Der Turm wird saniert

Endlich, endlich, möchte man sagen, aber ohne jeden Vorwurf. Endlich kommt er dran. Der Turm der Kirche Sankt Nikolai Kitzen wird saniert. Nach der aufwändigen Erneuerung der Kirche – erinnert sei an die Stichworte Dach, Trockenlegung, Putz, Bänke, Fenster, Patronatsloge – in den vergangenen zehn Jahren, bietet sich bislang dem Betrachter ein harter Kontrast zwischen dem hell strahlenden kreuzförmigen Bau und dem grauen, verwitterten Mauerwerk des Turms. Das soll sich nun bis Ende nächsten Jahres ändern. Die Fördermittelzusagen seien da und die notwenigen Eigenmittel ebenso, sagt die Vorsitzende des Fördervereins der Kreuzkirche Sankt Nikolai Kitzen Ingrid Riedel. Noch vor wenigen Wochen sah es so gar nicht danach aus, aber mittlerweile hat sich Hartnäckigkeit beim Verhandeln mit potenziellen Gelgebern ausgezahlt. Doch der Reihe nach.

Kontrast zwischen dem Turm und dem Rest der Kirche.

Ein Jahr nach der Antragstellung für Fördermittel zur Turmsanierung beim Landesamt für Denkmalpflege kam im Juni 2022 erst einmal ein ernüchternder Bescheid. Ja, es gebe Fördermittel, hieß es, aber deren Summe könne nur 55 Prozent der geplanten Baukosten abdecken. „Das war für unseren Verein vollkommen inakzeptabel, denn Eigenmittel in einem derartigen Umfang hat unser Verein nicht“ berichtet Ingrid Riedel. Die Gesamtinvestition für die Turmsanierung beläuft sich auf immerhin 260.000 bis 280.000 Euro. „Für uns hätte das bedeutet, mehr als 130.000 Euro Eigenmittel aufzubringen. Das war illusorisch“, erklärt die Vereinsvorsitzende. Nachdem sie die schlechte Nachricht habe ein paar Tage sacken lassen, sei ihr der Gedanke gekommen, ob es nicht möglich sein könnte, mit einer veränderten Strategie für den Ablauf der Turmsanierung mehr Entgegenkommen bei den sächsischen Denkmalpflegern bekommen zu können.

„Also haben wir ein neues Konzept eingereicht und erneut die Verhandlungen aufgenommen. Die Investitionen wurden auf 2022 und 2023 aufgeteilt.“ 111.000 für die Innensanierung des Turms in diesem Jahr und 155.000 Euro für die Außensanierung im nächsten Jahr. „Parallel dazu haben wir noch Anträge bei der Stiftung Kirchliche Bauten sowie bei der Katharina und Gerhard Hoffmann Stiftung eingereicht“, sagt Ingrid Riedel. Erstere erklärte sich bereit, 20.000 Euro beizusteuern, zweitere sagte weitere 10.000 Euro zu. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat 13.500 Euro zugesagt, in denen 1500 Euro enthalten sind, die Jubilare, zum Beispiel bei runden Geburtstagen, als private Spenden zur Verfügung gestellt haben. Zudem bestehen sehr gute Chancen, aus dem europäischen Leader-Programm im nächsten Jahr Geld zu bekommen. Unter diesen Bedingungen hat nun mittlerweile des Landesamt für Denkmalpflege einen deutlichen höheren Fördersatz zugesagt, so dass unterm Strich der Verein dieses und nächstes Jahr zirka 20.000 Euro an Eigenmitteln auspacken muss, was nach den Worten von Ingrid Riedel möglich ist.

Die Plakette für den Preis im Wettbewerb.

Zumal sich in diesem Jahr neben den Einkünften aus Kulturveranstaltungen sowie diversen Spenden noch ein Wettbewerbsgewinn für die Vereinskasse bemerkbar gemacht hat. Das sächsische Landwirtschaftsministerium veranstaltet einen Wettbewerb um den Simul-Mitmachfonds. Ingrid Riedel hat in ihrem Wettbewerbsbeitrag darüber geschrieben, wie bei der Sanierung der Kirche und der Organisation der Kulturveranstaltungen in Kitzen eine Gemeinschaft von vielen Menschen zusammengewachsen ist. Ergebnis – es gab ein Preisgeld von 5000 Euro.

„Mit unserer neuen Strategie sind wir beim Landesamt für Denkmalpflege auf offene Ohren gestoßen. Ich hatte den Eindruck bei den Gesprächen, dass man in Dresden an der Problemlösung interessiert ist“, lobt Ingrid Riedel. Gelingt es, die notwenigen Handwerkerleistungen rechtzeitig zu binden, dann sollte einer Fertigstellung der Turmsanierung Ende des Jahre 2023 nichts im Wege stehen.

Ursprünglich war man im Förderverein einmal davon ausgegangen, dass sich die Kosten für die Sanierung des Turms auf das Doppelte bis Dreifach der jetzigen Summe belaufen könnte. „Aber da sind wir immer davon ausgegangen, dass etliches Geld für die Stabilität des Turmes ausgegeben werden müsste. Mittlerweile wissen wir aufgrund der Gutachten, dass die Standfestigkeit nicht beeinträchtigt ist“, sagt Ingrid Riedel. So kann also die Sanierung mit deutlich weniger finanziellem Aufwand einem gute Ende zugeführt werden, zumal vorerst auch die Glocken nicht erneuert werden müssen.

Ein Jahr zum Vergessen? – Durchaus nicht!

Das Jahr 2020 war eins zum Vergessen. Was immer wir uns in der Neujahrsnacht 2019/2020 – das ist in vielen Fällen der Augenblick für die mehr oder weniger guten Vorsätze und Wünsche fürs neue Jahr – vorgenommen haben, es hatte sich zum größten Teil im März des Jahres erledigt. Doch man ist leicht dabei, den Stab über das Jahr zu brechen. Nicht in jeder Hinsicht ist es eins zum Vergessen, zumal wir uns noch lange daran erinnern werden. In der jüngeren Geschichte hat es Schlimmeres gegeben als das Tragen von Masken und den Ausfall von Veranstaltungen, als geschlossene Läden und stornierte Reisen. Meine Großeltern, die Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts geboren wurden, haben ganz anderes erlebt in zwei Weltkriegen und auf der Flucht von der in der heutigen Ukraine gelegenen Heimat bis nach Mitteldeutschland.

