Gespannt vor Kitzener Premiere

Ein Mann, seine Stimme und seine Gitarre. Das klingt wenig für ein Konzert. Und es ist, wenn man ihn gehört hat, so viel.

Zum ersten Mal in Kitzen: Abi Wallenstein.

„Ich war sehr gespannt auf Kitzen und das Publikum.“ Bei Auftritten in Kirchen habe er bemerkt, dass die Zuhörer zumindest anfangs verhalten und zum Teil etwas distanziert reagieren. „In Kitzen war das überhaupt nicht der Fall“, sagte Abi Wallenstein nach seinem Konzert in der Kirche Sankt Nikolai beim Kultursonntag des Fördervereins am 19. Juli 2026. „Ich möchte gern wiederkommen“, rief er vor den letzten Titeln unter donnerndem Applaus den 150 Besucherinnen und Besucher zu, die es nicht mehr auf den Sitzen hielt. Mit anderen Worten: Das Publikum würden ebenso gern den Mann, der letzten Dezember 80 Jahre alt geworden ist, wiedersehen und ihm zuhören. „Wir planen für 2027 ein weiteres Konzert mit Abi Wallenstein ein“, sagte Vereinsvorsitzende Ingrid Riedel im Anschluss.

Geheimtipp, Ikone, Urgestein – der Wahlhamburger, der in Jerusalem geboren wurde und seit 1960 in Deutschland lebt, gilt als einer der allerbesten Blues-Interpreten der Republik und wohl auch in Europa. Das bewies er an dem Sonntag in der Kirche Sankt Nikolai nachdrücklich.

Auch mal ohne Mikro, um das Publikum die Ursprünglichkeit des Blues erleben zu lassen.

Mit gut zwei Dutzend Songs nahm er sein Publik mit auf eine Reise durch beinahe 150 Jahre Bluesgeschichte. Der älteste Titel dabei: „Down by the Riverside“. Das ist der vermutlich erste Antikriegssong oder Friedenssong der Musikgeschichte. Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) ist er als Gospel entstanden. Sein Verfasser ist unbekannt, aber seither wird das Lied in unzähligen Variationen gesungen und ist unter anderem als bluesige Interpretation bestens geeignet, Sänger und Publikum einander näher zu bringen. Wallenstein animierte die Besucher immer wieder zum Mitsingen diverser Refrains, und sein Auditorium ließ sich darauf ein.

Der Sänger startete in das Konzert ohne Mikrofon. „Damit ihr hört, wie Blues ursprünglich klang und gespielt wurde.“ Sugar Mama hieß der Titel, dessen Autor ebenfalls unbekannt ist, und der erstmals in den 1930er Jahren auf Tonträger gebannt wurde. Es folgten Songs aus den 1940er und 1950er Jahren, unter anderem von J. B. Lenoir (Good Advice und Never Go Back To Alabama). Weiter ging die Reise mit Eric Clapton (Sweet Home Chicago) und den Rollings Stones (Little Red Rooster und Honky Tonk Woman) sowie Chuck Berry (Carol) und vielen anderen bis in die 1970er Jahre hinein.

Auf Wiedersehen im nächsten Jahr.

Mit seiner etwas rauen und gleichzeitig sanften Stimme und seinem virtuosen Spiel auf der achtsaitigen Gitarre zog Wallenstein die Besucher immer wieder in seinen Bann. Vor allem deshalb, weil er von sich aus die Nähe und den Kontakt zum Publikum sucht. Die Gitarre, die er mitgebracht hat, stammt schon aus den 1970er Jahren. An der hängt Wallenstein ebenso wie an einer, die noch einmal zehn Jahre älter ist, „aber leider gerade repariert werden muss“.

Mit mittlerweile über 80 Jahren bezeichnet er die Auftritte als sein Lebenselixier. „Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich nehme keine Drogen. Meine Sucht ist der Blues“, sagt er im Gespräch im Anschluss ans Konzert. So lange Stimme und Finger mitmachen, will er spielen. Auch deshalb, „weil ich beim täglichen Üben immer wieder neues entdecke und dann mit auf meine Konzerte nehme“. Und das sind im Durchschnitt 100 bis 120 im Jahr.

Er könne das auch deshalb, weil „ich bei meiner lieben Frau auf Verständnis für meine Sucht stoße“, sagt er mit einem liebevollen Lächeln im Gesicht. Maryn Stucken teilt nach seinen Worten als Theaterregisseurin und Intendantin die Gefühle und die Leidenschaft des Künstlers.

