Süße Träume am Sonntagabend

Die Sax’n bei ihrem jüngsten Auftritt in Kitzen.

Der Stoff, aus dem Träume sind. „Wir haben zum Auftakt unser Lieblingsstück gewählt“, sagte Sopransaxofonistin Alexandra Michaelis. Und das war „Sweet Dreams“ – Süße Träume. Die Entstehungsgeschichte des Songs ist es womöglich, die dazu geführt hat. Das britische Popduo „Eurythmics“ hat Anfang der 1980er Jahre damit die Chartlisten gestürmt. Annie Lennox soll gerade ihrem Partner David Stewart das Ende ihrer Beziehung verkündet haben. Und so etwas verarbeitet jeder anderes. Die beiden haben unter dem Eindruck eben „Sweet Dreams“ produziert – wie sich bei Wikipedia nachlesen lässt.

Von da an ging es am Schlag auf Schlag mit bekannten Songs der Rock- und Pop-Geschichte und der Kinohistorie, die mit vier Saxofonen und einem Schlagzeug in die wunderbare Akustik der Kitzener Kirche geblasen wurden. Alexandra Michaelis (Sopransaxofon), Luci Lux (Tenorsaxofon), Corinna Stieler (Baritonsaxofon), Isabell Rose (Altsaxofon) sowie René Scipio (Percussion) bereiteten den 150 Besucherinnen und Besuchern in der Kirche ein riesiges Vergnügen. Apropos René Scipio – der Schlagzeuger und bei verschiedenen Titeln auch der Arrangeur des Quintetts – ließ sich auch von einem Fußbruch nicht davon abbringen, die Saxofonistinnen zu begleiten. „Ich muss zwar ein wenig improvisieren, aber ich wollte die vier nicht hängen lassen“, sagte er.

Isabell Rose und Corinna Stieler – bei der Musik aus „Die glorreichen Sieben“ mit Westernhut.

Zumal „wir sehr gern nach Kitzen kommen“, erklärte Scipio, wenn er denn doch vom Schlagzeug im Hintergrund zur Moderation ganz nach vorn humpelte. „Das dauert zwar ein bisschen, aber ihr könnte die Zeit ja mit Applaus überbrücken.“ Den gab das Publikum bereitwillig von sich. Ohnehin wurde jeder einzelne Titel ausgiebig beklatscht.

Luci Lux und Alexandra Michaelis.

„Lady Marmalade“ zum Beispiel, jener Song mit dem die Girl-Group „Labelle“ 1975 einen Welthit feierte. Die Sax’n spielten ihn allerdings in der Version aus dem 2001 entstandenen Film „Moulin Rouge“, die damals von den Stars Christina Aguilera, Lil’ Kim, Mýa und Pink interpretiert wurde und erneut zum Welterfolg mutierte. Auch wenn genau dieser Titel bereits vor zwei Jahren beim hiesigen Auftritt der Saxofonistinnen erklang, den Konzertbesucher war das beim aktuellen Auftritt am 21. Juni 2026 egal, weil er eben auch im Sax’n-Sound hervorragend klingt.

Zumindest fürs Kitzener Publikum war die mittlerweile 66 Jahre alte Titelmusik aus dem Western „Die glorreichen Sieben“ neu. Wer diesen Klassiker noch einigermaßen vor Augen hatte, sah zur Musik von Elmer Bernstein die Helden Yul Brunner, Steve McQueen, Charles Bronson, Horst Buchholz und Co. noch einmal ins mexikanische Dorf einreiten, um seinen Bewohnern gegen eine böse Bande beizustehen.

Trotz lädierten Fußes am Schlagzeug: René Scipio.

Ebenso wunderbar zeigten sich die Sax’n bei der Interpretation der „Bohemian Rhapsody“, die in der Mitte der 1970er Jahre der erste Nummer-eins-Hit von „Queen“ war und an deren unvergessenen Frontmann Freddie Mercury erinnert. Ist es eigentlich schwierig, einen solchen Titel für vier Saxofone zu arrangieren? Scipio, der neben seiner Tätigkeit als musikalischer Leiter der Sax’n und Arrangeur auch Solo-Schlagzeuger der Leipziger Oper ist, schüttelt den Kopf. „Bei solchen Ausnahmebands wie Queen ist musikalisch alles vorhanden, was man für ein solches Arrangement braucht.“ Das habe ihn vielleicht eine Stunde Arbeitszeit gekostet.

Das begeisterte Publikum geizte nicht mit Beifall für die Sax’n.

Zwei Stunden lang bliesen die vier Saxofonistinnen, was die Lungen hergaben. Nach dem Programm und zwei Zugaben waren die Musikerinnen geschafft. Allen voran Corinna Stieler, die mit ihrem Baritonsaxofon gleich gute acht Kilogramm an Hals und Armen hängen hat. „Aber ich liebe dieses Instrument“, sagte sie nach dem Konzert.

Übrigens gab es wie bereits bei den vorangegangenen Auftritten ein Versprechen: „Wir kommen wieder!“ Der Plan ist, es 2028 zu tun.