Gospel Changes wie neu

Mit viel Bühnenpräsenz zeigte sich der Chor dem Kitzener Publikum.

Ein Stück weit neu erfunden präsentierte sich der Leipziger Chor Gospel Changes am Sonntag (27. September 2026) in der Kitzener Kirche beim Kultursonntag des Fördervereins. Die neue Chorleiterin Simone Grundmann hat neue Aspekte in die Auftritte gebracht, die für all jene, die den Chor schon einmal früher erlebt hatten, positiv überraschend daher kamen. Sänger und Chorsprecher Ralf Borschinsky: „Es ist so, dass Simone Grundmann frischen Wind in den Chor gebracht hat. Vor allen legt sie Wert auf eine stärkere Bühnenpräsenz.“ Zum Ausdruck kommt das in Form von Gestik und Körpersprache. Seinen Worten zufolge wird das Piano sparsamer eingesetzt, so dass der Chorgesang besser zur Geltung kommt. Das reichte schließlich bis zum A-Capella-Gesang.

Simone Grundmann präsentierte sich nicht nur als Chorleiterin, sondern mit ihrem für Gospel wie geschaffenem Mezzosopran als Solistin.

Der Konzerttitel „Gospel around the World“ wurde für das Konzert gewissermaßen mit einem Untertitel unterlegt. Man habe den Auftritt unter das Motto Frieden gestellt, sagte Grundmann. So gesellten sich zu bekannten Gospel-Songs Rezitationen. Zum Beispiel zu den Klängen von „Go down Moses“ waren das Friedenszitate bekannter Persönlichkeiten wie Albert Schweitzer und Indira Ghandi sowie aus der Bibel. Dazu kam eine Variation des Gleichnisses von „Die drei Siebe“, das dem griechischen Philosophen Sokrates zugeschrieben wird und das sich gegen Lüge und Klatsch wendet.

Viola Grandke begleitete den Chor am Piano.

Mehr als 80 Besucher in der Kirche waren angetan von dem gut 70-minütigen Auftritt des Chors, der in einer Zugabe gipfelte, bei der Grundmann das Publikum zum Background-Chor bei dem Coldplay-Titel „And so we pray“ machte. So endete das Konzert in gegenseitigem Beifall und Jubelrufen.

Atemberaubendes  aus vier Jahrhunderten

Philippe Amadé Polyák (Violine) und Matthias „Matthieu“ Denef (Klavier) boten ein herausragendes Programm.

Die Überraschung kam nach der Pause. Als alle wieder ihre Plätze eingenommen hatten, machte sich Matthias „Matthieu“ Denef auf den Weg hinauf zur Orgelempore und ließ Johann Sebastian Bachs „Toccata“ erklingen. Die letzten Töne schwangen noch nach, als ihm Philippe Amadé Polyák von unten mit einem Violinensolo antwortete. „Es war eine spontane Entscheidung“, sagte Polyák nach dem Konzert.

Matthieu überraschte an der Orgel mit Bachs Toccata.

Mit der „Passacaglia“ des norwegischen Komponisten Johan Halvorsen hatte er sich ein berühmtes Stück ausgesucht, das für gewöhnlich im Duett mit Viola oder Violoncello gespielt wird, wie Polyák sagte. Aber auch in der Soloversion hatte es großen Reiz auf das Publikum und war eine gekonnte Antwort der feinen Art auf den gewaltigen Ton der 2025 sanierten Rühlmann-Orgel. Denef hatte schon vor Konzertbeginn die Orgel getestet und sich dann für die Überraschung entschieden.

Amadé antwortete auf die Orgel mit einem Violinen-Solo.

„Zeitlose Diamanten“ hat das Duo, das als „Matthieu & Amadé“ auftritt, sein Programm genannt, das es am Sonntag, dem 23. August 2026, den mehr als 150 Besucherinnen und Besuchern in der restlos ausverkauften Kitzener Kirche bot. Damit spannten sie einen zeitlichen Bogen über knapp 200 Jahre und damit vier Jahrhunderte Musikgeschichte. Der reichte von Antonio Vivaldis „Der Winter“ aus der Konzert-Sammlung „Die vier Jahreszeiten“ (1725) über Giacomo Puccinis „O mio babbino caro“ aus der Oper „Gianni Schicchi“ (1918) bis hin zu „No time to die“ aus dem James-Bond-Thriller „Keine Zeit zu sterben“, dessen Titelsong von Billie Eilish und ihrem Bruder Fineas stammt (2020). Letzteres war Teil von zwei Medleys mit acht Songs aus Bond-Filmen seit 1962.