Wer Abi Wallenstein am Sonntag in Kitzen verpasst hat, bekommt neue Chancen, wenn er am 3. Oktober in der Torgauer Kulturbastion, am 8. November im Schloss Dieskau und am 27. November in Geyserhaus in Leipzig ganz in der Nähe auftritt. Oder einfach abwarten, bis Abi Wallenstein im Laufe des Jahres 2027 wieder nach Kitzen zurückkommt.

Süße Träume am Sonntagabend

Die Sax’n bei ihrem jüngsten Auftritt in Kitzen.

Der Stoff, aus dem Träume sind. „Wir haben zum Auftakt unser Lieblingsstück gewählt“, sagte Sopransaxofonistin Alexandra Michaelis. Und das war „Sweet Dreams“ – Süße Träume. Die Entstehungsgeschichte des Songs ist es womöglich, die dazu geführt hat. Das britische Popduo „Eurythmics“ hat Anfang der 1980er Jahre damit die Chartlisten gestürmt. Annie Lennox soll gerade ihrem Partner David Stewart das Ende ihrer Beziehung verkündet haben. Und so etwas verarbeitet jeder anderes. Die beiden haben unter dem Eindruck eben „Sweet Dreams“ produziert – wie sich bei Wikipedia nachlesen lässt.

Von da an ging es am Schlag auf Schlag mit bekannten Songs der Rock- und Pop-Geschichte und der Kinohistorie, die mit vier Saxofonen und einem Schlagzeug in die wunderbare Akustik der Kitzener Kirche geblasen wurden. Alexandra Michaelis (Sopransaxofon), Luci Lux (Tenorsaxofon), Corinna Stieler (Baritonsaxofon), Isabell Rose (Altsaxofon) sowie René Scipio (Percussion) bereiteten den 150 Besucherinnen und Besuchern in der Kirche ein riesiges Vergnügen. Apropos René Scipio – der Schlagzeuger und bei verschiedenen Titeln auch der Arrangeur des Quintetts – ließ sich auch von einem Fußbruch nicht davon abbringen, die Saxofonistinnen zu begleiten. „Ich muss zwar ein wenig improvisieren, aber ich wollte die vier nicht hängen lassen“, sagte er.

Isabell Rose und Corinna Stieler – bei der Musik aus „Die glorreichen Sieben“ mit Westernhut.

Zumal „wir sehr gern nach Kitzen kommen“, erklärte Scipio, wenn er denn doch vom Schlagzeug im Hintergrund zur Moderation ganz nach vorn humpelte. „Das dauert zwar ein bisschen, aber ihr könnte die Zeit ja mit Applaus überbrücken.“ Den gab das Publikum bereitwillig von sich. Ohnehin wurde jeder einzelne Titel ausgiebig beklatscht.

Luci Lux und Alexandra Michaelis.

„Lady Marmalade“ zum Beispiel, jener Song mit dem die Girl-Group „Labelle“ 1975 einen Welthit feierte. Die Sax’n spielten ihn allerdings in der Version aus dem 2001 entstandenen Film „Moulin Rouge“, die damals von den Stars Christina Aguilera, Lil’ Kim, Mýa und Pink interpretiert wurde und erneut zum Welterfolg mutierte. Auch wenn genau dieser Titel bereits vor zwei Jahren beim hiesigen Auftritt der Saxofonistinnen erklang, den Konzertbesucher war das beim aktuellen Auftritt am 21. Juni 2026 egal, weil er eben auch im Sax’n-Sound hervorragend klingt.

Zumindest fürs Kitzener Publikum war die mittlerweile 66 Jahre alte Titelmusik aus dem Western „Die glorreichen Sieben“ neu. Wer diesen Klassiker noch einigermaßen vor Augen hatte, sah zur Musik von Elmer Bernstein die Helden Yul Brunner, Steve McQueen, Charles Bronson, Horst Buchholz und Co. noch einmal ins mexikanische Dorf einreiten, um seinen Bewohnern gegen eine böse Bande beizustehen.

Trotz lädierten Fußes am Schlagzeug: René Scipio.

