Die Old Fair City Stompers bei ihrem diesjährigen Auftritt in der Kirche Kitzen.
Was für ein tolles Konzert der OLD FAIR CITY STOMPERS! Die ganze Kirche hat mitgeswingt, man könnet auch sagen, die Kirche hat gebebt. Am letzten Juni-Sonntag war die Leipziger Dixielandformation zu Gast beim Kultursonntag des Fördervereins für die Kirche Kitzen. Natürlich war es diesmal etwas lauter, kein Wunder bei diesen Instrumenten. Zirka 90 Gäste durften zwei Stunden lang diese Gute-Laune-Musik genießen. Die Band hat sich etwas verjüngt und die Bandbreite ihrer Titel hat sich etwas erweitert. Sie reicht von der Musik der 1930er Jahren bis in die Neuzeit. Jazz, Blues, Swing, alles war dabei. Dieses Konzert ist kaum noch zu toppen. Zum Schluss waren alle glücklich, die Besucher und auch die Bandmitglieder. Das Publikum ist richtig mitgegangen und das haben die Musiker natürlich auch gespürt. Wir möchten diese Dixielandband bald wieder bei uns haben und dann wenn möglich im Pfarrhof an einem lauen Sommerabend. Beim Auftritt der Stompers war man froh war, die Kühle in der Kirche zu spüren. Außerhalb der Mauern war es vor Hitze kaum auszuhalten. (Fotos und Text: Karin Weigenand)
Wieder gab es einen wunderbaren Auftritt des Leipziger Symphonieorchesters in der Kitzener Kirche.
Am Schluss gab es stehend Beifall. Die mehr als 70 Besucher in der Kitzener Kirche Sankt Nikolai waren begeistert vom Auftritt des Leipziger Symphonieorchesters (LSO) am Freitag, dem 16. Mai 2025. Die Veranstaltung des eigentlich Kultursonntag heißenden Programms des Fördervereins musste aus terminlichen Gründen auf einen Freitagabend verlegt werden. Aber beide Seiten, Verein wie Orchester, wollten den Auftritt des Klangkörpers auch in diesem Jahr. Und so kamen die Musikerinnen und Musiker eben an einem Freitagabend nach Kitzen. Durchaus eine Herausforderung für das Orchesters, war es an dem Tag doch bereits der zweite Auftritt.
Robbert van Steijn dirigierte bei dem Konzert.
Wie im vorigen Jahr stand das Konzert unter dem Motto „Wiener Klassik“, aber die ist schier unerschöpflich. Mit der Sinfonie Nr. 30 C-Dur und dem Konzert für Violoncello und Orchester C-Dur (Alleluja) von Joseph Haydn sowie der Sinfonie Nr. 29 A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart bescherte das LSO dem Kitzener Publikum Neues gegenüber dem vorjährigen Auftritt und einen beschwingten Frühlingsabend. Dirigent Robbert van Steijn führte die Musikerinnen und Musiker zur Höchstleistung, was bei den Besuchern mit viel Beifall honoriert wurde.
Matthias Gagelmann spielte einen fantastischen Part.
Herausragend war der Auftritt von Cellist Matthias Gagelmann im Konzert für Violoncello und Orchester. Gagelmann spielte den Solopart mit traumwandlerischer Sicherheit, was die Zuhörer zu Beifallstürmen hinriss. Das Besondere dieses Konzerts ist, dass es eins von nur zwei Konzerten für Violoncello und Orchester ist, die tatsächlich Haydn zuzuschreiben sind. Wie die Sinfonie Nr. 30 entstand es in der ersten Hälfte der 1760er Jahre. 200 Jahre galt es als verschollen, ehe es laut Wikipedia ein Musikforscher 1961 im Prager Nationalmuseum entdeckte. Hat man das Konzert gehört, ahnt man auch als musikalischer Laie, dass das ein herausragender Fund für die Musikwelt war.
Am Ende wurde stehend Beifall gespendet.
Gagelmann hat seit mehr als 30 Jahren ein Engagement beim LSO, spielt aber auch mit vielen anderen Klangkörpern zusammen. Aus der schwäbischen Provinz stammend führte in sein Weg über das kanadische Toronto, wo er auch einen Teil seines Musikstudiums absolvierte, in den Leipziger Raum. Wie er selbst über sich auf den Internetseiten des LSO schreibt, bekam seine Frau 1992 ein Engagement an der Chemnitzer Oper, was für das Paar mit drei Kindern ausschlaggebend gewesen sei, Sachsen zum Lebens-Mittelpunkt zu machen.
Gespräche am Rande unterm Zeltdach.