Diese Mischung aus Titeln unterschiedlicher Zeitepochen von der Klassik bis zum modernen Rock und Pop machte den besonderen Reiz des Konzerts aus. Denef und Polyák führten ihr Publikum von einem Highlight zum anderen, was noch vor der Pause bei „Confutatis maledictis“ von Wolfgang Amadues Mozart in eine Bearbeitung von David Garrett für Violine und Klavier das Publikum von den Sitzen riss. Das Stück stammt aus dem Requiem d-Moll KV 626. Mit der Bearbeitung und der Interpretation wurde aus der eigentlichen Totenmesse eine mit anhaltendem Beifall bejubelte Lebenshymne.

Komplett auf einer Wellenlänge bei ihrem gemeinsamen Spiel.

Nach einem schnellen Wechsel zwischen den Jahrhunderten mit Stücken von Karl Jenkins (1995), Bond-Songs der 1960er Jahre, Niccolo Paganini (1829), Michael Jackson (1987), Bach (1731) und Teil zwei der Bond-Melodien der 1980er bis 2020er Jahre legten Matthieu und Amadé noch einmal richtig nach. Im Anschluss an den letzten Programmtitel „He’s a pirate“ aus dem Blockbuster „Fluch der Karibik“ (2003) von Klaus Badelt und Hans Zimmer gab es erneut stehend Ovationen und das Publikum wollte partout nicht gehen. Erst nach einer Zugabe mit dem 1904 von Vittorio Monti komponierten Csárdás, dessen Interpretation durch Denef und Polyák noch einmal ausgiebig gefeiert wurde, war es dazu bereit.

Hochkonzentriert und sehr emotional – Amadé.

Wer nach zwei Stunden Musik mehr Adrenalin im Blut hatte, Musiker oder Publikum, war am Ende nicht zu unterscheiden. Die Emotionen, die Matthieu und Amadé in ihr Spiel gebracht haben, hatten sich komplett auf die Besucher übertragen. „Darüber sind wir auch sehr glücklich“, sagte Denef im Anschluss und beide unisono, dass sie gern wiederkommen würden, was ganz offensichtlich die Konzertbesucher begrüßen würden.

Ebenso konzentriert und mitreißend – Matthieu.

Die beiden Musiker sind beinahe zufällig 2023 zusammengekommen. „Ich habe davor unter anderem in der Band Stilbruch gespielt. Matthias war bei einem unserer Auftritte zu Gast und hat mich angesprochen“, erzählte Polyák. „Wir haben sehr schnell gemerkt, dass wir auf einer Welle liegen“, ergänzte Denef. Diese gemeinsame Welle war übers gesamte Konzert hinweg spürbar.

Nicht enden wollender Applaus im Stehen vom begeisterten Publikum.
Bis auf den letzten Platz besetzt – die Kirche Sankt Nikolai in Kitzen.

Gespannt vor Kitzener Premiere

Ein Mann, seine Stimme und seine Gitarre. Das klingt wenig für ein Konzert. Und es ist, wenn man ihn gehört hat, so viel.

Zum ersten Mal in Kitzen: Abi Wallenstein.

„Ich war sehr gespannt auf Kitzen und das Publikum.“ Bei Auftritten in Kirchen habe er bemerkt, dass die Zuhörer zumindest anfangs verhalten und zum Teil etwas distanziert reagieren. „In Kitzen war das überhaupt nicht der Fall“, sagte Abi Wallenstein nach seinem Konzert in der Kirche Sankt Nikolai beim Kultursonntag des Fördervereins am 19. Juli 2026. „Ich möchte gern wiederkommen“, rief er vor den letzten Titeln unter donnerndem Applaus den 150 Besucherinnen und Besucher zu, die es nicht mehr auf den Sitzen hielt. Mit anderen Worten: Das Publikum würden ebenso gern den Mann, der letzten Dezember 80 Jahre alt geworden ist, wiedersehen und ihm zuhören. „Wir planen für 2027 ein weiteres Konzert mit Abi Wallenstein ein“, sagte Vereinsvorsitzende Ingrid Riedel im Anschluss.