Ebenso wunderbar zeigten sich die Sax’n bei der Interpretation der „Bohemian Rhapsody“, die in der Mitte der 1970er Jahre der erste Nummer-eins-Hit von „Queen“ war und an deren unvergessenen Frontmann Freddie Mercury erinnert. Ist es eigentlich schwierig, einen solchen Titel für vier Saxofone zu arrangieren? Scipio, der neben seiner Tätigkeit als musikalischer Leiter der Sax’n und Arrangeur auch Solo-Schlagzeuger der Leipziger Oper ist, schüttelt den Kopf. „Bei solchen Ausnahmebands wie Queen ist musikalisch alles vorhanden, was man für ein solches Arrangement braucht.“ Das habe ihn vielleicht eine Stunde Arbeitszeit gekostet.

Das begeisterte Publikum geizte nicht mit Beifall für die Sax’n.

Zwei Stunden lang bliesen die vier Saxofonistinnen, was die Lungen hergaben. Nach dem Programm und zwei Zugaben waren die Musikerinnen geschafft. Allen voran Corinna Stieler, die mit ihrem Baritonsaxofon gleich gute acht Kilogramm an Hals und Armen hängen hat. „Aber ich liebe dieses Instrument“, sagte sie nach dem Konzert.

Übrigens gab es wie bereits bei den vorangegangenen Auftritten ein Versprechen: „Wir kommen wieder!“ Der Plan ist, es 2028 zu tun.  

Bundesweites Aufsehen

Ingrid Riedel (r.) begrüßte die Gäste und gab ihnen einen Überblick zur Sanierung der Kirche und zur Arbeit des Fördervereins.

350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Landesämtern für Denkmalpflege aus dem gesamten Bundesgebiet haben am Wochenbeginn in Leipzig getagt. Am Dienstag machten sie sich in zwölf Gruppen auf den Weg zu diversen Denkmalen in der Region. Rund 40 von ihnen kamen am 9. Juni nach Kitzen, um die sanierte Kirche Sankt Nikolai in Augenschein zu nehmen.

Die Vorsitzende des Fördervereins der Kirche Sankt Nikolai Ingrid Riedel berichtete über die anderthalb Jahrzehnte der Sanierung der Kirche ebenso wie über das dafür in die Waagschale geworfene bürgerschaftliche Engagement sowie die Vielfalt der kulturellen Veranstaltungen, die seit 2009 angeboten werden. Ausdrücklich hob Riedel die Zusammenarbeit mit dem sächsischen Landesamt für Denkmalpflege hervor, auch wenn im Verlauf der Erneuerung des Gebäude manches strittig gewesen und vieles diskutiert worden sei. „Ich bin im Nachhinein froh über diese Zusammenarbeit und die Beratung der Denkmalpfleger“, sagte sie.

Stefan Reuther (r.) berichtete über die positiven Erfahrungen, die die Denkmalpfleger bei der Zusammenarbeit mit dem Verein gemacht haben.

Stefan Reuther vom Landesamt gab das Kompliment zurück. Man kenne sich mittlerweile seit 15 Jahren und habe gut zusammengearbeitet, betonte er. Reuther verwies darauf, dass auch die Denkmalpfleger in dieser Zeit und am Beispiel von Sankt Nikolai viel dazugelernt haben. „Wir haben zum Beispiel gemeinsam mit der Restauratorin viel experimentiert, was uns allen neue Erkenntnisse gebracht hat.“

Solche Treffen der Denkmalpfleger verbunden mit einem umfangreichen Erfahrungsaustausch gebe es einmal im Jahr, organisiert von der Vereinigung der Landesdenkmalämter, sagte Tom Pfefferkorn, der während seiner Tätigkeit im sächsischen Amt ebenfalls das Kitzener Projekt begleitet hat.

Reuther, Pfefferkorn und Riedel mussten währen der knapp zweistündigen Visite viele Fragen beantworten: von Farbgebung über die Art der Fassadengestaltung und Trockenlegung bis hin zum Umfang des Austausches von Bauelementen im Dachstuhl. Reuther zeigte den Gästen zudem, dass bei den Sanierungsarbeiten manches entdeckt wurde.

Das Tympanon am Nordportal, an dem jahrhundertealte Malerei entdeckt wurde.

Einen besonderen Aha-Effekt gab es bei den Teilnehmern der Exkursion am Nordportal der Kirche. Reuther zeigte ihnen das Tympanon, das Bogenfeld, am Portal. „Dort haben wir bei der Restaurierung Reste einer hunderte Jahre alten Malerei entdeckt. Im UV-Licht konnte man sichtbar machen, dass es sich um eine Majestas Domini handelt.“ Das lateinische „Majestas Domini“ steht für „Herrlichkeit des Herrn“ und war seit dem Mittelalter ein beliebtes Motiv, Jesus Christus segnend auf einem Thron zu zeigen. Reuther: „Es handelt sich um eine der ältesten Malereien in Sachsen.“ Dass in dem Fall kein UV-Licht zur Hand war, störte die Gäste nicht im Geringsten. Sie begeisterten sich anhand einiger weniger bei Normallicht zu sehender Farbreste.