Der neue Leuchter in der Kirche ist sehenswert (mehr dazu am Schluss des Beitrages)

Und so lohnt sich auch ein Jahresrückblick auf das Geschehen an und in der Kirche Sankt Nikolai Kitzen. Trotz aller Corona-Hemmnisse ist es dem Förderverein gelungen, die Innensanierung der Kirche im zehnten Jahr der Baumaßnahmen abzuschließen. Das ist wahrlich nicht zum Vergessen. Die Vorsitzende des Fördervereins Ingrid Riedel kann eine richtig gute Bilanz ziehen. „Die 2019 begonnene Innensanierung wurde 2020 mit der Komplettierung der Elektrik sowie der Erneuerung der Sakristei und des Vorraums am Nordportal und Fliesenarbeiten im Altarraum abgeschlossen.“ Auch die Restauration am Nordportal ist erfolgreich beendet worden. 2019 waren ja bereits die Putz- und Malerarbeiten im gesamten Kirchenraum erfolgt. Ganz wesentlich für die weitere künftige Nutzung der Kirche als Gotteshaus für die Kirchgemeinde, aber eben auch als kulturelle Veranstaltungsstätte waren die restlichen Elektrikerarbeiten. Damit ist es möglich geworden, die Sitzpolsterheizung der aufgearbeiteten beziehungsweise neuen Bänke auch mit Strom zu versorgen und nutzbar zu machen. Beim Konzert des Leipziger Symphonie Orchesters im Oktober 2020 konnten sich die Besucher von der neuen Heizung durchwärmen lassen. Gern hätten sie das sicher auch beim für den ersten Advent geplanten Gospelkonzert oder dem Auftritt der Thomas-Kantorei getan, aber die fielen letztlich dem verordneten Veranstaltungsverbot und dem gesunden Menschenverstand zum Opfer.

Der Auftritt des Leipziger Symphonie Orchesters war eins von nur zwei Konzerten 2020.

Bislang sind damit nach Aussagen von Ingrid Riedel 1,5 Millionen Euro in die Sanierung des Kirchenbauwerks geflossen. „Davon waren zirka 300.000 Euro Eigenkapital, das der Förderverein mit Hilfe von Spenden, Einnahmen aus Kulturveranstaltungen sowie freiwillige Arbeitsleistungen zusammengebracht hat“, sagt Ingrid Riedel. Das Eintrittsgeld zu den Veranstaltungen spielt im Haushalt des Fördervereins alles andere als eine untergeordnete Rolle. Deshalb gehen mit dem Ausfall der Konzerte im Jahr 2020 umfangreiche Einbußen einher. Mit einem Geschichtsvortrag von Carsten Iwan und den Auftritten von Tino Standhaft/Norman Dassler und des Leipziger Symphonie Orchesters konnten lediglich drei Veranstaltungen stattfinden. „Das hat uns empfindlich getroffen“, sagt die Vereinsvorsitzende.

Und da für das neue Jahre nicht absehbar ist, wie es weiter gehen kann und wird, steht die Eigenkapitalbeschaffung unter keinem guten Stern. Zwar plant der Verein ab April Veranstaltungen, ob sie jedoch stattfinden können, wird man erst noch sehen. Unter anderem ist für April ein Auftritt des Leipziger Kammerchors, für Juni des Leipziger Symphonie Orchesters und für Juli der Hutzenbossen mit erzgebirgischer Volksmusik geplant. Angefragt wurde auch beim Kabarettisten Bernd-Lutz Lange wegen einer Lesung. „Die Einnahmen wären immens wichtig, weil es ja noch ein großes Sanierungsvorhaben gibt“, sagt Ingrid Riedel. Und das ist die Instandsetzung des Kirchturms samt Uhr.

Die Zifferblätter befinden sich in unterschiedlicher Höhe. Das soll sich mit der Turmsanierung ändern.

Für die vorgesehene Sanierung laufen derzeit Voruntersuchungen und Begutachtungen, die sich noch bis zum Frühjahr hinziehen werden. So werden statische Untersuchungen angestellt, um herauszufinden, ob die am Mauerwerk angebrachten Zugbänder weiter erforderlich sind. Untersucht wird ebenso, ob die Glockenschläge Ursache für Rissbildungen sind. Außerdem wurde ein holzschutztechnisches Gutachten in Auftrag gegeben. Erst wenn alle Erkenntnisse vorliegen, kann über den tatsächlichen Umfang der Sanierung etwas gesagt werden. Zum Beispiel ist noch unklar, ob der Glockenstuhl erneuert werden muss. „Im Moment rechne ich mit einem Aufwand von etwa 300.000 Euro für die Turmsanierung“, sagt Ingrid Riedel. Wieviel davon aus eigener Kraft aufgebracht werden muss, hängt davon ab, welche Fördermittelzusagen es zu welchen Konditionen gibt. Es ist durchaus möglich, dass der Förderverein wenigstens ein Drittel der Investitionssumme aufbringen muss.

„Wir hoffen derzeit, dass im Laufe des Jahres 2021 die Außensanierung samt Turmuhr abgeschlossen werden kann“, schätzt Ingrid Riedel ein. Die Turmuhr steht derzeit still, weil sie täglich aufgezogen werden müsste, was bedeutet, dass tagtäglich jemand den Turm besteigen müsste. Außerdem hängen die Zifferblätter an den Turmseiten auf unterschiedlichen Höhen. Das soll ausgeglichen werden. Die Uhr bekommt ein Funk-Uhrwerk, das elektrisch betrieben wird. Insgesamt werden sich die Sanierungsarbeiten bis ins Jahr 2022 hinziehen. Wegen des zu erwartenden Staubes bei den Arbeiten kann erst danach wieder die Orgel eingebaut werden.

Fertiggestellt wurden in diesem Jahr auch die angekündigten Filme über die Kirche. Einen kurzen kann man auf Youtube sehen. Zirka fünf Minuten dauert der sehenswerte Streifen. Darüber hinaus gibt es noch zwei andere Filme, die jeweils etwa 20 Minuten lang sind und einerseits die Sanierungsarbeiten zwischen 2010 und 2020 beschreiben sowie andererseits die Architektur des denkmalgeschützten Bauwerks. Die beiden längeren Filme wird es demnächst auf einer DVD geben, die gegen ein geringes Entgelt erworben werden kann. Außerdem will der Förderverein die Filme als Werbung für Kitzen und Kirche einsetzen.

Schön geschmückt war die Kirche zur Weihnachtszeit, auch wenn es nicht viele sehen konnten.

