Kirche Sankt Nikolai.
Wildnis und sanfte Hügel, üppige Vegetation an der irischen Küste bei Kerry und dürres Gras der schottischen Highlands, steile Klippen und klare Seen, Whisky vom Feinsten und ein Bier in einem Pub, uralte Schlösser und wunderbare Gärten, ergreifende Balladen über Landschaften und Menschen – Irland und Schottland haben das alles reichlich. Fiddle Folk Family bringt das musikalisch auf die Bühne. Die singende und klingende Familie aus Markranstädt, Ortsteil Göhrenz, war am Sonntag, 28. September 2025, einmal mehr in der Kitzener Kirche Sankt Nikolai zu Gast und begeisterte rund 180 Besucher. Zum wiederholten Male in diesem Jahr passte keine weitere Sitzgelegenheit mehr in den Kirchenraum.
Kein weiterer Stuhl passte mehr in die Kirche.
Die Platz gefunden hatten, feierten das Quintett ausgiebig. Wer Schottland und Irland kennt, konnte sich erinnern an seine Reiseerlebnisse, wer die Landstriche bislang nicht gesehen hat, konnte sich in sie hineinträumen und darüber nachdenken, sie einmal persönlich in Augenschein zu nehmen. Die Ballade von der Fischhändlerin Molly Malone, die seit 1987 in Dublin ein entzückendes Denkmal hat und mittlerweile ein Wahrzeichen der irischen Hauptstadt ist, gehörte dazu. Das Lied gibt es zwar schon seit 1883, aber die irische Folkband Dubliners hat es während ihrer Existenz zwischen 1962 und 2012 um die Welt getragen.
Das Denkmal für Molly Malone in Dublin.
Nicht so alt, aber ebenso berührend, dass die Melodie einem gar nicht mehr aus dem Kopf will, ist „Mull of Kintyre“. Ex-Beatle Paul McCartney hat die Ballade um die südliche Spitze der schottischen Halbinsel Kintyre mit seiner Begleitband The Wings in den 1970er Jahren nach der Beatles-Ära gesungen. Der Song geht einem schon deshalb noch eine Weile durch den Kopf, weil die Fiddle Folk Family ihn als letztes Stück des Abends spielte und sang. Das Publikum hatte ihn sich als zweite Zugabe erklatscht.
Blick auf den Leuchtturm am Mull of Kintyre und die irische See.
In die bunte Mischung der irischen und schottischen Folksongs mixten die Musiker noch ein wenig Countrymusic. Zum Beispiel mit „I saw the Light“ von Johnny Cash (1932 – 2003), einem der berühmteste Country-Musiker. Entdeckt habe er den Song schon in den 1970er Jahren, als Cash ihn in einem der frühen Inspektor-Columbo-Filmen in seiner Rolle als Tommy Brown gesungen hat. Cash spielt in dem Film den Mörder, der von Columba, gespielt vom unvergessenen Peter Falk (1927 – 2011), natürlich raffiniert überführt wird.
Die dritte Generation: Jakob Klingner mit der Flöte.
Dazu gab es ein wenig Blue Grass, der sich als Musikstil aus Einflüssen der angloamerikanischen Ballade, afroamerikanischer Tanzmusik, gemischt mit der Musik der Einwanderer aus Europa – darunter Iren – entwickelt hat. Und schließlich griff Fiddle Folk Family mit „What shall wie do with the drunken Sailor“ ins große Reservoire der Shantys. Mit „Wild Rover“, einem 200 Jahre alten irischen Volkslied, gab es zudem einen Klassiker, bei dem das Publikum so herrlich mitklatschen konnte. Wem der Liedname nichts sagte, dem kam die Erleuchtung nach den ersten Tönen. Denn zur Melodie haben Klaus und Klaus eine deutsche Version mit dem Titel „An der Nordseeküste“ getextet.
Matthias Neumann, Andreas und Stephan Klingner.