Am Rande gab es vor dem Konzert, in der Pause und nach dem letzten verklungenen Ton Gelegenheit zum geselligen Beisammensein und Gesprächen zwischen den Musikfreunden, trotz kühler Temperaturen und ein paar Regentropfen. Mitglieder des Fördervereins hatten Leinwandpavillons aufgebaut, den Grill angeheizt und einen Getränkeausschank eröffnet. Das gab den Besuchern die Möglichkeit zu einem begeisterten Austausch über die soeben gehörten drei Musikstücke. Orchester und Besucher gingen im Übrigen in der Gewissheit auseinander, dass das Leipziger Symphonieorchester auch im nächsten Jahr wieder einen Stopp in Kitzen einlegen wird.
Vereinsmitglieder bereiteten den Besuchern ….… das Drumherum für einen entspannten Abend.
Carolin Fischer und Enrico Wirth alias Fräulein Fischer und Sven in der Pension zur schwäbischen Jungfrau.
Achtung! Mitdenken! Das ist nun mal beim Kabarettprogramm so. Erst recht, wenn man als Sachse etwas geschwäbelt bekommt. Aber wenigsten sollte man wissen, dass ein hiesiges Haus im Schwäbischen ein Häusle ist. Dann geht der Witz so: Was ist in Schwaben ein kleines, um Hilfe schreiendes Schwein?
Antwort: A Notrufsäule!
Muss man es jetzt noch erklären? Vermutlich nicht, denn die mehr als 120 Besucherinnen und Besucher in der rappelvollen Kitzener Kirche am Sonntag, 27. April, haben es schließlich auch verstanden.
Fräulein Fischer hat am Telefon allerhand zu tun.
Aber warum wird beim Kultursonntag des Fördervereins der Kirche Sankt Nikolai Kitzen plötzlich nicht nur gesächselt, sondern auch geschwäbelt? Weil es Carolin Fischer und Enrico Wirth bei ihrem Programm so wollen. Was sich die Kabarettistin mit Academixer-Vergangenheit ausgedacht hat und für rund 90 Minuten auf die Bühne bringt, heißt: Die Pension zur schwäbischen Jungfrau.
Frau Sturm und Sven.
Allerdings steht die nach der „Flucht“ der Inhaberin aus ihrer schwäbischen Heimat im sächsischen Ottendorf-Okrilla. Im „schönen Ottendorf-Okrilla“ wie Carolin Fischer alias Fräulein Fischer immer wieder betont, wenn sie sich am Rezeptions-Telefon ihrer Pension meldet. Das klingelt vier-, fünfmal, was Fräulein Fischer dazu veranlasst, vielsagend zum Pianisten Sven (Enrico Wirth) zu schauen und zu bemerken, dass „heute ganz schön was los ist“.
Sven soll als Pianist für Unterhaltung in der Pension sorgen. Die hat auch tatsächlich einen Gast, einen Dauergast, nämlich Frau Sturm, in die sich Fräulein Fischer verwandelt, indem sie sich einen Hut aufstülpt und eine Stola umwirft. Frau Sturm ist, wen wunderts, ebenso urkomisch wie Fräulein Fischer. Und Frau Sturm geht auf Kreuzfahrt, um am Nordkap die Asche ihres dahingeschiedenen Gatten in den Wind zu pusten. Dafür teilt sie die Asche in drei Häufchen und pustet sie zu entsprechenden Kommentaren an den Dahingeschiedenen in den Wind. Vor allem der dritte hat es in sich. „40 Jahre wolltest du, dass ich dir einen blase“, spricht sie. Jetzt sei es soweit und sie bläst das dritte Häufchen davon.
Ja, es geht auch ein wenig schlüpfrig zu in der Pension zur schwäbischen Jungfrau, ohne aber zotig zu werden. Das trifft auch auf die Einlagen von Enrico Wirth zu, wenn er als Sven zum Beispiel das Liedchen singt, in dem er sinniert, ob es in sei, sich den Sack zu rasieren und wie man dabei aufpassen müsse.
Volles Haus am Kultursonntag.
Apropos Sven. Ihn hat Fräulein Fischer aufgelesen. „Den hatten sie während der Corona-Pandemie ausgesetzt“, sagt sie. Und gefunden hat sie ihn an der Autobahnraststätte Dresdner Tor an der A 14 und als mitleidige Seele mit ins schöne Ottendorf-Okrilla genommen. Damit er die Gäste unterhalte. Was er natürlich fleißig tut, zumindest in Bezug auf das Auditorium, das sich allenthalben ausschüttet vor Lachen.
Enrico Wirth – seine kabarettistischen Lieder hatten es in sich.