Begeistert hielten die Teilnehmer der Exkursion Details fest, die im Zuge der Sanierung entdeckt wurden wie diese Malereien im Bereich des Altarraums.

Auf Ururur-Großvaters Spur

Das Leipziger Symphonieorchester in diesem Jahr in Kitzen.

Kein anderer Klangkörper oder Künstler war seit dem Start der Kultursonntage des Fördervereins der Kreuzkirche Sankt Nikolai vor mehr als 15 Jahren häufiger in Kitzen als das Leipziger Symphonieorchester (LSO). Seit 2020 kommen die Musiker einmal im Jahr in die Kirche Kitzen. Mithin war es am 31. Mai 2026 der siebte Auftritt. Es wird nicht der letzte Auftritt sein, auch wenn Chefdirigent Robbert van Steijn das seit 63 Jahren bestehende Orchester verlässt.

Gegenüber dem Kitzener Publikum verabschiedete er sich mit einer Lobrede auf die „hervorragende Akustik in der Kirche und die wunderbare familiäre Atmosphäre“, in der man gern spiele. „Das Leipziger Symphonieorchester, die Kirche und das Publikum passen eben gut zusammen.“

Katharina Böhm wurde für ihr Flötenspiel gefeiert.

Mehr als 80 Besucherplätze wurden am Sonntagnachmittag in Sankt Nikolai besetzt. Unter den Besuchern waren neben den „Stammgästen“ viele Neulinge, die zum ersten Mal nach Kitzen gekommen waren und nach dem Eindruck des Konzerts gern wiederkommen wollen.

Unter dem weitreichenden Titel „Wiener Klassik“ präsentierte sich das LSO mit Stücken von Antonio Salieri, Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn. Neben Ludwig van Beethoven sind die drei genannten jene Komponisten, deren Werke aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und dem Anfang des 19. Jahrhunderts diese Epoche am nachhaltigsten prägten. Die Vertreter der Wiener Klassik wollten nicht nur, wie es van Steijn erklärte, dass Musik etwas zum Ausdruck bringt, sondern sie wollten sich selbst in der Musik zum Ausdruck bringen.

Auch Dirigent Robbert van Stijn war begeistert von seiner Solistin.

Bereits mit dem Auftaktstück, der Sinfonia in D-Dur „La Veneziana“ von Antonio Salieri (1750 – 1825) hatte das Orchester das Publikum für sich gewonnen. Geradezu begeistert waren die Besucherinnen und Besucher danach vom Konzert für Flöte und Orchester in G-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791). Katharina Böhm-Prokein brillierte an der Querflöte und bekam kaum endenden Beifall.

Theobald Böhm – Flötist, Komponist und Flötenbaumeister. Foto: Wikipedia

Die Musikerin hat in Leipzig Musikpädagogik und Orchestermusik studiert und ist seit 2004 Mitglied im Ensemble des LSO. Bereits mit neun Jahren hat sie das Flötenspiel erlernt und immer weiter vertieft. Sie setzt damit eine lange Familientradition fort, die mit ihrem Ururur-Großvater begann. Das war Theobald Böhm, der von 1794 bis 1881 in München gelebt hat. Er war nicht nur ein herausragender Flötenspieler, sondern ebenso Komponist. Zudem hat er den Flötenbau revolutioniert. Seine Bauart samt dem von ihm erfundenen Griffsystem ist bis heute die wesentliche bei der Herstellung von Flöten.

Ein begeistertes Publikum.

Im zweiten Teil des Programms gab es ein weiteres Stück von Mozart, das Divertimento in D-Dur. Abschließend ließen die Musiker die Sinfonie Nr. 49 in f-Moll „La Passione“ von Joseph Haydn (1732 – 1809) erklingen, für deren Aufführung es minutenlangen Beifall gab.

Kühles Frühstück

Trotz des kühlen Wetters ließen es sich viele Besucher schmecken.

