Bundesweites Aufsehen

Ingrid Riedel (r.) begrüßte die Gäste und gab ihnen einen Überblick zur Sanierung der Kirche und zur Arbeit des Fördervereins.

350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Landesämtern für Denkmalpflege aus dem gesamten Bundesgebiet haben am Wochenbeginn in Leipzig getagt. Am Dienstag machten sie sich in zwölf Gruppen auf den Weg zu diversen Denkmalen in der Region. Rund 40 von ihnen kamen am 9. Juni nach Kitzen, um die sanierte Kirche Sankt Nikolai in Augenschein zu nehmen.

Die Vorsitzende des Fördervereins der Kirche Sankt Nikolai Ingrid Riedel berichtete über die anderthalb Jahrzehnte der Sanierung der Kirche ebenso wie über das dafür in die Waagschale geworfene bürgerschaftliche Engagement sowie die Vielfalt der kulturellen Veranstaltungen, die seit 2009 angeboten werden. Ausdrücklich hob Riedel die Zusammenarbeit mit dem sächsischen Landesamt für Denkmalpflege hervor, auch wenn im Verlauf der Erneuerung des Gebäude manches strittig gewesen und vieles diskutiert worden sei. „Ich bin im Nachhinein froh über diese Zusammenarbeit und die Beratung der Denkmalpfleger“, sagte sie.

Stefan Reuther (r.) berichtete über die positiven Erfahrungen, die die Denkmalpfleger bei der Zusammenarbeit mit dem Verein gemacht haben.

Stefan Reuther vom Landesamt gab das Kompliment zurück. Man kenne sich mittlerweile seit 15 Jahren und habe gut zusammengearbeitet, betonte er. Reuther verwies darauf, dass auch die Denkmalpfleger in dieser Zeit und am Beispiel von Sankt Nikolai viel dazugelernt haben. „Wir haben zum Beispiel gemeinsam mit der Restauratorin viel experimentiert, was uns allen neue Erkenntnisse gebracht hat.“

Solche Treffen der Denkmalpfleger verbunden mit einem umfangreichen Erfahrungsaustausch gebe es einmal im Jahr, organisiert von der Vereinigung der Landesdenkmalämter, sagte Tom Pfefferkorn, der während seiner Tätigkeit im sächsischen Amt ebenfalls das Kitzener Projekt begleitet hat.

Reuther, Pfefferkorn und Riedel mussten währen der knapp zweistündigen Visite viele Fragen beantworten: von Farbgebung über die Art der Fassadengestaltung und Trockenlegung bis hin zum Umfang des Austausches von Bauelementen im Dachstuhl. Reuther zeigte den Gästen zudem, dass bei den Sanierungsarbeiten manches entdeckt wurde.

Das Tympanon am Nordportal, an dem jahrhundertealte Malerei entdeckt wurde.

Einen besonderen Aha-Effekt gab es bei den Teilnehmern der Exkursion am Nordportal der Kirche. Reuther zeigte ihnen das Tympanon, das Bogenfeld, am Portal. „Dort haben wir bei der Restaurierung Reste einer hunderte Jahre alten Malerei entdeckt. Im UV-Licht konnte man sichtbar machen, dass es sich um eine Majestas Domini handelt.“ Das lateinische „Majestas Domini“ steht für „Herrlichkeit des Herrn“ und war seit dem Mittelalter ein beliebtes Motiv, Jesus Christus segnend auf einem Thron zu zeigen. Reuther: „Es handelt sich um eine der ältesten Malereien in Sachsen.“ Dass in dem Fall kein UV-Licht zur Hand war, störte die Gäste nicht im Geringsten. Sie begeisterten sich anhand einiger weniger bei Normallicht zu sehender Farbreste.

Begeistert hielten die Teilnehmer der Exkursion Details fest, die im Zuge der Sanierung entdeckt wurden wie diese Malereien im Bereich des Altarraums.