Fiddle Folk Family ist beim Publikum auch deshalb beliebt, weil es von Anfang an eine Mehr-Generationen-Band ist. Sangen anfangs Andreas und Bettina Klingner mit ihren Söhnen Simon und Stephan, so hat sich mittlerweile Enkeln Jakob als Sohn von Stephan in die Familienkapelle gespielt. Er übernimmt die Parts mit verschiedenen Flöten und der Schalmei, deren Töne typisch für irischen und schottischen Folk sind. Beim Auftritt in Kitzen war Bassist Simon zwar nicht dabei. „Er ist mit eigener Band unterwegs“, sagte Andreas Klingner. Aber bestens vertreten wurde er von Matthias „Neumi“ Neumann. Er sei oft mit Fiddle Folk unterwegs, sagte Andreas Klingner. „Wir kennen uns ja auch seit 40 Jahren“, ergänzte Neumi. Also ist auch er schon irgendwie Family.
Bettina Klingner.Vor dem Konzert war die Kuchentafel dicht umlagert. Fleißige Helferinnen und Helfer hatten gebacken und verkauften Kuchen, Kaffee, Wein und andere Getränke. Vor und nach dem Konzert waren viele unterwegs, um die Tische und Bänke im Pfarrhof aufzubauen sowie Dutzende Stühle als zusätzliche Sitzgelegenheiten vom Kulturhaus in die Kirche und wieder zurückzubringen.
Am 14. September 2025 hatte der Förderverein der Kirche Sankt Nikolai Kitzen nicht zum ersten Mal anlässlich eines Tages des offenen Denkmals Besucher in die Kirche eingeladen. Dennoch war es in diesem Jahr ein besonderes Ereignis. Es war der erste Tag des offenen Denkmals nach Beendigung der baulichen Sanierung und dem Wiedereinbau der mehr als 100 Jahre alten und nun erneuerten Rühlmann-Orgel.
Wieder gab es ein volles Haus beim Konzert zum Tag des offenen Denkmals in der Kirche Sankt Nikolai.
Dementsprechend hatten sich die Organisatoren auch etwas Besonderes einfallen lassen. Neben dem traditionellen Konzert zu dem Tag und einer öffentlichen Führung gab es eine ökumenische Vesper. Geleitet wurde sie vom evangelischen Pfarrer Hans Schmidt aus Kitzen und vom katholischen Pfarrer Christoph Baumgartner aus Leipzig, der auch für Katholiken in Kitzen und Umgebung Seelsorger ist. Neben Gebet und Fürbitte und Gesang baten sie fünf mit der Kirche und ihrer Sanierung verbundene Menschen, sich zu erinnern.
Die Pfarrer Christoph Baumgartner (l.) und Hans Schmidt leiteten die ökumenische Vesper am Nachmittag.
An einem Tisch im Altarraum hatten dafür Ingrid Riedel und Siegwald Bielesch Platz genommen, die Initiatoren und Organisatoren der Sanierung; Restauratorin Birgit Mühler; Albrecht Kunzmann, der seit Kindheit mit der Kirche verbunden ist und jahrzehntelang Arzt in Kitzen war; und Claudia Lange vom Gemeindekirchenrat. Jedem von ihnen hatte Hans Schmidt einen „Denkzettel“ gegeben, sozusagen ein Stichwort, mit dessen Hilfe sich die fünf Frauen und Männer vor einem reichlich in die Kirche geströmten Publikum, Gläubige wie Nichtgläubige, erinnern sollten.
Albrecht Kunzmann, Ingrid Riedel, Birgit Mühler, Claudia Lange und Siegwald Bielesch erinnerten sich.
„Dank“ war das Stichwort für Albrecht Kunzmann. Von der Taufe an sei er mit der Kirche verbunden und habe viele schöne Erinnerungen. Unter anderem „erinnere ich mich gern an die Gelegenheit für uns Kinder, am Sonntag die Glocken zu läuten. Besonders an das Anhalten der Glocken, bei dem wir Kinder am Seil ein Stück in die Höhe gezogen wurden“. Umso schmerzlicher empfand er den Verfall des Hauses. Anfang der 1990er Jahre habe es bereits einmal den Versuch gegeben, mit einem Verein die Kirche zu retten. „Aber erst mit Ingrid und Siegwald war dem Erfolg beschieden. Dafür gilt ihnen ein großer Dank.“
Das SalonQuartett „Stadtpfeifer“ beim Auftritt zum Tag des offenen Denkmals.
