Auf Ururur-Großvaters Spur

Das Leipziger Symphonieorchester in diesem Jahr in Kitzen.

Kein anderer Klangkörper oder Künstler war seit dem Start der Kultursonntage des Fördervereins der Kreuzkirche Sankt Nikolai vor mehr als 15 Jahren häufiger in Kitzen als das Leipziger Symphonieorchester (LSO). Seit 2020 kommen die Musiker einmal im Jahr in die Kirche Kitzen. Mithin war es am 31. Mai 2026 der siebte Auftritt. Es wird nicht der letzte Auftritt sein, auch wenn Chefdirigent Robbert van Steijn das seit 63 Jahren bestehende Orchester verlässt.

Gegenüber dem Kitzener Publikum verabschiedete er sich mit einer Lobrede auf die „hervorragende Akustik in der Kirche und die wunderbare familiäre Atmosphäre“, in der man gern spiele. „Das Leipziger Symphonieorchester, die Kirche und das Publikum passen eben gut zusammen.“

Katharina Böhm wurde für ihr Flötenspiel gefeiert.

Mehr als 80 Besucherplätze wurden am Sonntagnachmittag in Sankt Nikolai besetzt. Unter den Besuchern waren neben den „Stammgästen“ viele Neulinge, die zum ersten Mal nach Kitzen gekommen waren und nach dem Eindruck des Konzerts gern wiederkommen wollen.

Unter dem weitreichenden Titel „Wiener Klassik“ präsentierte sich das LSO mit Stücken von Antonio Salieri, Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn. Neben Ludwig van Beethoven sind die drei genannten jene Komponisten, deren Werke aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und dem Anfang des 19. Jahrhunderts diese Epoche am nachhaltigsten prägten. Die Vertreter der Wiener Klassik wollten nicht nur, wie es van Steijn erklärte, dass Musik etwas zum Ausdruck bringt, sondern sie wollten sich selbst in der Musik zum Ausdruck bringen.

Auch Dirigent Robbert van Stijn war begeistert von seiner Solistin.

Bereits mit dem Auftaktstück, der Sinfonia in D-Dur „La Veneziana“ von Antonio Salieri (1750 – 1825) hatte das Orchester das Publikum für sich gewonnen. Geradezu begeistert waren die Besucherinnen und Besucher danach vom Konzert für Flöte und Orchester in G-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791). Katharina Böhm-Prokein brillierte an der Querflöte und bekam kaum endenden Beifall.

Theobald Böhm – Flötist, Komponist und Flötenbaumeister. Foto: Wikipedia

Die Musikerin hat in Leipzig Musikpädagogik und Orchestermusik studiert und ist seit 2004 Mitglied im Ensemble des LSO. Bereits mit neun Jahren hat sie das Flötenspiel erlernt und immer weiter vertieft. Sie setzt damit eine lange Familientradition fort, die mit ihrem Ururur-Großvater begann. Das war Theobald Böhm, der von 1794 bis 1881 in München gelebt hat. Er war nicht nur ein herausragender Flötenspieler, sondern ebenso Komponist. Zudem hat er den Flötenbau revolutioniert. Seine Bauart samt dem von ihm erfundenen Griffsystem ist bis heute die wesentliche bei der Herstellung von Flöten.

Ein begeistertes Publikum.

Im zweiten Teil des Programms gab es ein weiteres Stück von Mozart, das Divertimento in D-Dur. Abschließend ließen die Musiker die Sinfonie Nr. 49 in f-Moll „La Passione“ von Joseph Haydn (1732 – 1809) erklingen, für deren Aufführung es minutenlangen Beifall gab.

Kühles Frühstück

Trotz des kühlen Wetters ließen es sich viele Besucher schmecken.