Geheimtipp, Ikone, Urgestein – der Wahlhamburger, der in Jerusalem geboren wurde und seit 1960 in Deutschland lebt, gilt als einer der allerbesten Blues-Interpreten der Republik und wohl auch in Europa. Das bewies er an dem Sonntag in der Kirche Sankt Nikolai nachdrücklich.

Auch mal ohne Mikro, um das Publikum die Ursprünglichkeit des Blues erleben zu lassen.

Mit gut zwei Dutzend Songs nahm er sein Publik mit auf eine Reise durch beinahe 150 Jahre Bluesgeschichte. Der älteste Titel dabei: „Down by the Riverside“. Das ist der vermutlich erste Antikriegssong oder Friedenssong der Musikgeschichte. Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) ist er als Gospel entstanden. Sein Verfasser ist unbekannt, aber seither wird das Lied in unzähligen Variationen gesungen und ist unter anderem als bluesige Interpretation bestens geeignet, Sänger und Publikum einander näher zu bringen. Wallenstein animierte die Besucher immer wieder zum Mitsingen diverser Refrains, und sein Auditorium ließ sich darauf ein.

Der Sänger startete in das Konzert ohne Mikrofon. „Damit ihr hört, wie Blues ursprünglich klang und gespielt wurde.“ Sugar Mama hieß der Titel, dessen Autor ebenfalls unbekannt ist, und der erstmals in den 1930er Jahren auf Tonträger gebannt wurde. Es folgten Songs aus den 1940er und 1950er Jahren, unter anderem von J. B. Lenoir (Good Advice und Never Go Back To Alabama). Weiter ging die Reise mit Eric Clapton (Sweet Home Chicago) und den Rollings Stones (Little Red Rooster und Honky Tonk Woman) sowie Chuck Berry (Carol) und vielen anderen bis in die 1970er Jahre hinein.

Auf Wiedersehen im nächsten Jahr.

Mit seiner etwas rauen und gleichzeitig sanften Stimme und seinem virtuosen Spiel auf der achtsaitigen Gitarre zog Wallenstein die Besucher immer wieder in seinen Bann. Vor allem deshalb, weil er von sich aus die Nähe und den Kontakt zum Publikum sucht. Die Gitarre, die er mitgebracht hat, stammt schon aus den 1970er Jahren. An der hängt Wallenstein ebenso wie an einer, die noch einmal zehn Jahre älter ist, „aber leider gerade repariert werden muss“.

Mit mittlerweile über 80 Jahren bezeichnet er die Auftritte als sein Lebenselixier. „Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich nehme keine Drogen. Meine Sucht ist der Blues“, sagt er im Gespräch im Anschluss ans Konzert. So lange Stimme und Finger mitmachen, will er spielen. Auch deshalb, „weil ich beim täglichen Üben immer wieder neues entdecke und dann mit auf meine Konzerte nehme“. Und das sind im Durchschnitt 100 bis 120 im Jahr.

Er könne das auch deshalb, weil „ich bei meiner lieben Frau auf Verständnis für meine Sucht stoße“, sagt er mit einem liebevollen Lächeln im Gesicht. Maryn Stucken teilt nach seinen Worten als Theaterregisseurin und Intendantin die Gefühle und die Leidenschaft des Künstlers.

Wer Abi Wallenstein am Sonntag in Kitzen verpasst hat, bekommt neue Chancen, wenn er am 3. Oktober in der Torgauer Kulturbastion, am 8. November im Schloss Dieskau und am 27. November in Geyserhaus in Leipzig ganz in der Nähe auftritt. Oder einfach abwarten, bis Abi Wallenstein im Laufe des Jahres 2027 wieder nach Kitzen zurückkommt.

Süße Träume am Sonntagabend

Die Sax’n bei ihrem jüngsten Auftritt in Kitzen.

Der Stoff, aus dem Träume sind. „Wir haben zum Auftakt unser Lieblingsstück gewählt“, sagte Sopransaxofonistin Alexandra Michaelis. Und das war „Sweet Dreams“ – Süße Träume. Die Entstehungsgeschichte des Songs ist es womöglich, die dazu geführt hat. Das britische Popduo „Eurythmics“ hat Anfang der 1980er Jahre damit die Chartlisten gestürmt. Annie Lennox soll gerade ihrem Partner David Stewart das Ende ihrer Beziehung verkündet haben. Und so etwas verarbeitet jeder anderes. Die beiden haben unter dem Eindruck eben „Sweet Dreams“ produziert – wie sich bei Wikipedia nachlesen lässt.