Zum Schluss noch etwas Besonderes: Mitte im Raum gibt es neuerdings in der Kirche einen Kronleuchter. Ingrid Riedel und Ehemann Siegwald Bilesch hatten schon lange die Idee für ein solches Accessoire. „Wir haben das im Familienkreis besprochen. Und unser kreativer Schwiegersohn hat den Leuchter entworfen und angefertigt. Als unsere familiäre Spende ist der Leuchter mittlerweile an der Decke angebracht.“ Bleibt die Hoffnung, dass im neuen Jahr wieder Publikum in die Kirche strömen darf, um unter anderem diese ganz spezielle Erleuchtung zu erfahren.

Die Kirche im Film

Mit einem Film will der Förderverein für die touristische Nutzung des Kulturdenkmals Kirche Sankt Nikolai Kitzen werben.

Mehr als 800 Jahre gibt es eine Kirche in Kitzen beziehungsweise Hohenlohe. Seit zehn Jahren wird das Bauwerk saniert. Ebenso lange gibt es die Kultursonntage in der heutigen Kirche Sankt Nikolai Kitzen mit ihren Konzerten und anderen Veranstaltungen. All das wird jetzt in einem Imagefilm über die Kirche zusammengefasst. Der Förderverein hat dafür aus europäischen Förderprogrammen Geld bekommen. „Seit kurzem liegt uns der Fördermittelbescheid vor“, sagt Vereinsvorsitzende Ingrid Riedel. 42 840 Euro fließen für die Produktion des Films zum Verein. Das sind 90 Prozent der Produktionskosten.  Die restlichen zehn Prozent bringt der Verein aus Eigenmitteln auf. Die zuständigen Behörden des Freistaats Sachsen haben anerkannt, dass ein solcher Film der touristischen Entwicklung der Region förderlich ist und die Finanzierung aus den europäischen Programmen LEADER und EPLR bewilligt.

Restauratorin Birgit Mühler hat bei den Dreharbeiten viel zu erklären

Und so können nun Steffen und Liane Lehmann, die mit der Firma Videoproduktion Deutschland in Kitzen ansässig sind, Szene um Szene in und an der Kirche drehen. „Der Film gliedert sich in drei Teile“, sagt Ingrid Riedel. Zum einen geht es um die Kultur- und Bauhistorie der Kirche, deren Anfänge in die romanische und den Beginn der gotischen Epoche einzuordnen sind. Zum zweiten wird die bislang zehnjährige Sanierungszeit mit all ihren Besonderheiten wie der denkmalgerechten Gestaltung erfasst. Und im dritten Teil beschäftigt sich der Film mit der kulturellen und touristischen Nutzung und dem Zusammenwirken mit der Bevölkerung.

Der Turm soll nun auch saniert werden.

Der Film soll einerseits ein Dankeschön sein an all jene, die im Laufe der Jahre an der Sanierung mitgewirkt haben. Andererseits soll er Menschen Appetit machen, sich das Kleinod einmal anzuschauen. Die entstehende DVD wird also einerseits als Repräsentationsgeschenk dienen, vor allem jedoch potenziellen Partnern zugesandt. „Wir hatten schon einmal Kontakte zu einem Reisebüro in Dresden und konnte aufgrund dieser Verbindung bereits dreimal Gruppen von etwa 50 Menschen in der Kirche empfangen, die sich sehr angetan gezeigt haben vom Bauwerk und seiner Nutzung“, erzählt die Vereinsvorsitzende. Daran will der Förderverein nun anknüpfen und mithilfe des Films Kitzen als ein Ziel im Leipziger Neuseenland etablieren. Dafür ist Ingrid Riedel derzeit im Gespräch mit dem Reiseunternehmen Polster und Pohl. Unter dieser Zielstellung werden weitere Kooperationen angebahnt wie die Einbeziehung von Kitzen in die Wanderungen im Neuseenland. „Geplant ist zudem eine Zusammenarbeit mit Andrea Auster vom Wunderbrunnen, die voraussichtlich im nächsten Jahr am ehemaligen Wasserwerk eine Imkerei und einen Hofladen einrichten wird“, berichtet Ingrid Riedel. Kontakte gibt es nach ihren Worten ebenfalls zum Verein Elsterfloßgraben. Dieses technische Denkmal hat seinen Bachlauf bekanntlich auch in Kitzen. Weiteres Potenzial sieht die Vereinsvorsitzende in der Lage Kitzens am sogenannten Grünen Ring, einem Radwegesystem rund um Leipzig.

Auftritte in der Kirche, wie hier für den Film in Szene gesetzt, gehören zum Angebot des Fördervereins

Die Bewilligung der Fördermittel für den Film machen dem Verein Mut, trotz der Auswirkungen der Corona-Krise in diesem Jahr weiter mit Optimismus an die nächsten Ziele zu denken. Das ist vor allem die geplante Sanierung des Kirchturms. „Wir werden noch in diesem Jahr Angebote einholen, um uns über die Anzahl der Gewerke und der Kosten klar zu werden“, sagt Ingrid Riedel. Der nächste Schritt ist dann, für das kommende Jahr Fördermittel zu beantragen. Die für derartige Vorhaben notwendigen Eigenmittel aufzubringen war niemals leicht, wird im Moment aber noch zusätzlich erschwert. „Aufgrund der aktuellen Situation sind ja bereits mehrere Veranstaltungen ausgefallen. Das bedeutet eine erhebliche Einbuße bei den Einnahmen für den Verein“, begründet Ingrid Riedel die derzeitigen Sorgen. Zum Glück habe der Verein wieder 5000 Euro aus der privaten Katharina und Gerhard Hoffmann Stiftung erhalten. Dieses Geld könne unter anderem als Eigenkapital zur Kofinanzierung von Fördermitteln eingesetzt werden.

Übrigens …

… die Sanierung in der Kirche ist planmäßig weitergegangen. Die neuen Bänke mit der Sitzheizung stehen bereits auf ihren Podesten, auch wenn sie vorerst noch abgedeckt sind. Im Altarraum sind die neuen Sandsteinplatten gelegt worden. Damit kam der Förderverein einer Auflage der Denkmalpflege nach, die nicht denkmalgerechten Teile des Fußbodens im Altarraum zu ersetzen. Im Klartext heißt das, der Veranstaltung des Konzerts am letzten Aprilsonntag würde aus dieser Sicht nichts mehr im Weg stehen. Ob es allerdings wirklich stattfinden kann, ist wegen der Corona-Epidemie noch ungewiss. Der Förderverein muss erst noch abwarten, welche Regelungen es in Sachsen nach dem 20. April gibt.

Wir werden die Freunde des Fördervereins und der Kultursonntage rechtzeitig informieren.

Offen ist im Inneren der Kirche noch die Erneuerung des Fußbodens in der Sakristei. Das wird als nächstes in Angriff genommen. Der alte Boden ist bereits entfernt worden.