An einem 9. Mai im Freien zu frühstücken, das kann gut gehen, muss aber nicht. Vieles hängt vom Wetter ab. Bei mehr als 20 Grad wie eine Woche zuvor wären sicher deutlich mehr hungrige Mäuler gekommen. So blieb die zweite Auflage des vom Förderverein Kirche Sankt Nikolai organisierten Marktfrühstücks auf der Terrasse des Kitzener Kulturhauses hinter der Premiere im September des Vorjahres ein wenig zurück. Dennoch gingen gut fünf Dutzend liebevoll vorbereitete und leckere Frühstücksteller über den Tresen. Es gab Wurst, Käse, Marmelade und frische Brötchen. Dazu wurden Kaffee und Kakao ausgeschenkt – natürlich mit Milch von den heimischen Kühen der Agrarprodukte Kitzen. Später am Vormittag wurden zudem Bratwürste gegrillt. Zu kaufen gab es Honig, Wurstkonserven, Gemüse- und andere Pflanzen. Frischeprodukte wie Tomaten, Salat, Gurken und ähnliches wurde zwar von dem ein oder anderen nachgefragt, waren aber von den regionalen Erzeugern in dieser Jahreszeit noch nicht marktreif. Dafür hatte Winzer Patrick Gaudig aus Weißenfels-Kriechau das Angebot angenommen, sich mit den Ergebnissen der jüngsten Jahrgänge zu präsentieren. So wurde manches Glas Wein auch zur Vormittagsstunde konsumiert und manche Flasche mit nach Hause genommen.

Im Laufe des Vormittags gab es auch Bratwurst frisch vom Grill.

Trotz des unterkühlten Wetters war das zweite Kitzener Marktfrühstück vielen Besuchern ein guter Anlass, sich zu treffen, zu schwatzen und eben mal mit dem Frühstück aus dem sonstigen alltäglichen Rhythmus auszubrechen. Und ganz sicher: Es wird wieder kuscheligere Tage für das dritte Marktfrühstück geben.

Vor dem Kauf von Honig durfte auch gekostet werden.
Der Pflanzenverkauf kam gut an.

Blues aus der Nachbarschaft

Blues Projekt Vesta

Für viele kam es offenbar ganz überraschend per Pegauer Whats-App-Kanal am Mittwochnachmittag. Zum Himmelfahrtstag hatte die Kitzener Kirchgemeinde die Bad Dürrenberger Band Blues Projekt Vesta eingeladen. Vesta ist ein Ortsteil von Bad Dürrenberg. Die drei Herren an Gitarre, Bass und Schlagzeug hatten sich zudem noch einen Kollegen für die Orgel eingeladen, so dass zum Abschluss ein Zusammenspiel mit der ja erst im vorigen Jahr sanierten Rühlmann-Orgel gelang, das das Quartett zuvor noch nicht gemeinsam geprobt hatte. Mit einem Titel der britischen Band Procol Harum und dem Halleluja von Leonard Cohen setzten sie es gut in bluesige Rhythmen um. Zuvor bekamen die rund 40 Besucher in der Kirche Sankt Nikolai einen Mix aus gut einem halben Jahrhundert Blues und Rock zu hören. Titel von Bob Dylan (Knocking on heaven’s door), Bruce Springsteen (The River), Neil Young (Hey, hey, my,my und Like a Hurricane), CCR (Bad Moon Rising) und viele mehr fanden im Publikum Anklang.

Auch die Orgel erklang

Von Weingeist zu Grönemeyer

Anke Geißler und Enrico Wirth.

Knapp zwei Stunden lang hat sich das Publikum die Seele aus dem Leib gelacht. Und urplötzlich ist das Kabarettprogramm zu Ende. Es hätte noch mehr sein können, schienen sich die Besucherinnen und Besucher einig. Von Kabarett kann man nicht genug bekommen. Aber Fördervereinsvorsitzende Ingrid Riedel brachte es auf den Punkt, als sie den Künstlern noch ein kleines Präsent als Dankeschön und Abschied überreichte: „Anke Geißler kommt im April 2027 wieder.“ Der Applaus war enthusiastisch, als habe die Kabarettistin gerade noch einen letzten guten Gag rausgehauen.

Mutter aus dem Hessischen zu Besuch.

Mehr als 150 Menschen füllten am 26. April das Kulturzentrum Kirche Sankt Nikolai, um Anke Geißler als Gastwirtin Monike Weingeist und in andere Rollen zu erleben. Und sie kamen voll auf ihre Kosten. Zum Beispiel wenn Monika Weingeist von ihren erwachsenen Kindern Tim und Tom erzählt, die sich nicht aus dem Haus bewegen mit ihrem 30 Jahren, die das schon als Kinder nicht getan haben, weshalb sie auch nie aufgeschlagene Knie hatten. „Die Pflaster mit den Motschekiepchen habe ich heute noch zu Hause.“ Und sie habe ihnen Jobs in ihrer Kneipe angeboten für 1000 Euro pro Woche. „Aber das interessiert sie einfach nicht!“

Arbeitsscheue Tochter aus gutem Haus.

