
Kein anderer Klangkörper oder Künstler war seit dem Start der Kultursonntage des Fördervereins der Kreuzkirche Sankt Nikolai vor mehr als 15 Jahren häufiger in Kitzen als das Leipziger Symphonieorchester (LSO). Seit 2020 kommen die Musiker einmal im Jahr in die Kirche Kitzen. Mithin war es am 31. Mai 2026 der siebte Auftritt. Es wird nicht der letzte Auftritt sein, auch wenn Chefdirigent Robbert van Steijn das seit 63 Jahren bestehende Orchester verlässt.
Gegenüber dem Kitzener Publikum verabschiedete er sich mit einer Lobrede auf die „hervorragende Akustik in der Kirche und die wunderbare familiäre Atmosphäre“, in der man gern spiele. „Das Leipziger Symphonieorchester, die Kirche und das Publikum passen eben gut zusammen.“

Mehr als 80 Besucherplätze wurden am Sonntagnachmittag in Sankt Nikolai besetzt. Unter den Besuchern waren neben den „Stammgästen“ viele Neulinge, die zum ersten Mal nach Kitzen gekommen waren und nach dem Eindruck des Konzerts gern wiederkommen wollen.
Unter dem weitreichenden Titel „Wiener Klassik“ präsentierte sich das LSO mit Stücken von Antonio Salieri, Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn. Neben Ludwig van Beethoven sind die drei genannten jene Komponisten, deren Werke aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und dem Anfang des 19. Jahrhunderts diese Epoche am nachhaltigsten prägten. Die Vertreter der Wiener Klassik wollten nicht nur, wie es van Steijn erklärte, dass Musik etwas zum Ausdruck bringt, sondern sie wollten sich selbst in der Musik zum Ausdruck bringen.

Bereits mit dem Auftaktstück, der Sinfonia in D-Dur „La Veneziana“ von Antonio Salieri (1750 – 1825) hatte das Orchester das Publikum für sich gewonnen. Geradezu begeistert waren die Besucherinnen und Besucher danach vom Konzert für Flöte und Orchester in G-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791). Katharina Böhm-Prokein brillierte an der Querflöte und bekam kaum endenden Beifall.

Die Musikerin hat in Leipzig Musikpädagogik und Orchestermusik studiert und ist seit 2004 Mitglied im Ensemble des LSO. Bereits mit neun Jahren hat sie das Flötenspiel erlernt und immer weiter vertieft. Sie setzt damit eine lange Familientradition fort, die mit ihrem Ururur-Großvater begann. Das war Theobald Böhm, der von 1794 bis 1881 in München gelebt hat. Er war nicht nur ein herausragender Flötenspieler, sondern ebenso Komponist. Zudem hat er den Flötenbau revolutioniert. Seine Bauart samt dem von ihm erfundenen Griffsystem ist bis heute die wesentliche bei der Herstellung von Flöten.

Im zweiten Teil des Programms gab es ein weiteres Stück von Mozart, das Divertimento in D-Dur. Abschließend ließen die Musiker die Sinfonie Nr. 49 in f-Moll „La Passione“ von Joseph Haydn (1732 – 1809) erklingen, für deren Aufführung es minutenlangen Beifall gab.