Die neuen Sandsteinplatten liegen.
Unter den Abdeckplanen stehen die neuen Bänke an ihrem richtigen Platz.

Ein Ende ist in Sicht

Zum Adventskonzert am 1. Dezember 2019 mit dem Pegauer Elsterchor, der eine große Besucherschar begeisterte, und beim Adventsmarkt im Pfarrhof am 7. Dezember konnten die Besucher schon mal einen Blick in die frisch gestrichene Kirche werfen. Das Ergebnis dieses Teils der Sanierungsarbeiten gibt dem Inneren der Kirche einen Anblick, der überragend ist. Die Düsternis des Deckengebälks und die Tristesse der durch Alter und diverse Arbeiten ramponierten Wände ist verschwunden. Der nächste Schritt ist in den kommenden Wochen, die Installation der erneuerten Sitzbänke mit ihrer Sitzpolsterheizung. Die sollten beim ersten Konzert des Jahres am 26. April, 16 Uhr mit Mila Thieme (mehr unter Veranstaltungen 2020), das musikalische Erlebnis noch einmal deutlich versüßen.

Blick in den Südarm der Kirche nach dem erneuerten Anstrich.

Auch wenn innerhalb des Kirchenraums noch einige Arbeiten zu erledigen sind, sollten sie die Nutzung des Hauses in diesem Jahr nicht mehr beeinträchtigen. Allerdings hat der Förderverein für sein Jahres-Kulturprogramm auch Alternativen. So wird es ebenfalls Veranstaltungen im Pfarrhof geben und auf der Terrasse des Schlosses Kitzen. Jener Veranstaltungsort hatte im vorigen Jahr, als die Kirche wegen der Sanierungsarbeiten gar nicht genutzt werden konnte, bei den Besuchern Anklang gefunden. „Deshalb wollen wir ihn auch in diesem Jahr nutzen“, sagt die Vorsitzende des Fördervereins Ingrid Riedel. So wird zum Beispiel das Rockkonzert mit Tino Standhaft und Norman Dassler am 29. August, 19 Uhr, dort stattfinden.

Was die Restarbeiten in der Kirche betrifft, da zeigt sich Ingrid Riedel optimistisch, dass die wirklich in diesem Jahr abgeschlossen werden können. Den Optimismus bezieht sie einerseits daraus, dass es gemessen an der bisherigen Gesamtleistung der vergangenen Jahre wirklich nur noch Restarbeiten sind, die erledigt werden müssen. Andererseits gründet sich der Optimismus auch darauf, dass die Fördermittel aus dem Sonderförderprogramm für Denkmalschutz des Freistaates Sachsen noch ausgangs des vorigen Jahres deutlich aufgestockt wurden. Nach den Worten von Ingrid Riedel wurden die ursprünglich zugesagten 83600 Euro noch einmal ordentlich aufgewertet. Es gab jetzt insgesamt 120000 Euro aus dem Programm, die auch noch im neuen Jahr verwendet werden können. Der Verein nutzt das Geld, um Fußbodenarbeiten im Altarraum ausführen zu lassen sowie den Fußboden in Sakristei zu erneuern. Zudem wird der Nordvorraum, in dem sich das bereits sanierte Nordportal befindet, instandgesetzt.

Wenn der Verein zum Tag des offenen Denkmals am 13. September einlädt, dürften auch diese Anstrengungen Geschichte sein, hofft Ingrid Riedel. Dann ist das auch eine gute Gelegenheit, nach zehn Jahren Sanierung einen vorläufigen Endpunkt zu feiern.

Zehn Jahre Sanierung in der Kirche

Man mag es gar nicht glauben, aber die Zeit ist wie im Flug vergangen. Die Sanierung der Kirche Sankt Nikolai Kitzen geht ins zehnte Jahr. Wenn 2020 der Tag des offenen Denkmals am 13. September natürlich mit einer offenen Kirche stattfindet, wird das Thema „10 Jahre Sanierung Kirche Kitzen“ eine bedeutende Rolle spielen. Der Förderverein wird Bilanz darüber ziehen, was seit dem Jahr 2010, in dem er die herrenlose Kirche erwarb, geschehen ist. Dann wird zu hören sein, das bislang in die Erneuerung des Gebäudes die gigantische Summe von 1,2 Millionen Euro geflossen ist. Fördervereinsvorsitzende Ingrid Riedel umreißt das mit der eher unspektakulären Aussage: „Wir kommen so langsam dem Ende der Sanierung der Kirche entgegen.“

Raymond Klieber (oben) und Obeida Nouf von der Firma Lenz bei den Malerarbeitenin der Kirche.

Die Besucher des Adventskonzerts am 1. Dezember um 16 Uhr mit dem Pegauer Elsterchor werden einen ersten Eindruck davon bekommen. Bis dahin nämlich präsentiert sich die Kirche auch von innen in einem neuen Zustand. Nachdem zuletzt die elektrischen Leitungen erneuert worden sind, erhält der Kirchenraum in diesen Tagen seinen endgültigen Anstrich. Der Weißton, in dem Decke und Wände gehalten sind, wird eine vollkommen neue Optik erzeugen. Mitarbeiter der Malerfirma Jürgen Lenz aus Großpösna, die spezialisiert ist auf Anstriche nach denkmalpflegerischen Vorgaben, sorgen derzeit für die Farbgebung. Mindestens drei Anstriche wird es geben, ehe das Ergebnis vollständig ist. Wenigstens zwei sollen bis zum Adventskonzert geschafft sein.

Allerdings wird trotz alledem die Zeit zu knapp, um bis dahin auch noch die neuen beziehungsweise aufgearbeiteten und mit Sitzpolsterheizung versehenen Bänke aufzustellen. „Wir werden für das Konzert Stühle in die Kirche stellen“, sagt Ingrid Riedel. Die Bänke samt Heizung können die Besucher dann ab dem Frühjahr 2020 genießen. Für den Chor gibt es beim Adventskonzert allerdings schon eine Neuerung. Er kann auf dem neuen Bühnenpodest Aufstellung nehmen, das wie die vier Pavillons (beim Rockkonzert Ende August schon im Einsatz) und das E-Piano von den 5000 Euro angeschafft wurden, die die Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse Leipzig in diesem Jahr als Fördermitte zur Verfügung gestellt hat. Auf dem Podest wird sich dann auch noch ein Heizteppich befinden, der dafür sorgt, dass die Künstler ihren Part nicht frierend bestreiten müssen. Denn die aufziehende Kälte in der kühleren Jahreszeit war von den Akteuren der Veranstaltungen immer wieder beklagt worden, was ihrem Engagement jedoch nie anzumerken war.