„Vom Gedanken zur Tat“ hieß der Denkmal-Anstoß für Siegwald Bielesch. Der mittlerweile 88-Jährige erinnerte sich, wie er und seine Frau Ingrid Riedel 2005 angesprochen wurden, sich einmal die Kirche anzuschauen, und wie erschrocken sie waren, als sie den Zustand sahen. „Auf dem Nachhauseweg habe ich Ingrid gefragt, ob wir uns für die Sanierung einsetzen wollen. Sie hat ja gesagt. Aber wir wussten beide nicht, was da auf uns zukommen würde.“ Im Rückblick erinnere er sich an unglaublich viel Arbeit, auch Rückschläge, vor allem aber an Glücksgefühle.
Stefan Altner spielte an der restaurierten Orgel.
„Portal“ stand auf dem Denkzettel für Birgit Mühler. Die Restauratorin ist eines Tages von Siegwald Bielesch angesprochen worden, dem sie vom Denkmalschutz empfohlen worden war. Die Frage war, ob sie sich der romanischen Eingangsportale annehmen würde. „Ja, das wollte ich, obwohl das Südportal, mit dem ich angefangen habe, schwer beschädigt war. Eine der Säulen war in solch schlechtem Zustand, dass selbst die Denkmalschützer sagte, ich solle sie austauschen.“ Aber sie sei ehrgeizig genug gewesen, um alles erhalten zu wollen. Das sei schließlich gelungen. „Die Arbeit war Herausforderung und Freude.“
„Begeisterung und Stolz“ waren die Gedankengeber für Ingrid Riedel. Nach 15 Jahren Sanierung gebe es viele Augenblicke, an die sie sich gern erinnere. Besonders einer stehe sinnbildlich für gemeinsam Geleistetes. „Als 2014/15 die Fenster der Kirche saniert wurden, sagte der Fensterbauer, dass er vor dem Wiedereinbau jemanden brauche, der die Scheiben putze. Ich habe im Frauenkreis nachgefragt, viele waren gern mit dabei. Im Kulturhaus wurden die Scheiben geputzt. Nachdem sie eingebaut waren, habe wir uns das Ergebnis gemeinsam angeschaut. Alle waren begeistert. Jede der Frauen betrachte das Werk, wusste noch, welche Scheiben sie geputzt hatte und war stolz darauf.“
Orgelbauer Thorsten Zimmermann (2. v. r.) freute sich über das Ergebnis seiner Arbeit.
„Überraschung“ hieß das Stichwort für Claudia Lange. „Ingrid rief mich eines Tages an, dass wegen der Sanierung die Orgel ausgebaut werden müsse.“ Und das möglichst schnell. Sie habe den Orgelbauer angerufen, der hatte Zeit für den Ausbau. Mit Hilfe von Spenden und Fördermitteln, um die man sich gemeinsam bemüht hatte, sei genügend Geld für die Restaurierung der Orgel zusammengekommen. Nun erklinge das Instrument wieder – das sei Überraschung und Freude zugleich.
Die neue alte Orgel erklang, gespielt von Stefan Altner, an dem Tag gleich mehrfach. Einmal während der nachmittäglichen Vesper, dann noch einmal im Rahmen des frühabendlichen Bläserkonzerts. Hatte Altner die Besucher der Vesper mit der Orgelinterpretation des Halleluja von Georg Friedrich Händel verabschiedet, begrüßte er sie wenig später mit „Jesus bleibet meine Freude“ von Johann Sebastian Bach erneut in der Kirche. Rund 150 Gäste lauschten dem Orgelspiel, dem gemeinsamen Auftritt von Orgel und Bläsern und schließlich dem kraftvollen Spiel des SalonQuartetts „Stadtpfeifer“ mit Karl Heinz Georgi, Ingolf Barchmann, Dirk Lehmann und Sebastian Ude. Dem klassischen Teil ließen sie eine Reihe modernerer Stücke folgen: Yesterday von den Beatles, We are the Champions von Queen, Is she lovly von Stevie Wonder, In the Mood von Glenn Miller und vieles mehr.