Von da an ging es am Schlag auf Schlag mit bekannten Songs der Rock- und Pop-Geschichte und der Kinohistorie, die mit vier Saxofonen und einem Schlagzeug in die wunderbare Akustik der Kitzener Kirche geblasen wurden. Alexandra Michaelis (Sopransaxofon), Luci Lux (Tenorsaxofon), Corinna Stieler (Baritonsaxofon), Isabell Rose (Altsaxofon) sowie René Scipio (Percussion) bereiteten den 150 Besucherinnen und Besuchern in der Kirche ein riesiges Vergnügen. Apropos René Scipio – der Schlagzeuger und bei verschiedenen Titeln auch der Arrangeur des Quintetts – ließ sich auch von einem Fußbruch nicht davon abbringen, die Saxofonistinnen zu begleiten. „Ich muss zwar ein wenig improvisieren, aber ich wollte die vier nicht hängen lassen“, sagte er.

Isabell Rose und Corinna Stieler – bei der Musik aus „Die glorreichen Sieben“ mit Westernhut.

Zumal „wir sehr gern nach Kitzen kommen“, erklärte Scipio, wenn er denn doch vom Schlagzeug im Hintergrund zur Moderation ganz nach vorn humpelte. „Das dauert zwar ein bisschen, aber ihr könnte die Zeit ja mit Applaus überbrücken.“ Den gab das Publikum bereitwillig von sich. Ohnehin wurde jeder einzelne Titel ausgiebig beklatscht.

Luci Lux und Alexandra Michaelis.

„Lady Marmalade“ zum Beispiel, jener Song mit dem die Girl-Group „Labelle“ 1975 einen Welthit feierte. Die Sax’n spielten ihn allerdings in der Version aus dem 2001 entstandenen Film „Moulin Rouge“, die damals von den Stars Christina Aguilera, Lil’ Kim, Mýa und Pink interpretiert wurde und erneut zum Welterfolg mutierte. Auch wenn genau dieser Titel bereits vor zwei Jahren beim hiesigen Auftritt der Saxofonistinnen erklang, den Konzertbesucher war das beim aktuellen Auftritt am 21. Juni 2026 egal, weil er eben auch im Sax’n-Sound hervorragend klingt.

Zumindest fürs Kitzener Publikum war die mittlerweile 66 Jahre alte Titelmusik aus dem Western „Die glorreichen Sieben“ neu. Wer diesen Klassiker noch einigermaßen vor Augen hatte, sah zur Musik von Elmer Bernstein die Helden Yul Brunner, Steve McQueen, Charles Bronson, Horst Buchholz und Co. noch einmal ins mexikanische Dorf einreiten, um seinen Bewohnern gegen eine böse Bande beizustehen.

Trotz lädierten Fußes am Schlagzeug: René Scipio.

Ebenso wunderbar zeigten sich die Sax’n bei der Interpretation der „Bohemian Rhapsody“, die in der Mitte der 1970er Jahre der erste Nummer-eins-Hit von „Queen“ war und an deren unvergessenen Frontmann Freddie Mercury erinnert. Ist es eigentlich schwierig, einen solchen Titel für vier Saxofone zu arrangieren? Scipio, der neben seiner Tätigkeit als musikalischer Leiter der Sax’n und Arrangeur auch Solo-Schlagzeuger der Leipziger Oper ist, schüttelt den Kopf. „Bei solchen Ausnahmebands wie Queen ist musikalisch alles vorhanden, was man für ein solches Arrangement braucht.“ Das habe ihn vielleicht eine Stunde Arbeitszeit gekostet.

Das begeisterte Publikum geizte nicht mit Beifall für die Sax’n.

Zwei Stunden lang bliesen die vier Saxofonistinnen, was die Lungen hergaben. Nach dem Programm und zwei Zugaben waren die Musikerinnen geschafft. Allen voran Corinna Stieler, die mit ihrem Baritonsaxofon gleich gute acht Kilogramm an Hals und Armen hängen hat. „Aber ich liebe dieses Instrument“, sagte sie nach dem Konzert.

Übrigens gab es wie bereits bei den vorangegangenen Auftritten ein Versprechen: „Wir kommen wieder!“ Der Plan ist, es 2028 zu tun.  