Nicht alles dreht sich ausschließlich um die Pension. Es geht auch ums Leben an sich. Natürlich witzig. Wie hört sich der Hochzeitsantrag eines schwäbischen Bauern an? „Dasch is mei Hof, dasch is mei Vieh, dasch is mei Mutter. Überlegsch dirsch halt!“ Kommt natürlich viel komischer rum, wenn es Fräulein Fischer erzählt.
Die Mutter von Perschilbär.
Ach ja, kurz zu Besuch im Programm ist auch noch die Mutter von Perschilbär. Zumindest nennt sich der Dreijährige so, als ihn die Kindergärtnerin als Neuankömmling nach seinem Namen fragt. Wie, was, nie gehört. Die Mutter, in die sich Carolin Fischer per wasserstoff-blonder Perücke verwandelt, klärt das schließlich auf. Der Kleine heiße Pierre-Gilbert, natürlich französisch gesprochen. Perschilbär eben.
Am Ende gehst du raus aus dem Programm mit ein wenig Schmerzen, nämlich im Zwerchfell vom Lachen. Übrigens, dass die Pension noch nicht so richtig läuft, findet Fräulein Fischer nicht tragisch. „Ich bin schließlich erst drei Jahre am Markt“, sagt sie. Was für Carolin Fischer viel wichtiger sein dürfte, dass es beim Publikum wie geschmiert lief.
Extra Glückwünsche gab es von der Vereinsvorsitzenden Ingrid Riedel (r.) für Beate Reutter zum Geburtstag. Beate Reutter organisiert die Programme und trifft die Absprachen mit den Künstlern.
„Guten Abend, schön Abend, es weihnachtet schon …“ Mit diesem Lied und der damit verbundenen Einladung an dieser oder jener Stelle mitzusingen, hatte der Gemischte Chor Neukieritzsch das Publikum sofort auf seine Seite gebracht und den perfekten Einstieg in das traditionelle Adventskonzert des Fördervereins der Kirche Sankt Nikolai Kitzen gefunden. Zum zweiten Mal nacheinander bestritt dieser Chor aus dem nur 20 Autominuten entfernten Ort das stets am ersten Advent stattfindende letzte Konzert des Kitzener Kulturjahres – dieses Jahr unter dem Programmtitel „Advent ist ein Leuchten“. Und wie schon im vorigen Jahr wollten sich viele Menschen den besinnlichen Nachmittag nicht entgehen lassen. Rund 100 Besucherinnen und Besucher waren am ersten Adventssonntag gekommen, um erst Kuchen, Kaffee und Glühwein zu naschen und sich anschließend an weihnachtlichen Melodien zu erfreuen.
Der Neukieritzscher Chor beim Auftritt am ersten Advent.
Unter der Leitung von Viktor Vetter, der als Pianist sowie früherer Kantor und nun im Ruhestand als Chorleiter sein Leben der Musik gewidmet hat, boten 31 Sängerinnen und Sänger ein gut gemischtes Programm. Das reichte von bekannten und in vielen Familien gesungenen Melodien wie dem Eröffnungslied bis hin zu Liedern, die seit Jahrhunderten in der Weihnachtszeit in den Kirchen erklingen. Dabei blieb der Chor nicht im deutschsprachigen Raum. So erklangen Lieder aus Frankreich, Spanien, Schweden und England. 31 Melodien ganz unterschiedlicher Art erklangen, meist vom gesamten Chor dargeboten, mal nur von der Männergruppe oder der Frauengruppe interpretiert oder als Instrumentalstück mit Flöte, Gitarre und Akkordeon gespielt. Hier noch ein kleines Video vom Adventskonzert, das Karin Weigenand zusammengestellt hat.
Viktor Vetter leitet den Chor.
Die Besucher bedankten sich für den Auftritt mit viel Applaus, erklatschten sich auch noch eine Zugabe. Der Förderverein hatte noch für jedes Chormitglied ein kleine Überraschung parat. Es gab je ein Beutelchen mit Plätzchen, die die Mitglieder der Landfrauengruppe gebacken hatten. Schließlich bedankte sich die Vorsitzende des Fördervereins Ingrid Riedel am Ende des Jahres bei allen ehrenamtlichen Helfern, die zum Gelingen der Veranstaltungen beitragen.
Die Instrumentalgruppe des Chors.