Dann schlüpft Anke Geißler in anderer Rollen, wie die der Dame aus dem Hessischen, die ihre studierende Tochter in Leipzig besucht, also im Osten. Als die ihr erzählt habe, dass sie in Leipzig studieren werde, „habe ich erst einmal gefragt, welche größere Stadt da in der Nähe liegt“. Gekonnt wechselt Geißler in die Rolle der Sunny, einer arbeitsscheuen Tochter aus gutem Haus. Um sich gleich wieder als Klaus zu präsentieren, der sich als Binärer Hybrid-Vegetarier und Mischung aus gealtertem Rocker und Türsteher vorstellt. Urkomisch! Ebenso der Hausgeist Balduin, der immer noch im Wirtshaus spukt, nachdem er vor mehr als 80 Jahren entlassen wurde.

Bei Jürgen Harts Klassiker „Der schönste Platz“

Genau so köstlich ist Geißlers Interpretation eines Uralt-Titels von der Leipziger Kabarettlegende Jürgen Hart. „Der schönste Platz“ fand seinen Platz schon 1979 auf einer Single und 1980 im Album „Hart auf Hart“ zusammen mit „Sing, mei Sache, sing“, „Brunos Geist“ und anderen. Der schönste Platz ist „der Schaukelstuhl an meinem Grab … da sitz ich gerne ein und gedenke mein … und mein Doppelkinn, das wabbelt leis im Wind“. Alles musikalisch untermalt von Enrico Wirth am Piano.

Kein Platz blieb leer bei der Veranstaltung.

Dem begeisterten Publikum gelang es, eine Zugabe zu ergattern, die dem vorangegangenen Programm in nichts nachstand. Geißler sang „Am Brunnen vor dem Tore“, allerdings in einer Version, wie sie sich – satirisch überhöht – von Herbert Grönemeyer anhören könnte. Mit Worten beschreiben lässt sich das gar nicht, aber es war zum Brüllen.

Drücken Sie die 1

Gut unterhalten fühlte sich das Publikum bei der Lesung. Foto: Robert Zentner

Wer kennt das nicht? Das Telefon klingelt und keiner ist dran. Das Telefon klingelt und man bekommt die Nachricht, dass etwas mit dem Bankkonto nicht stimmt. Das Telefon klingelt und man wird gebeten, an einer Umfrage teilzunehmen. Das ist nur eine kleine Auswahl von dem, was einen erwarten kann, wenn das Telefon klingelt und im Display kein aus der Kontaktliste bekannter Name auftaucht. Umgekehrt nervt es oft, wenn man während eines Anrufs bei einem Dienstleister erst die Taste mit der 1, dann die mit der 2, 3, 4 und so weiter drücken muss, um am Ende zu erfahren, dass alle Leitungen belegt seien. Birger Zentner hat aus solchen und anderen Begebenheiten des Lebens heitere Kurzgeschichten verfasst. Einige davon hat er beim ersten 2026er Kultursonntag des Fördervereins der Kirche Sankt Nikolai Kitzen im Kulturhaus des Ortes zum Besten gegeben. Zudem hat der Autor seinen Ende des vorigen Jahres erschienenen Weißenfels-Krimi vorgestellt. Etwa 70 Besucherinnen und Besucher waren zu den Lesung gekommen und fühlten sich für knapp zwei Stunden gut unterhalten. Vor der Lesung und in der Pause sorgten die fleißigen Helferinnen und Helfer aus dem Verein wieder für den Verkauf von Kaffee und Kuchen.

Birger Zentner während der Lesung. Foto: Robert Zentner

Von Schneeflocken und Weihnachten

Sabine Waszelewski und Klaus-Jürgen Dobeneck als Capriccio zum 1. Advent in Kitzen.

Was muss, was darf, was kann in ein Adventskonzert? Offenbar eine ganze Menge, wie das Dessauer Duo Capriccio bei seinem Auftritt zum 1. Advent am 30. November 2025 in der Kirche Kitzen zeigte. Sabine Waszelewski (Gesang) und Klaus-Jürgen Dobeneck (Gitarre und Querflöte) mischten ein abwechslungsreiches Programm unter dem Titel „Dass ich eine Schneeflocke wär“ und boten den rund 160 Besucherinnen und Besuchern klassische Weihnachtslieder wie „Fröhliche Weihnacht“ und „Stille Nacht“, ebenso bekannte weihnachtliche Popsongs wie die in den 1970er und 1980er Jahre entstandenen „Please come home for christmas“ von den Eagles, „Last Christmas“ von der Gruppe Wham! und „Driving home for christmas“ von Chris Rea.