An einem 9. Mai im Freien zu frühstücken, das kann gut gehen, muss aber nicht. Vieles hängt vom Wetter ab. Bei mehr als 20 Grad wie eine Woche zuvor wären sicher deutlich mehr hungrige Mäuler gekommen. So blieb die zweite Auflage des vom Förderverein Kirche Sankt Nikolai organisierten Marktfrühstücks auf der Terrasse des Kitzener Kulturhauses hinter der Premiere im September des Vorjahres ein wenig zurück. Dennoch gingen gut fünf Dutzend liebevoll vorbereitete und leckere Frühstücksteller über den Tresen. Es gab Wurst, Käse, Marmelade und frische Brötchen. Dazu wurden Kaffee und Kakao ausgeschenkt – natürlich mit Milch von den heimischen Kühen der Agrarprodukte Kitzen. Später am Vormittag wurden zudem Bratwürste gegrillt. Zu kaufen gab es Honig, Wurstkonserven, Gemüse- und andere Pflanzen. Frischeprodukte wie Tomaten, Salat, Gurken und ähnliches wurde zwar von dem ein oder anderen nachgefragt, waren aber von den regionalen Erzeugern in dieser Jahreszeit noch nicht marktreif. Dafür hatte Winzer Patrick Gaudig aus Weißenfels-Kriechau das Angebot angenommen, sich mit den Ergebnissen der jüngsten Jahrgänge zu präsentieren. So wurde manches Glas Wein auch zur Vormittagsstunde konsumiert und manche Flasche mit nach Hause genommen.

Im Laufe des Vormittags gab es auch Bratwurst frisch vom Grill.

Trotz des unterkühlten Wetters war das zweite Kitzener Marktfrühstück vielen Besuchern ein guter Anlass, sich zu treffen, zu schwatzen und eben mal mit dem Frühstück aus dem sonstigen alltäglichen Rhythmus auszubrechen. Und ganz sicher: Es wird wieder kuscheligere Tage für das dritte Marktfrühstück geben.

Vor dem Kauf von Honig durfte auch gekostet werden.
Der Pflanzenverkauf kam gut an.

Blues aus der Nachbarschaft

Blues Projekt Vesta

Für viele kam es offenbar ganz überraschend per Pegauer Whats-App-Kanal am Mittwochnachmittag. Zum Himmelfahrtstag hatte die Kitzener Kirchgemeinde die Bad Dürrenberger Band Blues Projekt Vesta eingeladen. Vesta ist ein Ortsteil von Bad Dürrenberg. Die drei Herren an Gitarre, Bass und Schlagzeug hatten sich zudem noch einen Kollegen für die Orgel eingeladen, so dass zum Abschluss ein Zusammenspiel mit der ja erst im vorigen Jahr sanierten Rühlmann-Orgel gelang, das das Quartett zuvor noch nicht gemeinsam geprobt hatte. Mit einem Titel der britischen Band Procol Harum und dem Halleluja von Leonard Cohen setzten sie es gut in bluesige Rhythmen um. Zuvor bekamen die rund 40 Besucher in der Kirche Sankt Nikolai einen Mix aus gut einem halben Jahrhundert Blues und Rock zu hören. Titel von Bob Dylan (Knocking on heaven’s door), Bruce Springsteen (The River), Neil Young (Hey, hey, my,my und Like a Hurricane), CCR (Bad Moon Rising) und viele mehr fanden im Publikum Anklang.

Auch die Orgel erklang

Von Weingeist zu Grönemeyer

Anke Geißler und Enrico Wirth.

Knapp zwei Stunden lang hat sich das Publikum die Seele aus dem Leib gelacht. Und urplötzlich ist das Kabarettprogramm zu Ende. Es hätte noch mehr sein können, schienen sich die Besucherinnen und Besucher einig. Von Kabarett kann man nicht genug bekommen. Aber Fördervereinsvorsitzende Ingrid Riedel brachte es auf den Punkt, als sie den Künstlern noch ein kleines Präsent als Dankeschön und Abschied überreichte: „Anke Geißler kommt im April 2027 wieder.“ Der Applaus war enthusiastisch, als habe die Kabarettistin gerade noch einen letzten guten Gag rausgehauen.

Mutter aus dem Hessischen zu Besuch.