Das sind zahlreichen Frauen und Männern um Gerlinde Wippert, die Kaffee kochen, Kuchen verkaufen, Geschirr spülen und Kirche sowie Pfarrscheune wieder blitzsauber machen, die für den Ausschank von Wein und anderen Getränken sorgen, Tische und Stühle aufstellen und wieder wegräumen und die Bühne in der Kirche auf- und abbauen. Speziellen Dank richtete Ingrid Riedel auch an die viele Kitzenerinnen, die für die Veranstaltungsnachmittage Kuchen backen. „Auf diese Weise tragen sie im Jahr zu einem Erlös von rund 4000 Euro ein“, sagte die Vereinsvorsitzende, der wiederum in den Etat des Vereins einfließt, aus dem die notwenigen Eigenanteile für die Finanzierung der Sanierung kommen, ohne die der Verein keine Fördermittel beanspruchen könnte.
Isabell Gärtner moderierte das Programm.Einen großen Korb mit Plätzchen brachte Viktor Johannsen, worin sich für jedes Chormitglied ein Beutelchen befand.Setzten auch diesen Auftritt in der Kirche ins rechte Licht: Ralf Pappert und Thomas Glück.
Circle of Life, der Kreislauf des Lebens, der ewige Kreis – der Titel, den Jens Theilig seinem musikalischen Gastspiel am Sonntag, dem 27. Oktober 2024, gab, war auch Programm. Leben, Liebe und Abschiede besang der Tenor aus Crimmitschau in fast drei Stunden (abzüglich kleiner Pause) in der Kitzener Kirche. Nach seinem Auftritt im August 2022, den kaum drei Dutzend Besucher damals im Pfarrhof unter freiem Himmel begeistert miterlebten, lockte er im zweiten Anlauf rund 100 Gäste zum sonntäglichen Konzert des Fördervereins in die Kirche. Was er zu bieten hat, schien sich mittlerweile herumgesprochen zu haben. Denn kaum ein Platz auf den Bänken und Stühlen im Kirchenraum blieb leer.
Das Publikum geizte nicht mit Applaus.
Der Sänger brillierte wiederum. Besonders bei zwei Songs („Stars“ und „I dreamt a dream“) aus dem Musical Les Misérables von Claude-Michel Schönberg ließ er seiner Stimme freien Lauf, was für große Begeisterung im Publikum sorgte. Das hatte er aber schon von Anfang an auf seiner Seite, als er mit Elton Johns „Circle of Life“ aus dem Musical „König der Löwen“ startete. Das Besondere daran, Jens Theilig wurde nie zu Elton John, sondern blieb wie auch in den andere Songs immer Jens Theilig. Ganz gleich, ob er von Electra „Nie zuvor“ sang oder von Karat „Über sieben Brücken“ und „Schwanenkönig“, er wurde weder zu Manuel von Senden noch zu Herbert Dreilich, die in den 1980er Jahren die Sänger der Bands waren.
Theilig ließ sich zusammen mit seinem Publikum durch ein breites musikalisches Spektrum ganz unterschiedlicher Sänger treiben: Louis Armstrong und „What a wonderful world“; Udo Jürgens und „Ich war noch niemals in New York“; Leonard Cohen und „Halleluja“; Elvis Presley und „Falling in Love“; Schandmaul und „Willst du“; Andreas Burani und „Ultraleicht“; Tom Beck und „Pinguine“ und noch viel mehr. Alles berührende Lieder eben über das Leben, die Liebe und die Abschiede, wie sie sich im ewigen Kreislauf wiederfinden.
Einen umfangreichen Teil seines Programms widmete er den Liedern des Österreichers Rainhard Fendrich. Er habe sich in den letzten Jahren sehr mit dessen Musik beschäftigt und „ich habe wunderbare Songs gefunden“, sagte er auf die Frage, woher die Begeisterung für Fendrich denn komme. Fendrich mache eben nicht nur Musik, sondern habe in seinen Texten auch etwas zu sagen, was außerdem perfekt ins programmatische Spektrum des Konzerttitels passte: „Papa“ und „Großvater“, „Der Rattenfänger“ oder „Der Engel“, „Mein Horizont“ und „Du bist schön“ oder „Die Rosen“. Auch wenn Theilig das ein oder andere Lied in österreichischer Mundart sang, blieben Fendrichs Texte wie bei den hochdeutsche Varianten verständlich und aussagekräftig.
Musikalisches Amen von der Kanzel.
So nebenbei erfüllte sich Jens Theilig offenbar noch einen Wunsch: einmal von der Kanzel zu singen. Mit „Amen“ hatte er dazu auch einen passenden Titel zur Hand, der auf Gospel-Music zurückgeht und logischerweise zu den vielgesungenen religiösen Liedern der christlichen Welt gehört. Wie übrigens auch „Amazing Grace“ (Wunderbare Gnade) vom geläuterten Sklavenschiff-Kapitän John Newton (1725 bis 1807), der nach Seenot seines Schiffs im Sturm später Geistlicher wurde, den Sklavenhandel bekämpfte und eben dieses Lied schrieb.