Dobeneck als Solist mit der Querflöte.

Dazu griffen sie ein Stück ins Klassische mit „Air“ von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) und „Adagio“ von Tomaso Albinoni (1671 bis 1741). Dobeneck spielte beides als Solist gekonnt auf der Querflöte. So zeigte er sich nicht nur als kongenialer instrumentaler Begleiter von Waszelewski. Was im Übrigen für den größten Teil des Publikums keine Neuheit war. Es kannte Capriccio bereits aus drei, vier früheren Auftritten in Kitzen, die jeweils mit Begeisterung aufgenommen worden waren.

Sabine Waszelewski

Als dritte Gruppe gab es Titel aus dem letzten Dreivierteljahrhundert, die mit Weihnachten wenig bis nichts zu tun haben, die aber dennoch gut in ein Adventskonzert passten. „Scarborough Fair“ von Simon&Garfunkel zum Beispiel. Oder, um es mit den Worte der Sängerin zu sagen: „Irgendwie klingt das meiste von Simon&Garfunkel wie ein Weihnachtslied.“ Darum liebe sie die Songs der beiden. Das Publikum empfand das, wie man am Beifall spürte, ganz offensichtlich ebenso. Und es geizte mit seiner Wertschätzung auch bei einer Reihe anderer Titel nicht, allen voran jener Song, der dem Capriccio-Programm seinen Titel gab: „Dass ich eine Schneeflocke wär“ von Veronika Fischer (übrigens auch schon aus den 1970er Jahren).

So war von der Kühle in der Kirche, die sich kaum von den Außentemperaturen unterschied, bald nichts mehr zu spüren. Das Publikum wollte das musikalische Duo schließlich nicht ohne Zugabe von dannen ziehen lassen. Waszelewski und Dobeneck ließen sich nicht lange bitten. „White Christmas“ erklang, 1940 von Irving Berlin (1888 bis 1989) komponiert und sieben Jahre später von Bing Crosby (1903 bis 1970) zu Weltruhm gesungen. Und schließlich gab es noch ein „Halleluja“, nämlich das in der Version von Leonard Cohen (1934 bis 2016). Damit waren Künstler und Publikum wieder ganz weit drin in der Adventszeit.

Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Kitzener Kirche zum Adventskonzert.

Verein stellt sich neu auf

Es war die erste Mitgliederversammlung des Fördervereins der Kreuzkirche Sankt Nikolai Kitzen nach dem Abschluss der Sanierung des Kirchengebäudes. Sie fand am 12. November 2025 statt. Damit war für die Vorsitzende des Vereins Ingrid Riedel Gelegenheit, Bilanz zu ziehen.

Sie erinnerte daran, dass es in diesem November ziemlich genau ein Jahr her war, dass mit dem Abschluss der Turmsanierung das Gesamtprojekt nach 15 arbeitsreichen Jahren beendet worden ist. Aus finanzieller Sicht fand die Sanierung erst im Herbst 2025 ein Ende. Rund ein Dreivierteljahr nach dem Ende der Bauarbeiten flossen die noch ausstehenden Mittel aus dem europäischen Förderprogramm LEADER an den Verein.

Die gigantische Summe von 1,9 Millionen Euro ist in den zurückliegenden 15 Jahre in die Erneuerung der Kircher geflossen. Davon waren 400.000 Euro Eigenmittel, die der Förderverein aufgebracht hat. Sie kamen zusammen durch Spenden, Erlöse aus den Kulturveranstaltungen und Einnahmen aus den Kaffee- und Kuchenverkäufen bei den Veranstaltungen. Genau besehen, sind auch letzteres Spenden, denn der verkaufte Kuchen wurde und wird unentgeltlich von zahlreichen Frauen im Ort gebacken.