Kühles Frühstück

Trotz des kühlen Wetters ließen es sich viele Besucher schmecken.

An einem 9. Mai im Freien zu frühstücken, das kann gut gehen, muss aber nicht. Vieles hängt vom Wetter ab. Bei mehr als 20 Grad wie eine Woche zuvor wären sicher deutlich mehr hungrige Mäuler gekommen. So blieb die zweite Auflage des vom Förderverein Kirche Sankt Nikolai organisierten Marktfrühstücks auf der Terrasse des Kitzener Kulturhauses hinter der Premiere im September des Vorjahres ein wenig zurück. Dennoch gingen gut fünf Dutzend liebevoll vorbereitete und leckere Frühstücksteller über den Tresen. Es gab Wurst, Käse, Marmelade und frische Brötchen. Dazu wurden Kaffee und Kakao ausgeschenkt – natürlich mit Milch von den heimischen Kühen der Agrarprodukte Kitzen. Später am Vormittag wurden zudem Bratwürste gegrillt. Zu kaufen gab es Honig, Wurstkonserven, Gemüse- und andere Pflanzen. Frischeprodukte wie Tomaten, Salat, Gurken und ähnliches wurde zwar von dem ein oder anderen nachgefragt, waren aber von den regionalen Erzeugern in dieser Jahreszeit noch nicht marktreif. Dafür hatte Winzer Patrick Gaudig aus Weißenfels-Kriechau das Angebot angenommen, sich mit den Ergebnissen der jüngsten Jahrgänge zu präsentieren. So wurde manches Glas Wein auch zur Vormittagsstunde konsumiert und manche Flasche mit nach Hause genommen.

Im Laufe des Vormittags gab es auch Bratwurst frisch vom Grill.

Trotz des unterkühlten Wetters war das zweite Kitzener Marktfrühstück vielen Besuchern ein guter Anlass, sich zu treffen, zu schwatzen und eben mal mit dem Frühstück aus dem sonstigen alltäglichen Rhythmus auszubrechen. Und ganz sicher: Es wird wieder kuscheligere Tage für das dritte Marktfrühstück geben.

Vor dem Kauf von Honig durfte auch gekostet werden.
Der Pflanzenverkauf kam gut an.

Blues aus der Nachbarschaft

Blues Projekt Vesta

Für viele kam es offenbar ganz überraschend per Pegauer Whats-App-Kanal am Mittwochnachmittag. Zum Himmelfahrtstag hatte die Kitzener Kirchgemeinde die Bad Dürrenberger Band Blues Projekt Vesta eingeladen. Vesta ist ein Ortsteil von Bad Dürrenberg. Die drei Herren an Gitarre, Bass und Schlagzeug hatten sich zudem noch einen Kollegen für die Orgel eingeladen, so dass zum Abschluss ein Zusammenspiel mit der ja erst im vorigen Jahr sanierten Rühlmann-Orgel gelang, das das Quartett zuvor noch nicht gemeinsam geprobt hatte. Mit einem Titel der britischen Band Procol Harum und dem Halleluja von Leonard Cohen setzten sie es gut in bluesige Rhythmen um. Zuvor bekamen die rund 40 Besucher in der Kirche Sankt Nikolai einen Mix aus gut einem halben Jahrhundert Blues und Rock zu hören. Titel von Bob Dylan (Knocking on heaven’s door), Bruce Springsteen (The River), Neil Young (Hey, hey, my,my und Like a Hurricane), CCR (Bad Moon Rising) und viele mehr fanden im Publikum Anklang.

Auch die Orgel erklang

Von Weingeist zu Grönemeyer

Anke Geißler und Enrico Wirth.

Knapp zwei Stunden lang hat sich das Publikum die Seele aus dem Leib gelacht. Und urplötzlich ist das Kabarettprogramm zu Ende. Es hätte noch mehr sein können, schienen sich die Besucherinnen und Besucher einig. Von Kabarett kann man nicht genug bekommen. Aber Fördervereinsvorsitzende Ingrid Riedel brachte es auf den Punkt, als sie den Künstlern noch ein kleines Präsent als Dankeschön und Abschied überreichte: „Anke Geißler kommt im April 2027 wieder.“ Der Applaus war enthusiastisch, als habe die Kabarettistin gerade noch einen letzten guten Gag rausgehauen.

Mutter aus dem Hessischen zu Besuch.