Zum Abschied überreichte Ingrid Riedel, Vorsitzende des Fördervereins, noch ein kleines Präsent.
Jens Theilig verabschiedete sich vom Kitzener Publikum mit der Zugabe „Power of love“ von Frankie goes to Hollywood und dem Versprechen, 2026 wiederzukommen. Darauf kann man sich jetzt schon freuen.
Die vom Förderverein der Kirche Sankt Nikolai in Kitzen organisierten Konzerte fanden und finden gerade in diesem Jahr viele neue Gäste. Offenbar spricht es sich herum, dass es in Kitzen gute Angebote gibt. „Es war ein wunderschönes Konzert mit Jens. Wir waren das erste Mal dabei“, schreibt Gerard Möllmer in einer E-Mail. Zudem lobt er das Kuchen- und Kaffeeangebot. „Wir werden auf jeden Fall im nächste Jahr wieder in die wunderschöne Kirche kommen.“
Das ist gerade noch einmal gut gegangen, zumindest für Fans der Musik von Neil Young. Weil man den im nächsten Jahr 80 Jahre alt werdenden Kanadier nicht immer und überall im Konzert erleben kann, finden Musiker und Bands, die die Songs von Young covern, überall ihr Publikum, zuletzt am 25. August auch in den Kitzener Kirche. Stefan Keil interpretierte zusammen mit Una fast zweieinhalb Stunden lang (mit kleiner Pause) Songs von Neil Young und begeisterte rund 130 Gäste.
Stefan Keil
Dabei hätte es für Stefan Keil auch ganz anders kommen können. „Ein Onkel von mir ist Bernd Ulrich, der zusammen mit seinem Bruder die Amigos bildet. Er hat mir angeboten, eben bei den Amigos mitzuspielen“, sagte Keil im Pausengespräch beim Kitzener Konzert. Nichts zu sagen gegen die volkstümlichen Schlager der Amigos, die genauso ihre Fans haben und finden, aber für Neil-Young-Interpretationen wäre eine herausragende Stimme verloren gegangen.
Im Grunge-Stil an der E-Gitarre
Stefan Keil, Jahrgang 1970, hat bereits als Kind zusammen mit Vater und Schwester musiziert, dann in einer Band gespielt und in den 1990er Jahren die Musik von Neil Young für sich entdeckt. Wie er sie interpretiert, ist hörens- und sehenswert. Googelt man seinen Namen, dann tauchen im Internet Texte auf, die Keil als eine der besten Neil-Young-Stimmen in Europa bezeichnen. „Vom Neil-Young-Fanclub Deutschland habe ich vor einigen Jahren eine E-Mail bekommen. Du bist Deutschlands beste Neil-Young-Stimme, stand darin.“ Er habe das damals gar nicht so ernst genommen. Aber bei einem Konzert in Ulm wenig später sei jenes Fanclub-Mitglied zu ihm gekommen und habe ihn gefragt, warum er auf die Mail nie geantwortet habe. „Ich konnte ihm nur sagen, dass ich das damals als Fake eingeordnet habe. Aber nach der neuerlichen Bestätigung, habe ich mich noch nachträglich über das Feedback gefreut.“
Begeisterter Beifall im vollen Haus
Die Titel, die Keil und Una ausgesucht haben, waren ein schöner Querschnitt vom Schaffen des großen Vorbildes. Like A Hurrican, Heart Of Gold, Mother Earth, Old Man, Rockin` In The Free World und viele andere fanden ebenso Anklang wie vielleicht etwas unbekanntere Titel wie California Sunset oder This Old House. Was Keils Auftritt stimmig machte, war nicht nur der Gesang, sondern auch sein Instrumentenspiel, egal ob mit der Akustik-Gitarre oder der elektrischen (im Stil des unter anderem von Neil Young perfekt interpretierten Grunge) sowie am E-Bass.
Una ist die Background-Stimme und kennt viele Geschichten über Neil Young
Zwischen den Songs erzählte Una, die sich intensiv mit der Biografie Neil Youngs und seinen Konzerten beschäftigt hat und die Background Stimme bildet, fast zu jedem Titel eine Geschichte, die den Kanadier dem Publikum näher brachte. Beispielsweise jene von einer Zugabe Neil Youngs bei einem Live-Auftritt auf der Berliner Waldbühne, wo er eine dreißigminütige Gala-Version von Like A Hurrican gab, die der Berliner Tagespiegel damals vor elf Jahren als magisch beschrieben hat. Keil gab seine eigenen zehnminütige Version zum Besten, die die Besucherinnen und Besucher förmlich von den Sitzen riss.