Gerade für Ingrid Riedel und ihren Mann Siegwald Bilesch endet nach 15 Jahren eine anstrengende Zeit, in der sie sich ein ums andere Mal den Kopf zerbrochen haben, woher die Fördermittel kommen sollten, wie und wann man sie beantragt. Dazu kam die Organisation der Bauabläufe, die Betreuung der Handwerker und vieles andere mehr.  Aber die Sache habe sich gelohnt. „Wir haben gemeinsam mit vielen freiwilligen und ehrenamtlich tätigen Helfer etwas Bemerkenswertes für unseren Ort und für die Bürger geschaffen“, sagte Ingrid Riedel. „Und mit den zahlreichen Kulturveranstaltungen leisten wir ebenfalls einen wichtigen Beitrag für Kitzen und die ganze Region.“

Das zeige sich darin, dass es eine zunehmende Resonanz auf die kulturellen Angebote gebe. „Gerade im zurückliegenden Jahr war die Kircher zu Veranstaltungen regelmäßig sehr gut gefüllt und manchmal sogar übervoll gewesen.“ Dass das auch so weitergeht, wird bereits im Hinblick auf das letzte Konzert des Jahres am 30. November 2025 deutlich. Die Anzahl der bisherigen Kartenbestellungen für das traditionelle Adventskonzert mit dem Dessauer Duo „Capriccio“ lassen den Schluss zu, dass es wieder ein ausverkauftes Haus geben wird.

Für das nächste Jahre sind bereits zahlreiche Veranstaltungen geplant. Einige Eckpunkte des Programms stellte Beate Reutter vor. Unter anderem erwartet das Kitzener Publikum wieder ein Kabarettprogramm. Der Gospel-Chor „Gospel Changes“ aus Leipzig konnte ebenso zu einem erneuten Auftritt gewonnen werden wie die Saxophonistinnen „Die Saxn“. Angesagt hat sich mit Abi Wallenstein ein Ur-Gestein des Blues. Das 2026er Adventskonzert werden die Don-Kosaken bestreiten. Bis zum diesjährigen Weihnachtskonzert soll das konkrete Programm vorliegen.

Vor dem Hintergrund der abgeschlossenen Sanierung der Kirche nutzte Vereinsvorsitzende Ingrid Riedel die Gelegenheit, sich bei einigen langjährigen Mitstreitern ganz besonders zu bedanken. Sie nannte den Statiker Udo Bütow, die Architektin Ulrike Kabitzsch sowie die Restauratorin Birgit Mühler, die das Sanierungsprojekt vom ersten Tag an begleitet haben. Mühler bezeichnete es für sich als eine Ehre und auch als ein großes Glück, ein solches Vorhaben über einen so langen Zeitraum begleiten zu können.

Ein weiteres Dankeschön galt Jeanette Schmidt, die anderthalb Jahrzehnte im Vorstand mitgewirkt hat und jetzt auf ihren eigenen Wunsch ausgeschieden ist. Schließlich dankte Ingrid Riedel ganz besonders Gerlinde Wippert, die von Anbeginn das Organisationsteam für die Veranstaltungen mit großem persönlichen Engagement führt.

Die Mitgliederversammlung wählte bei ihrer Zusammenkunft einen neuen Vorstand, der für die künftigen Aufgaben von fünf auf sieben Mitglieder erweitert wurde. Zur Vorsitzenden wurde wieder Ingrid Riedel gewählt. Ihr zur Seite stehen die weiteren Vorstandsmitglieder Barbara Arnold, Brunhild Johannsen, Viktor Johannsen, Beate Reutter, Karin Weigenand und Birger Zentner.

Zu den künftigen Aufgaben des Vorstandes wird unter anderem gehören, den Verein neu auszurichten. Wie Ingrid Riedel sagte, geht es nach dem Abschluss der Sanierung an der Kirche natürlich weiter darum, die kulturellen Veranstaltungen zu planen und notwendige Erhaltungsmaßnahmen an der Kirch zu organisieren. Augenmerk wird aber auch auf anderen Projekte wie den geplanten Dorfladen liegen und darauf, sich stärker sozialen Bereichen zu widmen und gemeinsam mit anderen Vereinen im Ort die bereits bestehenden Anfänge eines Netzwerks auszubauen. Im nächsten Jahr sollen dazu mit dem Mitgliedern neue Gedanken zum Vereinsnamen und zum Vereinszweck diskutiert und gegebenenfalls auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen werden.

Blues, ohne den Blues zu bekommen

Blues in der Kitzener Kirche.

Traurig, melancholisch und voller Weltschmerz – nichts von alledem bringt die Elsterbluesband aus Leipzig im Konzert herüber. Vielmehr ist es Wärme, Erregung, Begeisterung, Gefühl, was die drei Musiker am Sonntagnachmittag (19. Oktober 2025) bei ihrem Konzert in die Kirche Sankt Nikolai in Kitzen getragen haben. Mit einem Blues ist wohl niemand von den mehr als 100 Besucherinnen und Besuchern nach Hause gegangen.