Die Innensanierung der Kirche hatte ja in diesem Jahr dazu geführt, dass bislang keine Veranstaltungen des Fördervereins in der Kirche stattfinden konnten, stattdessen im Schloss und auf der Schlossterrasse. Zu dem, was in diesem Jahr geschehen ist, gehört die Fertigstellung der Decke, das Legen neuer elektrischer Leitungen sowie die Erneuerung des Innenputzes. Auch dafür gab es Richtlinien der Denkmalpfleger. Aber mit der Firma Bubnick aus Trebsen bei Grimma hat der Verein einen Partner gefunden, der nach den Worten von Ingrid Riedel allen Anforderungen gerecht wurde. Beendet ist ebenso die Restaurierung des Nordportals, was die Restauratorin Birgit Mühler wie schon beim Südportal übernommen hatte. Beide Portale gehören zu den bemerkenswertesten historischen Teilen der Kirche, sind sie doch bereits um 1150 aus Stein gehauen worden.

Blick in den Altarraum, wo es auch nach den Malerarbeiten noch einiges zu tun gibt.

Bei alledem bleibt für das zehnte Sanierungsjahr noch allerhand zu tun. Im Frühjahr werden die Podeste für die Sitzbänke installiert. Die Bänke selbst werden lackiert, aufgesetzt und mit der Elektrik für die Sitzpolsterheizung verbunden. Im Altarbereich müssen Sandsteinplatten repariert werden, die jetzt noch vorhandenen Betonplatten werden mit Sandsteinplatten ersetzt. Letzteres soll in den Wintermonaten erledigt werden. Schließlich gibt es noch Arbeit in der Sakristei, wo der Fußboden erneuert werden muss. Nach historischem Vorbild geschieht das mit Ziegelplatten. Ähnliche Arbeiten erfolgen im Vorraum auf der Nordseite. So könnten die Sanierungsarbeiten im Laufe des kommenden Jahres tatsächlich zu Ende gehen. Parallel dazu sollte auch die Orgel wieder in Takt kommen. Die Kirchgemeinde kümmert sich darum. Ein Orgelbauer hat bereits den Auftrag bekommen, eine Bestandsaufnahme zu machen, um ein Angebot für die Restaurierung unterbreiten zu können. Die Orgelpfeifen sind übrigens ausgelagert worden. Jetzt, wo die staubintensiven Arbeiten in der Kirche zu Ende gehen, kann das Projekt in Angriff genommen werden. Eventuell könnte das Instrument ab 2021 wieder erklingen.

Allerdings bleibt dann immer noch eine große Aufgabe – der Kirchturm. Der muss jedoch warten. „Denn hier ist sicher eine Investition von mehreren hunderttausend Euro notwendig“, sagt Ingrid Riedel. Auch wenn der Großteil des Geldes aus Fördermitteltöpfen kommen muss, der Verein werde eine größere Summe Eigenkapital brauchen. „Das müssen wir erst zusammenbekommen, ehe die Turmsanierung in Angriff genommen werden kann“, erklärt die Vereinsvorsitzende.

In der Kirche wird es heller

Blick zur Decke. Der helle Anstrich wird für gut befunden beim Treffen, an dem Ingrid Riedel, Restauratorin Birgit Mühler, Denkmalpfleger Thomss Brockau und Stefan Reuter sowie Malermeister Jürgen Lenz (v.l.) teilnahmen.

Seit dem 10. April ist nun endlich klar, wie die Holzdecke in der Kirche aussehen soll. Sie wird einen hellen Farbton erhalten, der insgesamt den Kirchenraum in ein neues Licht taucht. Nach kleineren Probeanstrichen, die noch im vorigen Jahr vorgenommen wurden, hat jetzt Malermeister Jürgen Lenz einen großflächigeren Teil im südlichen Kreuzarm der Kirche gestrichen. Und bei einem Treffen in der Kirche mit Thomas Brockow und Stefan Reuter vom Landesamt für Denkmalpflege wurde der Farbton als gelungen angesehen, so dass nun die komplette Decke in der Kirche so gestrichen werden kann.

Jürgen Lenz, der mit seiner Firma in Großpösna ansässig ist, ist ein Experte für Anstriche nach denkmalpflegerischen Vorgaben. Er war schon bei Malerarbeiten in den beiden großen Leipziger Stadtkirchen St. Thomas und St. Nikolai aktiv, hat aber ebenso in den Kirchen von Tellschütz und Werben gearbeitet. Nun wird er den weiteren Anstrich in der Kitzener Kirche in Angriff nehmen.

An vielen Stellen ist der Fußboden derzeit aufgerissen.

Parallel zur Farbgebung finden derzeit in der Kirche auch Arbeiten für die neuen elektrischen Leitungen statt. Sie werden im Kirchenboden verlegt, der derzeit an vielen Stellen aufgerissen wurde. Der Deckenanstrich und die Elektroarbeiten sowie die Erneuerung des Innenputzes im Laufe dieses Jahres sind auch der Grund, warum die Kirche selbst 2019 voraussichtlich nicht für die Kulturveranstaltungen des Fördervereins zur Verfügung stehen wird. Die ersten Veranstaltungen dieses Jahres haben deshalb auch bereits im Kulturhaus stattgefunden. Die geplanten Open-Air-Konzerte werden an der Terrasse des Kulturhauses veranstaltet.

Insgesamt hat der Förderverein für 2019 wieder erhebliche Mittel aus Förderprogrammen bekommen. Das sind zum Beispiel 30.500 Euro, die aus dem Sonderförderprogramm des Freistaates Sachsen zur Verfügung gestellt werden. Sie werden eingesetzt für den Deckenanstrich und für die weitere Sanierung des Nordportals. Die Gesamtkosten allein dafür belaufen sich allerdings auf 43.000 Euro. Laut der Vorsitzenden des Fördervereins Ingrid Riedel wird das Geld aus dem Sonderprogramm mit 5.000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz als Co-Finanzierung sowie mit Eigenmitteln ergänzt.

Eine enorme Summe bekommt der Verein in diesem Jahr auch wieder aus europäischen Förderprogrammen: Leader und EPLR. Leader steht für Liaison entre actions de développement de l’économie rurale (deutsch: Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). EPLR ist das sächsische Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum, das wiederum auf dem Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums ELER fußt.