Viel beachtet wurden auch die Ausstellung von Frauenporträts der Malerin und Autorin Stephanie Steinhardt, die Wurzeln in Kitzen hat, sowie die Fotoschau „Momente“ von Birger Zentner.
Schließich saßen Musiker, Vereinsmitglieder und Konzertbesucher noch bis in die Dunkelheit bei Wein und anderen Getränken im Pfarrhof zusammen, sichtlich bewegt und beglückt vom Konzert und den Erinnerungen an eine anstrengende Zeit, ehe die Kirche jetzt wieder komplett saniert genutzt werden kann – als kulturelle Begegnungsstätte und Gotteshaus. Für die Veranstaltungen am Tag des offenen Denkmals musste kein Eintritt gezahlt werden, aber die Pfarrer Schmidt und Baumgartner baten sozusagen als Kollekte um Spenden für die Kirche. „Wir sind zwar fertig mit der Sanierung, aber jetzt muss das Gebäude auch erhalten werden. Das wird erneut Zeit, Arbeit und Geld kosten“, sagte Fördervereinsvorsitzende Ingrid Riedel.
Viele Besucher kamen bei Kaffee und Kuchen im Pfarrhof ins Gespräch.
Guten Appetit und viel Spaß hatten die Besucher beim Marktfrühstück.
Das 1. Kitzener Marktfrühstück war ein Volltreffer. Knapp 150 Besucher waren am Sonnabend, dem 13. September 2025, mit Kind und Kegel der Einladung des Fördervereins Kirche Sankt Nikolai und Bürgerstiftung Kitzen gefolgt. Auf der Terrasse des Kitzener Kulturhauses gab es die Möglichkeit, lecker zu frühstücken und parallel verschiedene Frischeprodukte wie Honig, Gemüse und Wurstwaren zu kaufen. Der Erlös der Veranstaltung wird in die Finanzierung des künftigen Kitzener Dorfladens einfließen, der im nächsten Jahr eröffnet werden soll. Dabei wird es sich um einen Automatenladen handeln.
Jede Menge Besucher beim Marktfrühstück.
Fördervereinsvorsitzende Ingrid Riedel und ihr Mann Siegwald Bielesch hatten im Frühjahr dieses Jahres das Konzept des Marktfrühstücks im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim kennengelernt. „Wir waren so begeistert, dass wir sofort überlegt haben, so etwas auch in Kitzen umzusetzen“, erinnert sich Bielesch. Die Frage war, kann etwas, was in der 20.000 Einwohner zählenden Stadt Bad Dürkheim klappt, auch im knapp 1000 Einwohner zählenden Kitzen funktionieren? Seit Sonnabend ist die Antwort ganz klar und eindeutig: Ja.
Andrea Auster (l.) bot Honig an.
Riedel und Bielesch sowie ihre Mitstreiter hatten in den vergangenen Wochen keine Arbeit und Mühe gescheut, um Partner für die Veranstaltung zu gewinnen. Die Frauen und Männer des Fördervereins hatten Tische, Bänke und Zelte aufgebaut, leckere Frühstücksteller vorbereitet, Kaffee gekocht und frische Brötchen von den Kitzener Bäckereien Hänsch und Tauber herangeholt. Die Wurst kam von der Pegauer Fleischer-Genossenschaft. An den kleinen Verkaufsständen wurden Waren der Gärtnerei Schladitz aus Pegau, Produkte wie Konserven und Milch aus dem Hofladen der Kitzener Agrarprodukte-Genossenschaft, frische Sachen des Erzeugers Richard Landgraf, Honig aus dem Bienenhaus von Andrea Auster, selbstgemachte Marmeladen von Fördervereinsmitgliedern angeboten.
Silvia Kunzmann (r.) verkaufte verschiedene Frischeprodukte.
Genau darum ging es. Regionale Produkte sollten vermarktet werden. Das fand die Unterstützung der Kampagne „Gute Wahl regional“ (www.gute-wahl-regional.info). „Wir arbeiten im Auftrag des sächsischen Landwirtschafts-Ministeriums“, sagte Johannes Bachmann von der Beratungsfirma Conoscope. „Einerseits wollen wir für regionale Produkte werben, andererseits Landwirtschafts- und Gartenbaubetriebe beraten, wie sie ihre regionalen Produkte auf Märkten, aber auch in Supermärkten der Umgebung vermarkten können.“ Bachmann betreute beim Kitzener Marktfrühstück einen entsprechenden Informationsstand.