Mehr als 150 Menschen füllten am 26. April das Kulturzentrum Kirche Sankt Nikolai, um Anke Geißler als Gastwirtin Monike Weingeist und in andere Rollen zu erleben. Und sie kamen voll auf ihre Kosten. Zum Beispiel wenn Monika Weingeist von ihren erwachsenen Kindern Tim und Tom erzählt, die sich nicht aus dem Haus bewegen mit ihrem 30 Jahren, die das schon als Kinder nicht getan haben, weshalb sie auch nie aufgeschlagene Knie hatten. „Die Pflaster mit den Motschekiepchen habe ich heute noch zu Hause.“ Und sie habe ihnen Jobs in ihrer Kneipe angeboten für 1000 Euro pro Woche. „Aber das interessiert sie einfach nicht!“

Arbeitsscheue Tochter aus gutem Haus.

Dann schlüpft Anke Geißler in anderer Rollen, wie die der Dame aus dem Hessischen, die ihre studierende Tochter in Leipzig besucht, also im Osten. Als die ihr erzählt habe, dass sie in Leipzig studieren werde, „habe ich erst einmal gefragt, welche größere Stadt da in der Nähe liegt“. Gekonnt wechselt Geißler in die Rolle der Sunny, einer arbeitsscheuen Tochter aus gutem Haus. Um sich gleich wieder als Klaus zu präsentieren, der sich als Binärer Hybrid-Vegetarier und Mischung aus gealtertem Rocker und Türsteher vorstellt. Urkomisch! Ebenso der Hausgeist Balduin, der immer noch im Wirtshaus spukt, nachdem er vor mehr als 80 Jahren entlassen wurde.

Bei Jürgen Harts Klassiker „Der schönste Platz“

Genau so köstlich ist Geißlers Interpretation eines Uralt-Titels von der Leipziger Kabarettlegende Jürgen Hart. „Der schönste Platz“ fand seinen Platz schon 1979 auf einer Single und 1980 im Album „Hart auf Hart“ zusammen mit „Sing, mei Sache, sing“, „Brunos Geist“ und anderen. Der schönste Platz ist „der Schaukelstuhl an meinem Grab … da sitz ich gerne ein und gedenke mein … und mein Doppelkinn, das wabbelt leis im Wind“. Alles musikalisch untermalt von Enrico Wirth am Piano.

Kein Platz blieb leer bei der Veranstaltung.

Dem begeisterten Publikum gelang es, eine Zugabe zu ergattern, die dem vorangegangenen Programm in nichts nachstand. Geißler sang „Am Brunnen vor dem Tore“, allerdings in einer Version, wie sie sich – satirisch überhöht – von Herbert Grönemeyer anhören könnte. Mit Worten beschreiben lässt sich das gar nicht, aber es war zum Brüllen.

Drücken Sie die 1

Gut unterhalten fühlte sich das Publikum bei der Lesung. Foto: Robert Zentner

Wer kennt das nicht? Das Telefon klingelt und keiner ist dran. Das Telefon klingelt und man bekommt die Nachricht, dass etwas mit dem Bankkonto nicht stimmt. Das Telefon klingelt und man wird gebeten, an einer Umfrage teilzunehmen. Das ist nur eine kleine Auswahl von dem, was einen erwarten kann, wenn das Telefon klingelt und im Display kein aus der Kontaktliste bekannter Name auftaucht. Umgekehrt nervt es oft, wenn man während eines Anrufs bei einem Dienstleister erst die Taste mit der 1, dann die mit der 2, 3, 4 und so weiter drücken muss, um am Ende zu erfahren, dass alle Leitungen belegt seien. Birger Zentner hat aus solchen und anderen Begebenheiten des Lebens heitere Kurzgeschichten verfasst. Einige davon hat er beim ersten 2026er Kultursonntag des Fördervereins der Kirche Sankt Nikolai Kitzen im Kulturhaus des Ortes zum Besten gegeben. Zudem hat der Autor seinen Ende des vorigen Jahres erschienenen Weißenfels-Krimi vorgestellt. Etwa 70 Besucherinnen und Besucher waren zu den Lesung gekommen und fühlten sich für knapp zwei Stunden gut unterhalten. Vor der Lesung und in der Pause sorgten die fleißigen Helferinnen und Helfer aus dem Verein wieder für den Verkauf von Kaffee und Kuchen.

Birger Zentner während der Lesung. Foto: Robert Zentner

Von Schneeflocken und Weihnachten

Sabine Waszelewski und Klaus-Jürgen Dobeneck als Capriccio zum 1. Advent in Kitzen.