104.500 Euro können genutzt werden, um die elektrische Anlage in der Kirche zu erneuern, die wiederum Voraussetzung für die Installation der Sitzplatzheizung ist. Die neuen Leitungen dürfen nach den Vorgaben der Denkmalschützer nicht in den Wänden gelegt werden, sondern müssen in den Fußboden. Das ist der Grund, warum der im Moment aufgerissen ist. Zwar belaufen sich die Gesamtkosten dafür auf 110.000 Euro, so dass auch Eigenmittel eingesetzt werden müssen, die unter anderem aus Spenden zusammenkommen. Aber für den Verein ist es ein enormer Gewinn, dass das Vorhaben mit einer Quote von 95 Prozent gefördert wird.

Geld gibt es aber nicht allein für die Kirchensanierung, sondern in diesem Jahr auch für die kulturelle Arbeit des Fördervereins. „Wir haben im vorigen Jahr einen Antrag an die Kultur- und Umweltstiftung Leipziger Land der Sparkasse gestellt und daraus 5.000 Euro zur Verfügung gestellt bekommen“, sagt Ingrid Riedel. Das Geld soll genutzt werden, um die Voraussetzungen für Veranstaltungen zu verbessern. Es dient unter anderem der Anschaffung eines E-Pianos. Gekauft werden soll aber auch ein Faltpavillon für die Open-Air-Veranstaltungen. Bisher wurden solche Dinge ausgeliehen. Um vor allem Chören bessere Auftrittsmöglichkeiten zu geben, will der Förderverein für die Kirche noch ein Stufenpodest erwerben. „Von der Sparkassenstiftung haben wir das Signal bekommen, für 2020 erneut einen Fördermittelantrag zu stellen. Das werden wir natürlich aufgreifen“, sagt Ingrid Riedel.

Neben den drei Hauptprojekten Decke, Elektrik und Innenputz werden im Laufe des Jahres noch eine Reihe anderer Arbeiten erledigt. Unter anderem werden die Sandsteinplatten im Altarbereich gesäubert. Die vor mehr als 30 Jahren mit Betonplatte ausgebesserten Stellen erhalten neue Sandsteinplatten. Dabei werden dann auch die Kabelkanäle, die am Rand des Altarbereichs im Fußboden verlegt werden, nicht mit Beton verschlossen, sondern ebenso wie die Sandsteinplatten in Sand gelegt. Das soll der aufsteigenden Nässe im Mauerwerk vorbeugen.

Die in der Mitte des Kirchenraums entfernten kaputten Fliesen sollen durch Spaltplatten ersetzt werden, wie sie auch im gesamten Innenraum der Kirche vorhanden sind. Dazu gehört jedoch, dass die an den Stufen zum Altarbereich zu sehende Jahreszahl 1797 sichtbar bleibt. Die Stufen zum Altarbereich werden zudem nach rechts und links ein wenig verlängert, um die Stolpergefahr zu verringern.

Im nördlichen Vorraum der Kirche, also auf der Seite zum Pfarrhof hin, soll der Fußboden mit den alten Ziegeln aus der im Vorjahr sanierten Patronatsloge in einem Sandbett gelegt werden. Die Decke in dem Vorraum wird so restaurier, dass das gesamte Nordportal zu sehen ist.

Mit dem Denkmalschutz wurde jetzt auch eine Einigung zum Bestuhlungsplan für die Kirche erzielt. Das gelang während der schon genannten Besprechung im April. Den Denkmalpflegern ging es darum, dass die Sichtachse zwischen Nord- und Südeingang frei bleibt. Die Bänke werden schließlich auf einem Holzpodest stehen, das die Kabel für die Sitzpolsterheizung aufnehmen wird. Neben den neuen beziehungsweise restaurierten Bänken werden im hinteren Bereich der Kirche vier Originalbänke aufgestellt.

Die Scheune im Pfarrhof wird saniert.

Zwar nicht unter der Regie des Fördervereins, aber auf dessen Anregung hin, wird derzeit von der Kirche die Scheune am Pfarrhof saniert. „Wir haben eine beharrliche Diskussion darüber geführt, dass es schade wäre, wenn die Scheune angerissen würde. Denn dann wäre das romantische Bild des Pfarrhofs zerstört worden“, sagt Ingrid Riedel. Nun hat sich ein Team zusammengefunden, zu dem Heike Knappe aus Sittel und die Kitzenerin Astrid Gebhard, die Frau des Pfarrers, gehören. Es hat sich der Problematik angenommen. Gemeinsam haben sie es geschafft, den Kirchenkreis Merseburg nach anfänglich anderer Haltung zur Zustimmung für eine Sanierung zu bewegen. Der Kirchenkreis hat dafür im vorigen Jahr Leader-Fördermittel beantragt und bewilligt bekommen: 250.000 Euro. So kann im Laufe dieses Jahres unter der Leitung der Architektin Ulrike Kabitzsch, die schon die Kirchensanierung in Werben, Eisdorf und Kitzen begleitet hat, die Scheune vor dem Verfall gerettet werden. Nach Fertigstellung soll sie für Veranstaltungen der Kirchengemeinde, aber auch des Dorfes genutzt werden können. „Damit wird das Areal Kirche und Pfarrhoff als ein Kulturschwerpunkt aufgewertet“, erklärt Ingrid Riedel.

Mehr als 30 000 Euro vom Land

Ingrid Riedel (l.) und Birgit Mühler freuen sich über den Fördermittelbescheid, den Staatssekretär Günther Schneider überrreicht hatte.

Die Summe ist nicht rund, aber ein ordentlicher Betrag. 30.707 Euro bekommt der Förderverein für die Kirche Kitzen aus den Kassen des Freistaates Sachsen. Prof. Günther Schneider, Staatssekretär im Innenministerium, machte vor wenigen Tagen in Kitzen Station und überbrachte den entsprechenden Fördermittelbescheid. Zusammen mit Eigenmitteln soll das Geld laut Ingrid Riedel, Vorsitzende des Fördervereins, jetzt für den Anstrich der Decke im Kirchenraum sowie für die weitere Sanierung des Nordportals eingesetzt werden.

Der linke von den beiden Farbtönen soll künftig für die gesamte Decke angewendet werden. Dazu gehören auch die grünen und braunen Elemente.

Wie die Decke farblich aussehen soll, war ja lange diskutiert worden. Wie Restauratorin Birgit Mühler während der kleinen Veranstaltung zur Übergabe des Fördermittelbescheids sagte, gibt es jetzt mit der Denkmalschutzbehörde Einigkeit. Die Decke wird einen hellen grauen Farbton bekommen. Dazu waren jetzt vier kleinere Probeanstriche über der Orgelempore in verschiedenen Grau- und Weißtönen hergestellt worden. Bei näheren Untersuchungen war festgestellt worden, dass nicht das noch jetzt zu erkennende Braun der originale Anstrich ist. Birgit Mühler sagte, man habe darunter hellere Farbgebung gefunden. Um einen noch besseren Eindruck davon zu bekommen, wie die Kirche mit dem hellen Ton an der Decke aussieht, soll im November ein größerer Teil mit dem ausgewählten hellgrauen Farbton gestrichen werden. Dann wird das alles noch einmal begutachtet, ehe komplett gemalert wird.