Katrin Pfeiffer (l.) vermarktete Produkte der Gärtnerei Schladitz.
Die Besucher waren es Lobes voll. Ihnen bot sich neben Frühstücken und Kaufen die Gelegenheit zum launigen Schwatz im Familienkreis oder mit Freunden und Nachbarn. Nebenbei hatten auch die Kinder ihren Spaß, ganz besonders an den von Gerd Wippert gebauten verschiedenen großen Gedulds- und Geschicklichkeitsspielen. Die wurden übrigens auch von vielen Erwachsenen ausprobiert.
Beim 1. Kitzener Marktfrühstück soll es nicht bleiben. Voraussichtlich im Frühjahr nächsten Jahres wird es eine Neuauflage geben.
Kornelia von Holten und Gerlinde Wippert hatte den Verkaufstisch mit Frühstückstellern gedeckt, die in der Küche des Kulturhauses von mehreren fleißigen Helferinnen vorbereitet wurden.Gute Laune am Frühstückstisch mit Kind und Kegel.Viel Spaß bei den diversen Spielen hatten die Kinder …… und auch Erwachsene.Johannes Bachmann informierte über die Kampagne zur regionalen Vermarktung.Bei solchem Angebot wurde gern zugegriffen.Als alle anderen satt waren, hatten auch die fleißigen Helferinnen wie Kornelia von Holten und Gerlinde Wippert Gelegenheit fürs Frühstück.
Wie oft muss man trainieren, damit solch schöne Stimmen herauskommen? Die Antwort von Claudia Engel ist verblüffend. „Wir treffen uns einmal in der Woche, um zu üben. Und wir bestreiten zwei bis drei Konzerte zwischen Frühjahr und Herbst und noch einmal drei bis vier in der Vorweihnachtszeit.“
Mehr nicht? Man fragt es ungläubig. „Wir wollten unseren Gesang nie zum Beruf machen, darin waren wir uns alle einig. Wir wollten Spaß und Freude daran haben, was womöglich verlorengegangen wäre, wenn wir damit unser Geld verdienen müssten“, erklärt Claudia Engel. Die sechs jungen Damen des Ensembles Enchore aus Leipzig kennen sich seit Ewigkeiten. Neben dem Talent, das sie allesamt in die Wiege gelegt bekamen, erhielten sie ihre stimmliche Ausbildung beim renommierten Kinderchor des Mitteldeutschen Rundfunks.
Sie begleitete das Ensemble bei verschiedenen Stücken am Klavier: Ayca Dastan-Sezgin.
„Mit 18 Jahren mussten wir ausscheiden, weil wir eben keine Kinder mehr waren“, erzählt Claudia Engel lachend. Nach rund einem Jahr haben sie alle gemerkt, dass ihnen irgendetwas fehlt. Acht Sängerinnen fanden sich zusammen und planten, wieder gemeinsam zu singen. Sechs blieben schließlich bei der Stange: neben der Sopranistin Claudia Engel sind das die Mezzosopranistinnen Anja Bräutigam und Ulrike Pratesi sowie die Altistinnen Franziska Uminski Nadin Bertold und Ania Jancen.
Nach einer Weile haben die sechs Sängerinnen überlegt, auch einmal ein Konzert zu geben. „Das taten wir und die Erfahrung war so schön, dass wir den Auftritt wiederholten“, sagt Claudia Engel beinahe schwärmerisch. So entwickelte sich der Rhythmus der Konzerte, den es mittlerweile seit 18 Jahren gibt.
Das Publikum geizte nicht mit Beifall.