Was muss, was darf, was kann in ein Adventskonzert? Offenbar eine ganze Menge, wie das Dessauer Duo Capriccio bei seinem Auftritt zum 1. Advent am 30. November 2025 in der Kirche Kitzen zeigte. Sabine Waszelewski (Gesang) und Klaus-Jürgen Dobeneck (Gitarre und Querflöte) mischten ein abwechslungsreiches Programm unter dem Titel „Dass ich eine Schneeflocke wär“ und boten den rund 160 Besucherinnen und Besuchern klassische Weihnachtslieder wie „Fröhliche Weihnacht“ und „Stille Nacht“, ebenso bekannte weihnachtliche Popsongs wie die in den 1970er und 1980er Jahre entstandenen „Please come home for christmas“ von den Eagles, „Last Christmas“ von der Gruppe Wham! und „Driving home for christmas“ von Chris Rea.

Dobeneck als Solist mit der Querflöte.

Dazu griffen sie ein Stück ins Klassische mit „Air“ von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) und „Adagio“ von Tomaso Albinoni (1671 bis 1741). Dobeneck spielte beides als Solist gekonnt auf der Querflöte. So zeigte er sich nicht nur als kongenialer instrumentaler Begleiter von Waszelewski. Was im Übrigen für den größten Teil des Publikums keine Neuheit war. Es kannte Capriccio bereits aus drei, vier früheren Auftritten in Kitzen, die jeweils mit Begeisterung aufgenommen worden waren.

Sabine Waszelewski

Als dritte Gruppe gab es Titel aus dem letzten Dreivierteljahrhundert, die mit Weihnachten wenig bis nichts zu tun haben, die aber dennoch gut in ein Adventskonzert passten. „Scarborough Fair“ von Simon&Garfunkel zum Beispiel. Oder, um es mit den Worte der Sängerin zu sagen: „Irgendwie klingt das meiste von Simon&Garfunkel wie ein Weihnachtslied.“ Darum liebe sie die Songs der beiden. Das Publikum empfand das, wie man am Beifall spürte, ganz offensichtlich ebenso. Und es geizte mit seiner Wertschätzung auch bei einer Reihe anderer Titel nicht, allen voran jener Song, der dem Capriccio-Programm seinen Titel gab: „Dass ich eine Schneeflocke wär“ von Veronika Fischer (übrigens auch schon aus den 1970er Jahren).

So war von der Kühle in der Kirche, die sich kaum von den Außentemperaturen unterschied, bald nichts mehr zu spüren. Das Publikum wollte das musikalische Duo schließlich nicht ohne Zugabe von dannen ziehen lassen. Waszelewski und Dobeneck ließen sich nicht lange bitten. „White Christmas“ erklang, 1940 von Irving Berlin (1888 bis 1989) komponiert und sieben Jahre später von Bing Crosby (1903 bis 1970) zu Weltruhm gesungen. Und schließlich gab es noch ein „Halleluja“, nämlich das in der Version von Leonard Cohen (1934 bis 2016). Damit waren Künstler und Publikum wieder ganz weit drin in der Adventszeit.

Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Kitzener Kirche zum Adventskonzert.

Verein stellt sich neu auf

Es war die erste Mitgliederversammlung des Fördervereins der Kreuzkirche Sankt Nikolai Kitzen nach dem Abschluss der Sanierung des Kirchengebäudes. Sie fand am 12. November 2025 statt. Damit war für die Vorsitzende des Vereins Ingrid Riedel Gelegenheit, Bilanz zu ziehen.

Sie erinnerte daran, dass es in diesem November ziemlich genau ein Jahr her war, dass mit dem Abschluss der Turmsanierung das Gesamtprojekt nach 15 arbeitsreichen Jahren beendet worden ist. Aus finanzieller Sicht fand die Sanierung erst im Herbst 2025 ein Ende. Rund ein Dreivierteljahr nach dem Ende der Bauarbeiten flossen die noch ausstehenden Mittel aus dem europäischen Förderprogramm LEADER an den Verein.

Die gigantische Summe von 1,9 Millionen Euro ist in den zurückliegenden 15 Jahre in die Erneuerung der Kircher geflossen. Davon waren 400.000 Euro Eigenmittel, die der Förderverein aufgebracht hat. Sie kamen zusammen durch Spenden, Erlöse aus den Kulturveranstaltungen und Einnahmen aus den Kaffee- und Kuchenverkäufen bei den Veranstaltungen. Genau besehen, sind auch letzteres Spenden, denn der verkaufte Kuchen wurde und wird unentgeltlich von zahlreichen Frauen im Ort gebacken.