Auch wenn manche Texte verstörend sein mögen, die Musik vermittelten letztlich Lebensfreude. Bestes Beispiel dafür vielleicht ist der Gospel-Song „Go And Tell a Midnight Rider“ beziehungsweise „God’s Gonna Cut You Down“ (Gott wird dich niedermachen) in der Version von Johnny Cash (1932 bis 2003), die er kurz vor seinem Tod aufgenommen hat. Auch aus diesem düsteren Bild entsteht durch die Musik Hoffnung, die Weltschmerz und Traurigkeit überwindet. Der Elsterbluesband gelingt es genau wie ihren musikalischen Vorbildern dieses Gefühl ins Publikum zu tragen. Zu den ursprünglichen Songschreibern gehört mit Orlandus Wilson (1917 bis 1998) eine Legende des Blues beziehungsweise des Gospel, der bis zu seinem Tod mehr als 60 Jahre lang das Golden Gate Quartett prägte.

Paul Ulrich, Koma Kschentz, Sandrino Scherbaum sind die Elsterbluesband.

Musikalisch wandte sich die Elsterbluesband vor allem – der Name ist schließlich Programm – dem Blues zu beziehungsweise dem Rock. Wobei beide Musikrichtung ja enge Verwandte sind. Da bot es sich förmlich an, sich den Rolling Stones zu widmen, die gleich mit mehreren Titeln vertreten waren. Bei „It’s All Over Now“ machte Sandrino Scherbaum deutlich, wie leidenschaftlich er die Blues-Harp (Mundharmonika) spielen kann, die vor mittlerweile 60 Jahren Stones-Frontmann Mick Jagger einsetzte. Dazu gesellten sich Gesang und Gitarrenspiel von Rik „Paul“ Ulrich und der Schlagzeugeinsatz von Koma Kschentz. Letzterer ist übrigens der Sohn von Peter Kschentz (1941 bis 2005), einem langjährigen Mitglied der DDR-Kult-Band Renft.

Leidenschaftliches Spiel mit der Blues-Harp von Sandrino Scherbaum.

Scherbaum erwies sich nicht nur mit der Blues-Harp als absolut hörenswert, sondern auch beim Einsatz der Slid-Gitarre und der Lap-Steel-Gitarre (Hawaiigitarre). Natürlich wieder bei den Stones-Hits „Little Red Rooster“ und „No Expectations“. Da hatten die Musiker auch längst ihren Frieden mit dem Spielort gemacht. Denn beim Soundcheck in der leeren Kirchen hatte Ulrich noch befürchtet, dass der Hall-Effekt ihrer Musik schaden könnte. Mit einem hundertköpfigen Auditorium im Raum „verhallten“ alle Zweifel.

Nicht weniger leidenschaftlich: Paul Ulrich mit Gitarre und Gesang.

Ulrich, der aus Stralsund stammt, 1985 nach Leipzig kam und sich vor zwölf Jahren mit Scherbaum und Kschentz zur Elsterbluesband zusammenfand, wartete auch mit einem eigenen Bluestitel auf, dessen Entstehungsgeschichte er kurz erzählte. Als Stralsunder Junge sah er lange vor dem Mauerfall auf dem Rügendamm zwischen Dänholm und Altefähr oft die vom Saßnitzer Fährhafen kommenden Schwedenlaster. „Ich stellte mir dann immer vor, wohin sie wohl fahren würden und wie es dort wäre: Griechenland, Italien oder Spanien.“ Aus dem Erleben performte er später den Titel „The Iron Curtain“, der Eiserne Vorhang. Zum Glück seien jene Zeite lange vorbei.

Koma Kschentz beeindruckte das Publikum auch mit einem Schlagzeugsolo.

Wie bei den Stones-Hits setzte die Elsterbluesband auf eine Reihe anderer bekannter und oft gespielter Titel wie „Sixteen Tons“ von Ernie Ford, „Take Me To The River“ von Al Green oder „Undercover Agent For The Blues“ von Tina Turner. Selbst Besucher, die mehr aus Neugier als aus Liebe zu Blues und Rock gekommen waren, gingen mit einem guten Gefühl aus dem Konzert wie im Anschluss bei einem Gläschen Wein in der Pfarrscheune zu hören war.