Kitzen bekam zum Kultursonntag am 24. August das Sommerkonzert. Dafür hatten sich die Sängerinnen einen bunten Mix von 21 Lieder zusammengestellt und dazu einen Zusammenschnitt mehrerer Lieder aus dem Soundtrack des 2004 in die Kinos gekommenen Films „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ (Original: Les Choristes), die Bruno Coulais (geboren 1954) komponiert hat. Dazu kamen andere zeitgenössische Stücke wie die des Norwegers Ola Gjeilo (geboren 1978): Northern Lights, Ubi Caritas oder Tundra; oder auch des Amerikaners Eric Whitacre (geboren 1970) mit „The seal lullaby“
Ebenso griff Enchore auf ältere Werke zurück. Zum Beispiel „Wie lieblich schallet“ von Friedrich Silcher (1789 bis 1860) oder „Wach auf meins Herzens Schöne“ von Johannes Friedrich Reichardt (1752 bis 1814) sowie „Abendsegen“ von Engelbert Humperdinck (1854 bis 1921). Dazu packten sie oft gesungene Traditionals wie „Scarborough Fair“ und „Amazing Grace“ oder auch den bis heute vielfach gecoverten Popsong „Lollipop“, den 1958 The Chordetts veröffentlichten, sowie das weltberühmte „Hallelujah“ von Leonard Cohen (1934 bis 2016).
Zwei Stunden Konzertzeit vergingen für die mehr als 80 Besucher in der Kirche Sankt Nikolai wie im Flug. Mit jeder Menge Beifall erwarben sie sich eine Zugabe, die das Ensemble mit „Der Mond ist aufgegangen“ (Text Matthias Claudius, 1740 bis 1815, Musik Johann Abraham Peter Schulz, 1747 bis 1800)auch gern draufgab.
Die Enchore-Philosophie, den Gesang nicht zum Beruf zu machen, hat die einstigen Kinderchorsängerinnen auch privat zu besten Freundinnen gemacht, was sie zudem auf die Familien übertragen konnten. „Wir treffen uns oft zu einem Beisammensein“, sagt Claudia Engel. Neben Familie und Gesang gilt allen sechs Frauen der Beruf als wichtig. Sie arbeiten als Lehrerinnen, Projektmanagerinnen, Ingenieurinne, Planerinnen, Bankerinnen. Der gemeinsame Gesang soll weiter ihr Hobby bleiben, sozusagen ein wunderbares Nebenbei für die Künstlerinnen selbst sowie für ihr Publikum. „Wir machen so weiter, solange wir Spaß haben und die Stimmen durchhalten, von mir aus, bis wir alt und runzlig sind“, sagt Claudia Engel lachend bei einer Tasse Kaffee zum Abschied.
Claudia Engel und Anja Bräutigam.Nadin Berthold und Franziska Uminski.Ulrike Pratesi und Ania Jancen.
Cobario bei ihrem Auftritt in der Kitzener Kirche.
Der eine Rekord wurde nicht gebrochen. Kitzen war für das Trio Cobario nicht der kleinste Ort, in dem es je aufgetreten ist. „Nein, ich glaube, das war ein kleiner Ort in der Nähe von Erfurt“, sagte Herwig Schaffner, der am Ende des Konzert gerade seine Geige beiseitegelegt hatte. Georg Aichberger und Peter Weiss – beide noch die Gitarren in der Hand – lachen dazu verschmitzt. „Aber wir mussten schon auf der Landkarte eine Weile suchen, um Kitzen zu finden“, meinte Aichberger. Dann habe man schnell gesehen, dass Kitzen in einer Region liegt, in dem das Trio schon gespielt hat. „Bei der Nähe unter anderem zu Leipzig war uns klar, dass ein Auftritt in eurer Kirche passen könnte“, ergänzte Weiss. Dass dann am letzten Juli-Samstag 2025 die Kirche vor lauter Besuchern aus allen Nähten zu platzen schien, das habe man so allerdings nicht erwartet. Denn dieser Rekord wurde gebrochen: Noch nie in der mittlerweile anderthalb Jahrzehnte andauernden Veranstaltungshistorie des Fördervereins Sankt Nikolai waren 190 Gäste gekommen.
Pure Begeisterung beim Publikum in der brechend vollen Kirche.
Für die Organisatoren hieß das unter anderem: Stühle, Stühle, Stühle schleppen. Alles, was im Umfeld an Sitzgelegenheiten aufzutreiben war, wurde in die Kirche getragen. Sogar Stehplätze sind vergeben worden. Und dennoch blieben wenigstens zwei Dutzend Kartenwünsche unerfüllt. Es passte partout niemand mehr in den Raum, ohne den Musikern auf den Füßen zu stehen.