Und über allem schwebte noch ein Musiker, der offenbar großen Anteil an der Entwicklung des Young-Interpreten Stefan Keil hatte. Gitarrist und Bassist Peter Müller (1959 – 2016) war langjähriger musikalischer Begleiter, Freund und Mentor für Keil. Bis heute gehören zahlreiche Einspiele von Peter Müller mit Gitarre und Bass zum musikalischen Hintergrund der Auftritte. „Peter Müller ist auch nach seinem Tod weiter unsere Band“, sagte Una. Letztlich stand das Publikum und klatschte begeistert, rief nach Zugaben, die Stefan Keil gerne gab. Unter anderem mit Pocahontas und The Needle And The Damage Done. Die zweieinhalb Stunden vergingen wie im Flug. Und während das Publikum nach Hause ging, noch immer den Hurrican im Kopf, packten Stefan und Una ihren kleinen Tourbus, um zum nächsten Konzert Richtung Ostseeküste aufzubrechen. Vielleicht führt sie der Weg irgendwann noch einmal zurück nach Kitzen.
Am Schluss hielt es niemanden mehr auf seinem PlatzStefan und Una verabschieden sich, vielleicht bis zu einem nächsten MalWahre Fans von Neil Young zeigen das auch
Isabell Rose, Corinna Stieler, Luci Lux und Alexandra Michaelis (v.l.) – das sind Die Sax´n
Es gibt Sachen, von denen kann man einfach nicht genug bekommen. Auch wenn die Saxofonistinnen des Ensembles „Die Sax´n“ bereits zweimal während der vergangenen Jahre in Kitzen zu Gast waren, sprengten sie dieses Mal fast die Möglichkeiten des Fördervereins in Bezug auf die maximale Besucherzahl. Nahezu 200 Musikfreunde wollten sich den Auftritt der vier Damen mit ihren Blasinstrumenten nicht entgehen lassen. So viel Andrang gab es noch nie bei einem Konzert des Fördervereins. Für die Organisatoren bedeutete das, jede Menge zusätzliche Stühle herbeizuschaffen, um allen Interessenten Platz zu gewähren.
Bis in den kleinsten Winkel standen die Stühle für die zahlreichen Besucher.
Und der Andrang war mehr als berechtigt, denn zu schön war einfach, was Alexandra Michaelis (Sopransaxofon), Luci Lux (Tenorsaxofon), Corinna Stieler (Baritonsaxofon), Isabell Rose (Altsaxofon) sowie René Scipio (Moderation und Percussion) zu bieten hatten. Filmmusiken waren dieses Mal angesagt und das Enseble spannte einen weiten Bogen über die zurückliegenden 60 Jahre Filmmusikgeschichte, angefangen mit „Frühstück bei Tiffany“ von 1962 über „Dirty Dancing“ aus dem Jahre 1987 bis hin zu „Moulin Rouge“ von 2001.
René Scipio führte launig durchs Programm und sorgte am Schlagzeug für zusätzlichen Rhythmus.
Mit der Titelmusik aus „Mission Impossible“ schlichen sich die vier Saxofonistinnen nach und nach auf die Bühne, heizten immer mehr ein und versetzten das Publikum gut zwei Stunden lang in Entzücken, um es mit einem furiosen „Always look on the bright side of life“ von Monty Python als dritte Zugabe aus dem Konzert zu entlassen. Dazwischen gab es jede Menge Klassiker wie „Time of my life“ aus Dirty Dancing mit dem unvergessene Patrick Swayze. Wer bei dem Stück die Augen zugemacht hat, konnte ihn glatt noch einmal mit Jennifer Grey tanzen sehen.
Applaus ohne Ende gab es am Schluss der Vorstellung, die erst nach drei Zugaben ihr Finale hatte.
Großartig auch die Interpretation von „Lady Marmelade“. Der Titel sorgte schon 1974 in der Originalversion der Girlband Labelle für Furore und wurde 2001 im Film „Moulin Rouge“ in einer Interpretation mit Christina Aguilera, Lil´Kim, Mýa und Pink erneut zu einem großen Erfolg. Wie bei nahezu allen Stücken ging ein Raunen der Wiedererkennung auch bei der Ankündigung von „Love and Marriage“ durch die Zuschauerreihen, kann sich doch beinahe jeder an den kultigen Damenschuhverkäufer Al Bundy und seinen Familie aus der mehr als 250 Folgen umfassenden US-Sitcom-Serie „Eine schrecklich nette Familie“ erinnern. Nur bei der Frage von René Scipio, wer denn die Originalversion der Titelmusik gesungen hat, stutzte mach Besucher. Frank Sinatra war es. Dass Die Sax´n in Kitzehn auftreten, sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, die Ensemblemitglieder sind bereit dazu und das Publikum zeigte mit seinem Beifalls nachdrücklich, dass es für den vierten Auftritt bereit ist.