Mehr als 150 Menschen füllten am 26. April das Kulturzentrum Kirche Sankt Nikolai, um Anke Geißler als Gastwirtin Monike Weingeist und in andere Rollen zu erleben. Und sie kamen voll auf ihre Kosten. Zum Beispiel wenn Monika Weingeist von ihren erwachsenen Kindern Tim und Tom erzählt, die sich nicht aus dem Haus bewegen mit ihrem 30 Jahren, die das schon als Kinder nicht getan haben, weshalb sie auch nie aufgeschlagene Knie hatten. „Die Pflaster mit den Motschekiepchen habe ich heute noch zu Hause.“ Und sie habe ihnen Jobs in ihrer Kneipe angeboten für 1000 Euro pro Woche. „Aber das interessiert sie einfach nicht!“

Arbeitsscheue Tochter aus gutem Haus.

Dann schlüpft Anke Geißler in anderer Rollen, wie die der Dame aus dem Hessischen, die ihre studierende Tochter in Leipzig besucht, also im Osten. Als die ihr erzählt habe, dass sie in Leipzig studieren werde, „habe ich erst einmal gefragt, welche größere Stadt da in der Nähe liegt“. Gekonnt wechselt Geißler in die Rolle der Sunny, einer arbeitsscheuen Tochter aus gutem Haus. Um sich gleich wieder als Klaus zu präsentieren, der sich als Binärer Hybrid-Vegetarier und Mischung aus gealtertem Rocker und Türsteher vorstellt. Urkomisch! Ebenso der Hausgeist Balduin, der immer noch im Wirtshaus spukt, nachdem er vor mehr als 80 Jahren entlassen wurde.

Bei Jürgen Harts Klassiker „Der schönste Platz“

Genau so köstlich ist Geißlers Interpretation eines Uralt-Titels von der Leipziger Kabarettlegende Jürgen Hart. „Der schönste Platz“ fand seinen Platz schon 1979 auf einer Single und 1980 im Album „Hart auf Hart“ zusammen mit „Sing, mei Sache, sing“, „Brunos Geist“ und anderen. Der schönste Platz ist „der Schaukelstuhl an meinem Grab … da sitz ich gerne ein und gedenke mein … und mein Doppelkinn, das wabbelt leis im Wind“. Alles musikalisch untermalt von Enrico Wirth am Piano.

Kein Platz blieb leer bei der Veranstaltung.

Dem begeisterten Publikum gelang es, eine Zugabe zu ergattern, die dem vorangegangenen Programm in nichts nachstand. Geißler sang „Am Brunnen vor dem Tore“, allerdings in einer Version, wie sie sich – satirisch überhöht – von Herbert Grönemeyer anhören könnte. Mit Worten beschreiben lässt sich das gar nicht, aber es war zum Brüllen.

Drücken Sie die 1

Gut unterhalten fühlte sich das Publikum bei der Lesung. Foto: Robert Zentner

Wer kennt das nicht? Das Telefon klingelt und keiner ist dran. Das Telefon klingelt und man bekommt die Nachricht, dass etwas mit dem Bankkonto nicht stimmt. Das Telefon klingelt und man wird gebeten, an einer Umfrage teilzunehmen. Das ist nur eine kleine Auswahl von dem, was einen erwarten kann, wenn das Telefon klingelt und im Display kein aus der Kontaktliste bekannter Name auftaucht. Umgekehrt nervt es oft, wenn man während eines Anrufs bei einem Dienstleister erst die Taste mit der 1, dann die mit der 2, 3, 4 und so weiter drücken muss, um am Ende zu erfahren, dass alle Leitungen belegt seien. Birger Zentner hat aus solchen und anderen Begebenheiten des Lebens heitere Kurzgeschichten verfasst. Einige davon hat er beim ersten 2026er Kultursonntag des Fördervereins der Kirche Sankt Nikolai Kitzen im Kulturhaus des Ortes zum Besten gegeben. Zudem hat der Autor seinen Ende des vorigen Jahres erschienenen Weißenfels-Krimi vorgestellt. Etwa 70 Besucherinnen und Besucher waren zu den Lesung gekommen und fühlten sich für knapp zwei Stunden gut unterhalten. Vor der Lesung und in der Pause sorgten die fleißigen Helferinnen und Helfer aus dem Verein wieder für den Verkauf von Kaffee und Kuchen.