Im Medien-Fokus

MDR-Redakteurin Cornelie Winkler (r.) im Interview mit Ingrid Riedel.

Kitzen ist in diesem Jahr ganz besonders in den Fokus von Medien gerückt. Zu verdanken ist das dem Förderverein der Kirche Sankt Nikolai. Der Abschluss der Sanierung der Dorfkirche war ein Grund. Neue Ideen waren ein weiterer Anlass, dass sich die Leipziger Volkszeitung und der Mitteldeutsche Rundfunk mit seiner Fernsehabteilung als auch mit seinem Online-Portal während der letzten Wochen in Kitzen einfanden.

MDR-Redakteurin Cornelia Winkler hat sich in einem Beitrag für das Online-Portal des MDR sehr ausführlich mit der Sanierung der Kirche beschäftigt. Dazu gibt sie Einblicke in das kulturelle Leben in Kitzen, das seit mehr als 15 Jahren während zirka 150 Veranstaltungen in der Kirche und im Kulturhaus bis zu knapp 200 Besucher pro Event anzieht. Zugleich würdigt sie insbesondere das ehrenamtliche Engagement von Dutzenden Frauen und Männern, die sich mit Spenden, Arbeitsleistungen und ihrem Einsatz bei der Organisation von Veranstaltungen regelmäßig einbringen. Der Beitrag ist hier zu finden: Von der Ruine zur Bühne.

LVZ-Reporterin Claudia Carell im Gespräch mit Ingrid Riedel und Siegwald Bilesch (v.l.)

LVZ-Reporterin Claudia Carell hat sich mit dem Gesamtpaket kulturellen und sozialen Engagements in Kitzen beschäftigt, das parallel zur Kirchensanierung zu weiteren Aktivitäten geführt hat. Dabei geht es um die Einrichtung des Bücherstübchens ebenso wie um den regelmäßigen stattfindenden Seniorentreff oder die Treffen der Landfrauen. Mittlerweile gibt es im Ort auch eine enger werdende Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Vereinen wie eben Förderverein, Karnevalsclub, Oldtimerverein, Sportverein oder Feuerwehrverein. Der Beitrag erschien in der LVZ am 7. Oktober und ist auch online auf lvz.de abrufbar, vorausgesetzt man hat ein online-Abo: Was ist das Erfolgsgeheimnis …

Unter dieser Schlagzeile erschien der Beitrag in der LVZ vom 7. Oktober. Einen kompletten Screenshot des Artikels zu veröffentlichen, ist aus urheberechtlichen Gründen nicht möglich.

Ganz speziell mit einem Zukunftsprojekt für Kitzen beschäftigt sich ein MDR-Fernsehbeitrag am 15. September. Dabei geht es um die Einrichtung eines rund um die Uhr zugänglichen und mit Automaten bestückten Dorfladens, der im nächsten Jahr öffnen soll. Entstehen wird er im ehemaligen Pförtnerhaus des früheren Kreisbetriebes für Landtechnik an der Ernst-Thälmann-Straße. Redakteurin Katja Pollokat und Kameramann Marko Becke hatten den Beitrag gedreht, der auch heute noch in der ARD-Mediathek abrufbar ist: „Neuer Dorfladen“.

Siegwald Bilesch, Marko Becke, Katja Pallokat, Ingrid Riedel und Viktor Johannsen (v. l.) beim Besuch der MDR-Filmcrew.

Von den Highlands zur irischen Küste

Die Fiddle Folk Family in der Kitzener Kirche Sankt Nikolai.

Wildnis und sanfte Hügel, üppige Vegetation an der irischen Küste bei Kerry und dürres Gras der schottischen Highlands, steile Klippen und klare Seen, Whisky vom Feinsten und ein Bier in einem Pub, uralte Schlösser und wunderbare Gärten, ergreifende Balladen über Landschaften und Menschen – Irland und Schottland haben das alles reichlich. Fiddle Folk Family bringt das musikalisch auf die Bühne. Die singende und klingende Familie aus Markranstädt, Ortsteil Göhrenz, war am Sonntag, 28. September 2025, einmal mehr in der Kitzener Kirche Sankt Nikolai zu Gast und begeisterte rund 180 Besucher. Zum wiederholten Male in diesem Jahr passte keine weitere Sitzgelegenheit mehr in den Kirchenraum.

Kein weiterer Stuhl passte mehr in die Kirche.