Ohne sie geht gar nichts: Die Schar der freiwilligen Helfer.
All das wäre nicht möglich, würde es nicht die große Schar an freiwilligen Helfern geben, die sozusagen hinter den Kulissen und im Umfeld für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltungen sorgen. Sie machen den Einlass, platzieren die Besucher, sorgen für die Beleuchtung, stehen am Getränkeausschank, verkaufen Kaffee und den von vielen Kitzenrinnen gebackenen und gespendeten Kuchen, schleppen Stühle herbei, waschen das ganze Geschirr ab und machen zum Schluss alles wieder blitzblank sauber! Danke!
Das Leipziger Symphonie Orchester in der Kitzener Kirche.
Das Leipziger Symphonie Orchester (LSO) hat wieder gehalten, was es verspricht: nämlich sein Publikum zu begeistern. Am 15. Juni bot es in der Kirche Sankt Nikolai unter dem Dirigat von Robbert van Steijn Wiener Klassik. Van Steijn hatte Musik von Wolfgang Amadeus Mozert, Ludwig van Beethoven und Joseph Haydn ausgewählt, um die Gäste zu verzaubern. Bei den Beethovschen Romanzen für Violine und Orchester in G-Dur und F-Dur gelang es Denis Loznykov als Solist mit der Geige, zwei besondere Glanzpunkte zu setzen.
Denis Loznykow brillierte als Solist. (Fotos Karin Weigenand)
Der Leipziger Kammerchor beim Konzert in der Kitzener Kirche.
Wem Gott will rechte Gunst erweisen, Den schickt er in die weite Welt, Dem will er seine Wunder weisen In Berg und Wald und Strom und Feld
Die Trägen die zu Hause liegen, Erquicket nicht das Morgenrot, Sie wissen nur von Kinderwiegen, Von Sorgen, Last und Not um Brot.
Beim gemeinsame Singen mit dem Publikum kam auch die Gitarre zum Einsatz.
Nun ja, ein Besuch in der Kirche Kitzen ist vielleicht noch nicht die weite Welt. Aber herauszukommen aus den eigenen vier Wänden, unter Menschen zu sein, an einem herrlichen Frühlingstag einem Frühlingskonzert zu lauschen, das ist schon ein wenig von dem, was der Dichter Joseph von Eichendorff (1788 – 1857) vor mehr als 200 Jahren meinte. In der Vertonung von Theodor Fröhlich (1803 – 1836) gehörte das Lied zum Programm des Kammerchors Leipzig, das er am Sonntag, dem 28. April 2024, in der Kitzener Kirche zu Gehör brachte. Rund 80 Besucher wollten sich das Konzert unter dem Motto „Nun will der Lenz uns grüßen“ nicht entgehen lassen. Und sie kamen offenbar auf ihre Kosten, wie der Beifall bis hin zum Erklatschen einer Zugabe zeigte.
Georg Mogwitz dirigierte das Konzert.
Unter der musikalischen Leitung von Georg Mogwitz boten die 25 Sängerinnen und Sänger zahlreiche bekannte Frühlingslieder die das Publikum wie bei „Wenn ich ein Vöglein wär“ oder „Komm, lieber Mai und mache“ mitsingen konnte. Zum Programm gehörten zudem Liedkompositionen von Joseph Haydn (1732 – 1809), Claudio Monteverdi (1567 – 1643) oder Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847) und anderen. Fast 90 Minuten lang unterhielt die Gruppe „Andate“ (eine von zwei Formationen des Leipziger Kammerchors) das Publikum mit ihrem Gesang sowie netten Rezitationen. Unter anderen mit dem Gedicht „Der Veilchenpflücker“ von Anna Löhn-Siegel (1830 – 1904, hier zum Nachlesen), was zu manchem herzhaften Lacher führte.
Gut besucht war das Konzert.
Vor Beginn des Konzerts konnte Ingrid Riedel, Vorsitzende des Förderverein der Kirche Sankt Nikolai Kitzen, einige angenehme Ausblicke für den Fortgang der Sanierung des Bauwerks verkünden. Wenig Tage vor der Veranstaltung erreichte den Verein die dringend erwartete Fördermittelzusage, um die Außensanierung des Turms ab Mai in Angriff nehmen zu können. Zudem ist von der Kirchengemeinde alles in die Wege geleitet, damit die Orgel voraussichtlich gegen Ende des Jahre 2024 wieder eingebaut werden kann. Übrigens veranstaltet die Gemeinde am 9. Mai, 9.30 Uhr, ab Pfarrhof einen Spendenlauf zugunsten der Orgelsanierung. Bei einer Startgebühr von 10 Euro wird gelaufen oder gewalkt (Erwachsene fünf Kilometer, Kinder bis 12 Jahre einen Kilometer). Meldungen für den Spendenlauf bitte an claudia-lange@freenet.de oder telefonisch unter 017622377288.