Birger Zentner während der Lesung. Foto: Robert Zentner

Von Schneeflocken und Weihnachten

Sabine Waszelewski und Klaus-Jürgen Dobeneck als Capriccio zum 1. Advent in Kitzen.

Was muss, was darf, was kann in ein Adventskonzert? Offenbar eine ganze Menge, wie das Dessauer Duo Capriccio bei seinem Auftritt zum 1. Advent am 30. November 2025 in der Kirche Kitzen zeigte. Sabine Waszelewski (Gesang) und Klaus-Jürgen Dobeneck (Gitarre und Querflöte) mischten ein abwechslungsreiches Programm unter dem Titel „Dass ich eine Schneeflocke wär“ und boten den rund 160 Besucherinnen und Besuchern klassische Weihnachtslieder wie „Fröhliche Weihnacht“ und „Stille Nacht“, ebenso bekannte weihnachtliche Popsongs wie die in den 1970er und 1980er Jahre entstandenen „Please come home for christmas“ von den Eagles, „Last Christmas“ von der Gruppe Wham! und „Driving home for christmas“ von Chris Rea.

Dobeneck als Solist mit der Querflöte.

Dazu griffen sie ein Stück ins Klassische mit „Air“ von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) und „Adagio“ von Tomaso Albinoni (1671 bis 1741). Dobeneck spielte beides als Solist gekonnt auf der Querflöte. So zeigte er sich nicht nur als kongenialer instrumentaler Begleiter von Waszelewski. Was im Übrigen für den größten Teil des Publikums keine Neuheit war. Es kannte Capriccio bereits aus drei, vier früheren Auftritten in Kitzen, die jeweils mit Begeisterung aufgenommen worden waren.

Sabine Waszelewski

Als dritte Gruppe gab es Titel aus dem letzten Dreivierteljahrhundert, die mit Weihnachten wenig bis nichts zu tun haben, die aber dennoch gut in ein Adventskonzert passten. „Scarborough Fair“ von Simon&Garfunkel zum Beispiel. Oder, um es mit den Worte der Sängerin zu sagen: „Irgendwie klingt das meiste von Simon&Garfunkel wie ein Weihnachtslied.“ Darum liebe sie die Songs der beiden. Das Publikum empfand das, wie man am Beifall spürte, ganz offensichtlich ebenso. Und es geizte mit seiner Wertschätzung auch bei einer Reihe anderer Titel nicht, allen voran jener Song, der dem Capriccio-Programm seinen Titel gab: „Dass ich eine Schneeflocke wär“ von Veronika Fischer (übrigens auch schon aus den 1970er Jahren).

So war von der Kühle in der Kirche, die sich kaum von den Außentemperaturen unterschied, bald nichts mehr zu spüren. Das Publikum wollte das musikalische Duo schließlich nicht ohne Zugabe von dannen ziehen lassen. Waszelewski und Dobeneck ließen sich nicht lange bitten. „White Christmas“ erklang, 1940 von Irving Berlin (1888 bis 1989) komponiert und sieben Jahre später von Bing Crosby (1903 bis 1970) zu Weltruhm gesungen. Und schließlich gab es noch ein „Halleluja“, nämlich das in der Version von Leonard Cohen (1934 bis 2016). Damit waren Künstler und Publikum wieder ganz weit drin in der Adventszeit.

Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Kitzener Kirche zum Adventskonzert.

Von den Highlands zur irischen Küste

Die Fiddle Folk Family in der Kitzener Kirche Sankt Nikolai.

Wildnis und sanfte Hügel, üppige Vegetation an der irischen Küste bei Kerry und dürres Gras der schottischen Highlands, steile Klippen und klare Seen, Whisky vom Feinsten und ein Bier in einem Pub, uralte Schlösser und wunderbare Gärten, ergreifende Balladen über Landschaften und Menschen – Irland und Schottland haben das alles reichlich. Fiddle Folk Family bringt das musikalisch auf die Bühne. Die singende und klingende Familie aus Markranstädt, Ortsteil Göhrenz, war am Sonntag, 28. September 2025, einmal mehr in der Kitzener Kirche Sankt Nikolai zu Gast und begeisterte rund 180 Besucher. Zum wiederholten Male in diesem Jahr passte keine weitere Sitzgelegenheit mehr in den Kirchenraum.

Kein weiterer Stuhl passte mehr in die Kirche.