Die Platz gefunden hatten, feierten das Quintett ausgiebig. Wer Schottland und Irland kennt, konnte sich erinnern an seine Reiseerlebnisse, wer die Landstriche bislang nicht gesehen hat, konnte sich in sie hineinträumen und darüber nachdenken, sie einmal persönlich in Augenschein zu nehmen. Die Ballade von der Fischhändlerin Molly Malone, die seit 1987 in Dublin ein entzückendes Denkmal hat und mittlerweile ein Wahrzeichen der irischen Hauptstadt ist, gehörte dazu. Das Lied gibt es zwar schon seit 1883, aber die irische Folkband Dubliners hat es während ihrer Existenz zwischen 1962 und 2012 um die Welt getragen.

Das Denkmal für Molly Malone in Dublin.

Nicht so alt, aber ebenso berührend, dass die Melodie einem gar nicht mehr aus dem Kopf will, ist „Mull of Kintyre“. Ex-Beatle Paul McCartney hat die Ballade um die südliche Spitze der schottischen Halbinsel Kintyre mit seiner Begleitband The Wings in den 1970er Jahren nach der Beatles-Ära gesungen. Der Song geht einem schon deshalb noch eine Weile durch den Kopf, weil die Fiddle Folk Family ihn als letztes Stück des Abends spielte und sang. Das Publikum hatte ihn sich als zweite Zugabe erklatscht.

Blick auf den Leuchtturm am Mull of Kintyre und die irische See.

In die bunte Mischung der irischen und schottischen Folksongs mixten die Musiker noch ein wenig Countrymusic. Zum Beispiel mit „I saw the Light“ von Johnny Cash (1932 – 2003), einem der berühmteste Country-Musiker. Entdeckt habe er den Song schon in den 1970er Jahren, als Cash ihn in einem der frühen Inspektor-Columbo-Filmen in seiner Rolle als Tommy Brown gesungen hat. Cash spielt in dem Film den Mörder, der von Columba, gespielt vom unvergessenen Peter Falk (1927 – 2011), natürlich raffiniert überführt wird.

Die dritte Generation: Jakob Klingner mit der Flöte.

Dazu gab es ein wenig Blue Grass, der sich als Musikstil aus Einflüssen der angloamerikanischen Ballade, afroamerikanischer Tanzmusik, gemischt mit der Musik der Einwanderer aus Europa – darunter Iren – entwickelt hat. Und schließlich griff Fiddle Folk Family mit „What shall wie do with the drunken Sailor“ ins große Reservoire der Shantys. Mit „Wild Rover“, einem 200 Jahre alten irischen Volkslied, gab es zudem einen Klassiker, bei dem das Publikum so herrlich mitklatschen konnte. Wem der Liedname nichts sagte, dem kam die Erleuchtung nach den ersten Tönen. Denn zur Melodie haben Klaus und Klaus eine deutsche Version mit dem Titel „An der Nordseeküste“ getextet.

Matthias Neumann, Andreas und Stephan Klingner.

Fiddle Folk Family ist beim Publikum auch deshalb beliebt, weil es von Anfang an eine Mehr-Generationen-Band ist. Sangen anfangs Andreas und Bettina Klingner mit ihren Söhnen Simon und Stephan, so hat sich mittlerweile Enkeln Jakob als Sohn von Stephan in die Familienkapelle gespielt. Er übernimmt die Parts mit verschiedenen Flöten und der Schalmei, deren Töne typisch für irischen und schottischen Folk sind. Beim Auftritt in Kitzen war Bassist Simon zwar nicht dabei. „Er ist mit eigener Band unterwegs“, sagte Andreas Klingner. Aber bestens vertreten wurde er von Matthias „Neumi“ Neumann. Er sei oft mit Fiddle Folk unterwegs, sagte Andreas Klingner. „Wir kennen uns ja auch seit 40 Jahren“, ergänzte Neumi. Also ist auch er schon irgendwie Family.

Bettina Klingner.
Vor dem Konzert war die Kuchentafel dicht umlagert. Fleißige Helferinnen und Helfer hatten gebacken und verkauften Kuchen, Kaffee, Wein und andere Getränke. Vor und nach dem Konzert waren viele unterwegs, um die Tische und Bänke im Pfarrhof aufzubauen sowie Dutzende Stühle als zusätzliche Sitzgelegenheiten vom Kulturhaus in die Kirche und wieder zurückzubringen.