Birgit Mühler zeigt den an einer Stelle freielegten früheren Anstrich, der im Farbton als Muster für die gesamte Wandgestaltung dienen soll.

Klar ist ihren Worten zufolge auch, dass die Wände in einem ähnlichen Ton gestrichen werden sollen. Die entsprechenden Muster waren bei Untersuchungen der vorhandenen Farbschichten gefunden worden. Bis zur Wandgestaltung wird allerdings noch etwas Zeit vergehen, weil vorher im kommenden Jahr die elektrischen Leitungen erneuert werden sollen.

Dieses Ornament wurde an der Brüstung der Orgelempore freigelegt und wird ein Element der Farbgestaltung sein.

Was auch immer in der Kirche saniert wird, ohne Fördermittel wird es nicht gehen. Staatssekretär Günther Schneider sagte zumindest zu, dass er das Projekt Kirche Kitzen im Auge behalten und sich dafür einsetzen werde, damit es vom Freistaat weitere Fördermittel gibt. Eine finanzielle Zusage könne er zwar noch nicht geben, aber es sei sein Anliegen, dass die fünf Millionen Euro, die jährlich in seiner Behörde für die Denkmalpflege eingeplant werden, nicht nur großen Schlössern dienen sollen, sondern auch Vorhaben im ländlichen Raum. Das Bild, das er sich bei seinem Besuch in Kitzen vom Sanierungsfortschritt an der Kirche gemacht habe, sei beeindruckend, sagte er.

Die hellen Teile zeigen, wie umfangreich an der Decke das vom Hausschwamm zerfressene Holz ersetzt werden musste.

Ingrid Riedel sieht dem weiteren Fortgang optimistisch entgegen. Besonders auch deshalb, weil es in den neun Jahren, die bereits seit dem Beginn der Sanierung vergangenen sind, jedes Jahr Fördermittel gegeben hat. „Wir haben bislang für die Kirche 850.000 Euro ausgegeben, davon waren 700.000 Euro Fördermittel und 150.000 Euro Eigenmittel, die aus Spenden zusammengekommen sind“, sagte sie. Das Fördergeld stammte aus Fonds der Europäischen Union, des Bundes und des Landes. Geld gab es zudem von privaten Stiftungen. Ausgegeben wurde es für den Dachstuhl, die Fassade, die Decke, die Fenster und für die Patronatsloge. Gerade auf Sachsen habe man immer zählen können, so Ingrid Riedel. Das Land habe auch geholfen, wenn es um notwendige Co-Finanzierungen gegangen sei.

Allerdings geht es im nächsten Jahr um deutlich höhere Summen, die gebraucht werden. Ingrid Riedel sprach von 100.000 Euro, die notwendig seien, um die Elektrik zu erneuern. Wie auch bei anderen Förderungen, muss der Verein dafür stets eigenes Kapital einsetzen. „Das ist jeweils eine große Herausforderung, im Jahr bis zu 20.000 oder gar 30.000 Euro Eigenmittel anzusparen“, sagte Ingrid Riedel.

Spenden sind daher immer willkommen. Kontaktmöglichkeiten und Bankverbindung gibt es hier: Spenden

Landkreis überrascht Weihnachten mit Fördermittelbescheid

Der Anbau für die Patronatsloge soll noch einen Weg und einen behindertengerechten Zugang bekommen.

Weihnachten ist die Zeit der Geschenke, das war auch für den Förderverein für die Kirche Sankt Nikolai in Kitzen nicht anders. Der Landkreis Leipzig bewilligte aus dem europäischen Programm Liaison entre actions de développement de l’économie rurale (zu Deutsch: Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft), das unter dem Kurznamen „Leader“ bekannt ist, Fördermittel. 30 509,35 Euro sind es exakt, die für die sogenannte Umnutzung der Patronatsloge an der Kirche eingesetzt werden können. Das war sozusagen das Tüpfelchen auf dem I, um die Patronatsloge fertigstellen zu können.

Hier entsteht der Mehrzweckraum in der oberen Etage der Patronatsloge.

Dieser Anbau an der Kirche, der einst die persönliche Loge des Patrons – daher der Name –  für die Teilnahme am Gottesdienst sicherte, damit er sich nicht zum gemeinen Volk setzen musste, stand kurz vor dem Verfall. Die Idee des Fördervereins war, diesen Bereich umzubauen, so dass im Erdgeschoss Toiletten eingerichtet werden und in der ersten Etage ein Mehrzweckraum. Die Toiletten waren bereits im Dezember fertiggestellt worden und konnten schon beim letzten Konzert des alten Jahres genutzt werden. Der Raum oben wird voraussichtlich im Februar zur Verfügung stehen.

Der Zugang zu den Toiletten, die bereits nutzbar sind.

Die Leader-Mittel waren insofern das I-Tüpfelchen, weil der gesamte Umbau rund 130 000 Euro gekostet hat bzw. kosten wird. Nach Auskunft von Ingrid Riedel, Vorsitzende des Fördervereins, hatte der Verein bereits 55 000 Euro einer insgesamt 70 000 Euro betragenden Summe einsetzen können, die aus Denkmalpflegemitteln des Freistaates Sachsen zur Verfügung gestellt wurden. Das Komplizierte an dem gesamten Plan war, dass aus den denkmalpflegerischen Mitteln nur bestimmte Teile des Umbaus der Patronatsloge bezahlt werden durften. „Für den Einbau der Toiletten brauchten wir zwingend die Leader-Mittel“, erklärt Ingrid Riedel. Da dieses Geld relativ spät im Jahr bewilligt und ausgezahlt wurde, war eine Zwischenfinanzierung nötig, um die Arbeiten nicht stoppen zu müssen. „Die haben wir unkompliziert und zinsfrei von der Stadt Pegau bekommen. Dafür bedanken wir uns“, sagt Ingrid Riedel. Aus dem jetzt vom Landkreis überwiesenen Geld kann die Überbrückungssumme an die Stadt Pegau zurückgezahlt werden.

Die Treppe führt zur oberen Etage.