Gerade für Ingrid Riedel und ihren Mann Siegwald Bilesch endet nach 15 Jahren eine anstrengende Zeit, in der sie sich ein ums andere Mal den Kopf zerbrochen haben, woher die Fördermittel kommen sollten, wie und wann man sie beantragt. Dazu kam die Organisation der Bauabläufe, die Betreuung der Handwerker und vieles andere mehr.  Aber die Sache habe sich gelohnt. „Wir haben gemeinsam mit vielen freiwilligen und ehrenamtlich tätigen Helfer etwas Bemerkenswertes für unseren Ort und für die Bürger geschaffen“, sagte Ingrid Riedel. „Und mit den zahlreichen Kulturveranstaltungen leisten wir ebenfalls einen wichtigen Beitrag für Kitzen und die ganze Region.“

Das zeige sich darin, dass es eine zunehmende Resonanz auf die kulturellen Angebote gebe. „Gerade im zurückliegenden Jahr war die Kircher zu Veranstaltungen regelmäßig sehr gut gefüllt und manchmal sogar übervoll gewesen.“ Dass das auch so weitergeht, wird bereits im Hinblick auf das letzte Konzert des Jahres am 30. November 2025 deutlich. Die Anzahl der bisherigen Kartenbestellungen für das traditionelle Adventskonzert mit dem Dessauer Duo „Capriccio“ lassen den Schluss zu, dass es wieder ein ausverkauftes Haus geben wird.

Für das nächste Jahre sind bereits zahlreiche Veranstaltungen geplant. Einige Eckpunkte des Programms stellte Beate Reutter vor. Unter anderem erwartet das Kitzener Publikum wieder ein Kabarettprogramm. Der Gospel-Chor „Gospel Changes“ aus Leipzig konnte ebenso zu einem erneuten Auftritt gewonnen werden wie die Saxophonistinnen „Die Saxn“. Angesagt hat sich mit Abi Wallenstein ein Ur-Gestein des Blues. Das 2026er Adventskonzert werden die Don-Kosaken bestreiten. Bis zum diesjährigen Weihnachtskonzert soll das konkrete Programm vorliegen.

Vor dem Hintergrund der abgeschlossenen Sanierung der Kirche nutzte Vereinsvorsitzende Ingrid Riedel die Gelegenheit, sich bei einigen langjährigen Mitstreitern ganz besonders zu bedanken. Sie nannte den Statiker Udo Bütow, die Architektin Ulrike Kabitzsch sowie die Restauratorin Birgit Mühler, die das Sanierungsprojekt vom ersten Tag an begleitet haben. Mühler bezeichnete es für sich als eine Ehre und auch als ein großes Glück, ein solches Vorhaben über einen so langen Zeitraum begleiten zu können.

Ein weiteres Dankeschön galt Jeanette Schmidt, die anderthalb Jahrzehnte im Vorstand mitgewirkt hat und jetzt auf ihren eigenen Wunsch ausgeschieden ist. Schließlich dankte Ingrid Riedel ganz besonders Gerlinde Wippert, die von Anbeginn das Organisationsteam für die Veranstaltungen mit großem persönlichen Engagement führt.

Die Mitgliederversammlung wählte bei ihrer Zusammenkunft einen neuen Vorstand, der für die künftigen Aufgaben von fünf auf sieben Mitglieder erweitert wurde. Zur Vorsitzenden wurde wieder Ingrid Riedel gewählt. Ihr zur Seite stehen die weiteren Vorstandsmitglieder Barbara Arnold, Brunhild Johannsen, Viktor Johannsen, Beate Reutter, Karin Weigenand und Birger Zentner.

Zu den künftigen Aufgaben des Vorstandes wird unter anderem gehören, den Verein neu auszurichten. Wie Ingrid Riedel sagte, geht es nach dem Abschluss der Sanierung an der Kirche natürlich weiter darum, die kulturellen Veranstaltungen zu planen und notwendige Erhaltungsmaßnahmen an der Kirch zu organisieren. Augenmerk wird aber auch auf anderen Projekte wie den geplanten Dorfladen liegen und darauf, sich stärker sozialen Bereichen zu widmen und gemeinsam mit anderen Vereinen im Ort die bereits bestehenden Anfänge eines Netzwerks auszubauen. Im nächsten Jahr sollen dazu mit dem Mitgliedern neue Gedanken zum Vereinsnamen und zum Vereinszweck diskutiert und gegebenenfalls auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossen werden.