Leckere Kuchen, gebacken von zahlreichen Kitzenerinnen, boten Gerlinde Wippert (l.), Hilde Grewe (M.) und weitere ehrenamtliche Mitstreiterinnen an.
Der Saal im Kulturhaus war rappelvoll beim Vortrag über den Elsterfloßgraben.
Was geschieht mit dem Floßgraben, wenn im Tagebau Profen ab 2030 keine Kohle mehr gefördert und die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) dann auch kein beim Bergbau anfallendes Grundwasser bei Elstertrebnitz in den Floßgraben pumpen wird? Ob es im Vorfeld nun ausgerechnet diese Fragestellung war, die zu einem enormen Besucherandrang beim Vortrag des Vorsitzenden des Elsterfloßgraben-Vereins Frank Thiel gesorgt hat? Aber im Verlauf der Veranstaltung im Kitzener Kulturhaus zeigte sich am 24. März, dass es genau die Frage ist, um die es geht. Wer den Graben erhalten will, muss die Frage nach dem Wasser stellen. Und die ist bislang für die Zeit ab 2030 unbeantwortet.
Engagierter Streiter für den Erhalt des Floßgrabens: Vereinsvorsitzender Dr. Frank Thiel in der Kluft der Flößer und mit Flößerhaken.
Frank Thiel führte die rund 120 Besucher, für die extra noch Stühle aus den Räumen im Erdgeschoss nach oben in den Saal geholt werden mussten, im Laufe seines Vortrages in die Entstehungszeit des Floßgrabensystems im ausgehenden 16. Jahrhundert zurück. Gleichzeitig zeigte er auf, welchen Wert der Graben heute noch hat, auch wenn die Holzflößerei seit mehr als 150 Jahren Geschichte ist.
Ab 1578 wurden die 55 Kilometer des an der Wasseroberfläche drei Meter breiten Floßgrabens von Poserna bei Weißenfels beginnend, sozusagen bergauf, bis nach Pötewitz (Gemeinde Wetterzeube) an der Weißen Elster südwestlich von Zeitz inklusive Planung gebaut. Bis zu 400 Experten und 1500 Fronarbeiter waren laut Thiel daran beteiligt. Über diesen Graben mit Abzweigen bis nach Halle und Leipzig konnten die aus dem Vogtland via Weiße Elster ankommenden Holzscheite weiterbefördert werden. Eine ingenieurtechnische Leistung von beachtenswerter Güte. Was übrigens schon im 19. Jahrhundert erkannt wurde. Man solle den Floßgraben mehr achten, habe der Zeitzer Chronist Ernst Zergiebel gefordert, wie Thiel sagte.
Der seit 15 Jahren bestehende Elsterfloßgraben-Verein hat sich sozusagen den damaligen Aufruf anlässlich des 300. Jubiläums des Grabenbaus zu eigen gemacht. Ziele wäre es, anlässlich des 450. Jahrestages 2028/2030 sagen zu können, dass der Floßgraben gleich in drei Funktionen Zukunft hat: als Technisches Denkmal, als Naturschutzpfad und als Erholungsweg. Was es dazu braucht, ist die Bemühung, dass drei Bundesländer, vier Landkreise und neun Kommunen nicht nur ein Beknntnis zum Graben abgeben, sondern das Erhaltungsprojekt aktiv unterstützen. Die Mibrag habe sich dazu bekannt, den Weg des Floßgrabens auf den von ihr beanspruchten Flächen nach dem Ende der Kohleförderung wiederherzustellen, sagte Thiel. Auf anderen ehemaligen Bergbauflächen, wo heute die LMBV zuständig ist, habe man dieses Bekenntnis bislang nicht bekommen.
Verliert der Graben sein Wasser, hätte das Auswirkungen auf den Bestand des Kitzener Feuerlöschteichs, um mal ein lokales Beispiel zu nennen. Und was aus der Gehölzreihe entlang des Wasserlaufs etwa zwischen Werben und Kitzen wird, wäre dann auch ungewiss. Immerhin ist man sich dessen lokal durchaus bewusst. Thiel verwies darauf, dass Pegaus Bürgermeister Frank Rösel dem Verein Unterstützung zugesichert hat. Auch anderenorts gebe es Zusagen. Thiel ist und bleibt optimistisch, dass die Wasserfrage auch nach 2030 gelöst werden kann.