Landkreis überrascht Weihnachten mit Fördermittelbescheid

Der Anbau für die Patronatsloge soll noch einen Weg und einen behindertengerechten Zugang bekommen.

Weihnachten ist die Zeit der Geschenke, das war auch für den Förderverein für die Kirche Sankt Nikolai in Kitzen nicht anders. Der Landkreis Leipzig bewilligte aus dem europäischen Programm Liaison entre actions de développement de l’économie rurale (zu Deutsch: Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft), das unter dem Kurznamen „Leader“ bekannt ist, Fördermittel. 30 509,35 Euro sind es exakt, die für die sogenannte Umnutzung der Patronatsloge an der Kirche eingesetzt werden können. Das war sozusagen das Tüpfelchen auf dem I, um die Patronatsloge fertigstellen zu können.

Hier entsteht der Mehrzweckraum in der oberen Etage der Patronatsloge.

Dieser Anbau an der Kirche, der einst die persönliche Loge des Patrons – daher der Name –  für die Teilnahme am Gottesdienst sicherte, damit er sich nicht zum gemeinen Volk setzen musste, stand kurz vor dem Verfall. Die Idee des Fördervereins war, diesen Bereich umzubauen, so dass im Erdgeschoss Toiletten eingerichtet werden und in der ersten Etage ein Mehrzweckraum. Die Toiletten waren bereits im Dezember fertiggestellt worden und konnten schon beim letzten Konzert des alten Jahres genutzt werden. Der Raum oben wird voraussichtlich im Februar zur Verfügung stehen.

Der Zugang zu den Toiletten, die bereits nutzbar sind.

Die Leader-Mittel waren insofern das I-Tüpfelchen, weil der gesamte Umbau rund 130 000 Euro gekostet hat bzw. kosten wird. Nach Auskunft von Ingrid Riedel, Vorsitzende des Fördervereins, hatte der Verein bereits 55 000 Euro einer insgesamt 70 000 Euro betragenden Summe einsetzen können, die aus Denkmalpflegemitteln des Freistaates Sachsen zur Verfügung gestellt wurden. Das Komplizierte an dem gesamten Plan war, dass aus den denkmalpflegerischen Mitteln nur bestimmte Teile des Umbaus der Patronatsloge bezahlt werden durften. „Für den Einbau der Toiletten brauchten wir zwingend die Leader-Mittel“, erklärt Ingrid Riedel. Da dieses Geld relativ spät im Jahr bewilligt und ausgezahlt wurde, war eine Zwischenfinanzierung nötig, um die Arbeiten nicht stoppen zu müssen. „Die haben wir unkompliziert und zinsfrei von der Stadt Pegau bekommen. Dafür bedanken wir uns“, sagt Ingrid Riedel. Aus dem jetzt vom Landkreis überwiesenen Geld kann die Überbrückungssumme an die Stadt Pegau zurückgezahlt werden.

Die Treppe führt zur oberen Etage.

So setzen sich schließlich die zu finanzierenden Baukosten von rund 130 000 Euro aus den jetzt erhaltenen Leader-Mitteln, 55 000 Euro vom Denkmalschutz und 45 000 Euro Eigenmitteln zusammen. Die Eigenmittel stammen aus den Einnahmen der verschiedenen Kulturveranstaltungen im vorigen Jahr, besonders aber aus zahlreichen Spenden an den Verein, unter anderem 7 000 Euro von der Kirchgemeinde. Die 15 000 verbliebenen Euro aus den Denkmalpflegemittel des Landes werden für andere Innenarbeiten in der Kirche eingesetzt.

So sollen die neuen Bänke – noch ohne die Sitzpolsterheizung – aussehen.

Der Kampf um Fördermittel geht in diesem Jahr für den Verein natürlich weiter. Wie Ingrid Riedel sagt, werden bis Ende Januar Mittel beantragt, um die Sitzpolsterheizung realisieren zu können. Sie soll – montiert auf die neuen beziehungsweise aufgearbeiteten Bänke –  künftig die Besucher in der Kirche wärmen. Eine erste Bank als Muster steht bereits in der Kirche. 14 weitere Bänke sind bereits für 2018 in Auftrag gegeben worden. Angeschafft werden sollen zudem 50 bis 60 neue Stühle, die ebenfalls eine Sitzpolsterheizung bekommen sollen. Allerdings können die mit Strom „gefütterten“ Heizungen erst angeschlossen werden, wenn die Elektroanlage in der Kirche erneuert worden ist. Geht alles gut und die Fördermittel dafür werden im Laufe dieses Jahres bewilligt, könnte die Sanierung der Elektroinstallation 2019 erfolgen. Es wird also noch etwas dauern, ehe die wärmenden Sitzflächen zur Geltung kommen können. Die erneuerten Bänke sollen letztlich übrigens wieder einen Farbanstrich in einem Grauton bekommen. Die exakte Farbmischung muss noch mit den Denkmalschutzbehörden abgestimmt werden.

Das Nordportal soll saniert werden.
Das bereits sanierte Portal auf der Südseite.

Was passiert noch in diesem Jahr? Neben den Vorarbeiten für die Erneuerung des Innenputzes soll 2018 das romanische Nordportal saniert werden. Das Südportal ist ja bereits saniert worden. Das Nordportal sieht ähnlich aus, befindet sich aber nicht im Freien, sondern ist durch den Vorbau an der Seite zum Pfarrhof geschützt. Dennoch macht sich eine Erneuerung notwendig. Dafür sind die Fördermittel bereits beantragt worden.  Die Arbeiten sollen rund 12 000 Euro kosten. 1000 Euro als Eigenbeteiligung des Vereins liegen schon bereit. Die Restauratorin Birgit Mühler soll die Aufgabe übernehmen. Sie hat bereits das Südportal aufgearbeitet. Im Unterschied dazu muss das Nordportal aller Voraussicht nach nicht abgebaut und in ihre Werkstatt gebracht werden, sondern kann – weil wettergeschützt – an Ort und Stelle bearbeitet werden. Ingrid Riedel hofft, dass die notwendige Finanzierung im April von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bewilligt wird.

Die Decke muss noch einen neuen Anstrich bekommen.

Schließlich soll im Laufe des Jahres auch noch ein ordentlicher Weg zur Patronatsloge gelegt werden, einschließlich einem behindertengerechten Zugang zum Eingang der Patronatsloge. An der Stelle ist noch immer eine beträchtliche Schwelle, die den Zugang zu den Toiletten für Menschen mit Handicap erschwert, wenn nicht gar unmöglich macht. Der Vereinsraum in der oberen Etage wird jedoch nur über eine Treppe erreichbar sein, die Anfang Januar eingebaut worden ist. Möglichst dieses Jahr soll auch noch der Deckenanstrich in der Kirche erfolgen. Die bietet derzeit aufgrund der Erneuerung einzelner Deckenteile einen scheckigen Anblick. Allerdings ist die Finanzierung dafür bislang nicht geklärt.

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