Die Platz gefunden hatten, feierten das Quintett ausgiebig. Wer Schottland und Irland kennt, konnte sich erinnern an seine Reiseerlebnisse, wer die Landstriche bislang nicht gesehen hat, konnte sich in sie hineinträumen und darüber nachdenken, sie einmal persönlich in Augenschein zu nehmen. Die Ballade von der Fischhändlerin Molly Malone, die seit 1987 in Dublin ein entzückendes Denkmal hat und mittlerweile ein Wahrzeichen der irischen Hauptstadt ist, gehörte dazu. Das Lied gibt es zwar schon seit 1883, aber die irische Folkband Dubliners hat es während ihrer Existenz zwischen 1962 und 2012 um die Welt getragen.

Das Denkmal für Molly Malone in Dublin.

Nicht so alt, aber ebenso berührend, dass die Melodie einem gar nicht mehr aus dem Kopf will, ist „Mull of Kintyre“. Ex-Beatle Paul McCartney hat die Ballade um die südliche Spitze der schottischen Halbinsel Kintyre mit seiner Begleitband The Wings in den 1970er Jahren nach der Beatles-Ära gesungen. Der Song geht einem schon deshalb noch eine Weile durch den Kopf, weil die Fiddle Folk Family ihn als letztes Stück des Abends spielte und sang. Das Publikum hatte ihn sich als zweite Zugabe erklatscht.

Blick auf den Leuchtturm am Mull of Kintyre und die irische See.

In die bunte Mischung der irischen und schottischen Folksongs mixten die Musiker noch ein wenig Countrymusic. Zum Beispiel mit „I saw the Light“ von Johnny Cash (1932 – 2003), einem der berühmteste Country-Musiker. Entdeckt habe er den Song schon in den 1970er Jahren, als Cash ihn in einem der frühen Inspektor-Columbo-Filmen in seiner Rolle als Tommy Brown gesungen hat. Cash spielt in dem Film den Mörder, der von Columba, gespielt vom unvergessenen Peter Falk (1927 – 2011), natürlich raffiniert überführt wird.

Die dritte Generation: Jakob Klingner mit der Flöte.

Dazu gab es ein wenig Blue Grass, der sich als Musikstil aus Einflüssen der angloamerikanischen Ballade, afroamerikanischer Tanzmusik, gemischt mit der Musik der Einwanderer aus Europa – darunter Iren – entwickelt hat. Und schließlich griff Fiddle Folk Family mit „What shall wie do with the drunken Sailor“ ins große Reservoire der Shantys. Mit „Wild Rover“, einem 200 Jahre alten irischen Volkslied, gab es zudem einen Klassiker, bei dem das Publikum so herrlich mitklatschen konnte. Wem der Liedname nichts sagte, dem kam die Erleuchtung nach den ersten Tönen. Denn zur Melodie haben Klaus und Klaus eine deutsche Version mit dem Titel „An der Nordseeküste“ getextet.

Matthias Neumann, Andreas und Stephan Klingner.

Fiddle Folk Family ist beim Publikum auch deshalb beliebt, weil es von Anfang an eine Mehr-Generationen-Band ist. Sangen anfangs Andreas und Bettina Klingner mit ihren Söhnen Simon und Stephan, so hat sich mittlerweile Enkeln Jakob als Sohn von Stephan in die Familienkapelle gespielt. Er übernimmt die Parts mit verschiedenen Flöten und der Schalmei, deren Töne typisch für irischen und schottischen Folk sind. Beim Auftritt in Kitzen war Bassist Simon zwar nicht dabei. „Er ist mit eigener Band unterwegs“, sagte Andreas Klingner. Aber bestens vertreten wurde er von Matthias „Neumi“ Neumann. Er sei oft mit Fiddle Folk unterwegs, sagte Andreas Klingner. „Wir kennen uns ja auch seit 40 Jahren“, ergänzte Neumi. Also ist auch er schon irgendwie Family.

Bettina Klingner.
Vor dem Konzert war die Kuchentafel dicht umlagert. Fleißige Helferinnen und Helfer hatten gebacken und verkauften Kuchen, Kaffee, Wein und andere Getränke. Vor und nach dem Konzert waren viele unterwegs, um die Tische und Bänke im Pfarrhof aufzubauen sowie Dutzende Stühle als zusätzliche Sitzgelegenheiten vom Kulturhaus in die Kirche und wieder zurückzubringen.