(Hier gibt es einen kurzen Zusammenschnitt aus dem Konzert von Cobario.)
Irgendwie hatte es sich herumgesprochen, dass die drei Musiker von Cobario, die aus Wien angereist waren, etwas Außergewöhnliches zu bieten hatten. Und sie hielten, was versprochen war. Vor allem war es Musik aus eigener Komposition, die sie mal rasant, mal verträumt, mal verspielt, mal leiser, mal lauter von ihren Instrumenten aus unter dem Thema „Spanische Nacht“ in den Raum schweben ließen.
Herwig Schaffner
Auf ihren langen Autofahrten quer durch Europa und bis nach Mittelasien und in unzähligen Hotels haben sie viel gesehen und gehört, und sie haben immer wieder ihre Eindrücke zu Noten gemacht. Aus dem weißen Schaf, das in den schottischen Highlands plötzlich auf einem Hügel auftauchte, wurde so der Titel „Wildflower“. Als die beiden Gitarren und dann die Geige bei diesem Stück erklingen, kann man sich fallen lassen und die Augen schließen und sich hineinträumen in das schottische Hochland, irgendwo bei Fort William oder Sterling oder am Loch Ness.
Gut träumen lässt sich auch beim Titel „Café Brazil“. Dabei führt Schaffner mit seiner Geige musikalisch in ein Wiener Kaffeehaus, ehe Aichberger und Weiss mit ihren Gitarren das Publikum in eine brasilianische Nacht holen. Und wieder geht es zurück ins Kaffeehaus und plötzlich versinkt man erneut in der heißen brasilianischen Nacht.
Wiener Charme eben – Georg Aichberger kann die Gitarre auch mit einem Weinglas spielen.
Köstlich auch das Stück „Reblausexpress“, die in Musik umgesetzte Fahrt im gleichnamigen Nostalgiezug zwischen den Retzer Weingärten und dem Waldviertel in Niederösterreich. Geigen und Gitarren geleiten durch eine malerische Landschaft, währen der Mitfahrende sich an einem guten Tropfen laben kann. Wer sein Glas mit Wein von der Pfarrscheune mit in die Kirche gebracht hatte, konnte die Klänge am besten genießen. Die anderen konnten es in der Pause oder am Ende des Konzerts nachholen.
Diese Titel stammen von der jüngsten CD, die das Trio 2023 aufgenommen hat. Insgesamt sind es bislang acht Scheiben mit je einem Dutzend Titeln, die Cobario seit 2007 eingespielt hat. Nicht alles sind eigene Kompositionen. Allerdings mit ihrer eigene Art haben die drei Musiker diverse international bekannte Titel umgesetzt. Antonio Vivaldis Violinkonzerte aus der Sammlung „Die vier Jahreszeiten“ kennen die meisten eher in der Version mit einer großen Orchesterbesetzung. Bei Cobario wird die Violine allein von den beiden Gitarren begleitet und dennoch kommt „Der Sommer“ mit großer Hitze, orkanartigem Wind und gewaltigem Gewitter wunderbar zur Geltung.
Gefeiert – Georg Aichberger, Herweig Schaffner und Peter Weiss.
Zweimal 50 Minuten lang ließ Cobario sein Publikum träumen, auch einmal mitsingen, innehalten, klatschen und jubeln. Am Ende gab es die Ovationen stehend und mit der Vivaldi-Musik die erste Zugabe. Mit dem wiederum eigenen Titel „Nachtflug“ schickten Schaffner, Aichberger und Weiss schließlich ihr Publikum in die laue Sommernacht und auf den Heimweg.
Die Musiker selbst machten sich auf den Weg ins Hotel und am nächsten Tag wieder auf die Fahrt irgendwohin in Europa. Vielleicht führt sie der Weg wieder einmal zurück nach Kitzen. Dem ist das Trio durchaus zugeneigt. „Es war ein wunderbares Publikum“, sagte Schaffner nach dem Konzert. So etwas merke man sich als Musiker. Und Aichberger setzte hinzu: „Beim nächsten Mal müssen wir nicht einmal mehr nachschauen, wo Kitzen liegt.“