So setzen sich schließlich die zu finanzierenden Baukosten von rund 130 000 Euro aus den jetzt erhaltenen Leader-Mitteln, 55 000 Euro vom Denkmalschutz und 45 000 Euro Eigenmitteln zusammen. Die Eigenmittel stammen aus den Einnahmen der verschiedenen Kulturveranstaltungen im vorigen Jahr, besonders aber aus zahlreichen Spenden an den Verein, unter anderem 7 000 Euro von der Kirchgemeinde. Die 15 000 verbliebenen Euro aus den Denkmalpflegemittel des Landes werden für andere Innenarbeiten in der Kirche eingesetzt.

So sollen die neuen Bänke – noch ohne die Sitzpolsterheizung – aussehen.

Der Kampf um Fördermittel geht in diesem Jahr für den Verein natürlich weiter. Wie Ingrid Riedel sagt, werden bis Ende Januar Mittel beantragt, um die Sitzpolsterheizung realisieren zu können. Sie soll – montiert auf die neuen beziehungsweise aufgearbeiteten Bänke –  künftig die Besucher in der Kirche wärmen. Eine erste Bank als Muster steht bereits in der Kirche. 14 weitere Bänke sind bereits für 2018 in Auftrag gegeben worden. Angeschafft werden sollen zudem 50 bis 60 neue Stühle, die ebenfalls eine Sitzpolsterheizung bekommen sollen. Allerdings können die mit Strom „gefütterten“ Heizungen erst angeschlossen werden, wenn die Elektroanlage in der Kirche erneuert worden ist. Geht alles gut und die Fördermittel dafür werden im Laufe dieses Jahres bewilligt, könnte die Sanierung der Elektroinstallation 2019 erfolgen. Es wird also noch etwas dauern, ehe die wärmenden Sitzflächen zur Geltung kommen können. Die erneuerten Bänke sollen letztlich übrigens wieder einen Farbanstrich in einem Grauton bekommen. Die exakte Farbmischung muss noch mit den Denkmalschutzbehörden abgestimmt werden.

Das Nordportal soll saniert werden.

Das bereits sanierte Portal auf der Südseite.

Was passiert noch in diesem Jahr? Neben den Vorarbeiten für die Erneuerung des Innenputzes soll 2018 das romanische Nordportal saniert werden. Das Südportal ist ja bereits saniert worden. Das Nordportal sieht ähnlich aus, befindet sich aber nicht im Freien, sondern ist durch den Vorbau an der Seite zum Pfarrhof geschützt. Dennoch macht sich eine Erneuerung notwendig. Dafür sind die Fördermittel bereits beantragt worden.  Die Arbeiten sollen rund 12 000 Euro kosten. 1000 Euro als Eigenbeteiligung des Vereins liegen schon bereit. Die Restauratorin Birgit Mühler soll die Aufgabe übernehmen. Sie hat bereits das Südportal aufgearbeitet. Im Unterschied dazu muss das Nordportal aller Voraussicht nach nicht abgebaut und in ihre Werkstatt gebracht werden, sondern kann – weil wettergeschützt – an Ort und Stelle bearbeitet werden. Ingrid Riedel hofft, dass die notwendige Finanzierung im April von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bewilligt wird.

Die Decke muss noch einen neuen Anstrich bekommen.

Schließlich soll im Laufe des Jahres auch noch ein ordentlicher Weg zur Patronatsloge gelegt werden, einschließlich einem behindertengerechten Zugang zum Eingang der Patronatsloge. An der Stelle ist noch immer eine beträchtliche Schwelle, die den Zugang zu den Toiletten für Menschen mit Handicap erschwert, wenn nicht gar unmöglich macht. Der Vereinsraum in der oberen Etage wird jedoch nur über eine Treppe erreichbar sein, die Anfang Januar eingebaut worden ist. Möglichst dieses Jahr soll auch noch der Deckenanstrich in der Kirche erfolgen. Die bietet derzeit aufgrund der Erneuerung einzelner Deckenteile einen scheckigen Anblick. Allerdings ist die Finanzierung dafür bislang nicht geklärt.

Was passiert 2018?

Die schwierigen Jahre für die Sanierungsvorhaben des Fördervereins der Kirche Sankt Nikolai reißen nicht ab. Wie Vereinsvorsitzende Ingrid Riedel sagte, bleibt es beim komplizierten Kampf um die Fördermittel. Ohne die ist an einen Fortgang der Sanierung gar nicht zu denken. „Wir werden uns im Jahr 2018 vor allem auf die Beantragung der Fördermittel konzentrieren, die für die Innensanierung der Kirche gebraucht werden“, erklärte die Vereinsvorsitzende. Dabei geht es um die Erneuerung der Elektrik ebenso wie um den Einbau einer Heizung und um neue Stühle.

Was die Heizung betrifft, da gibt es mittlerweile klare Vorstellungen im Verein. Im Zuge der Sanierung der Bänke soll das geschehen. Sie erhalten während der Sanierung Polsterung, in die die Heizung integriert wird. Die Erneuerung der Bänke wird sich nach den Worten Ingrid Riedels über das Jahr 2018 hinweg ziehen. Wirklich nutzbar wird die Heizung ohnehin erst sein, wenn die elektrische Anlage der Kirche erneuert ist. Und das wird erst im darauffolgenden Jahr beginnen. Die Erneuerung der Elektrik kann nur über das europäische Förderprogramm „Leader“ finanziert werden. Damit es 2019 genutzt werden kann, müssen im Jahr 2018 die Anträge erarbeitet und eingereicht werden.

Zu den Zielen im neuen Jahr gehört auch die Sanierung des romanischen Nordportals. Das befindet sich zwar im Inneren des Kircheneingangs vom Pfarrhof her, muss aber dennoch aufgefrischt werden. Dieses Vorhaben ist mit 12000 Euro veranschlagt. Dieses Geld hat der Förderverein bei der Deutschen Stiftung Denkmalpflege beantragt. Ingrid Riedel rechnet damit, dass die Bearbeitung des Antrages sich über das erste Halbjahr hinziehen wird.

Dennoch gibt es Fortschritte zu verzeichnen. 2017 ist bekanntlich an der Patronatsloge gearbeitet worden. Die dort eingebauten Toiletten sind bereits nutzbar, die weiteren Räumlichkeiten werden im neuen Jahr eingerichtet.

Erfreulich ist, dass nicht für alle Arbeiten, die 2018 ausgeführt werden sollen, auf die Fördermittel gewartet werden muss. Laut Ingrid Riedel hat sich die Stadt Pegau bereiterklärt, Geld für eine Zwischenfinanzierung zur Verfügung zu stellen, das dann zurückgezahlt wird, sobald die Fördermittel abgerufen werden können.