Von Steiger bis Holzmichl

Peter Kreißl (l.) und Andreas Tiede als „De Hutzenbossen“

Wollen die wirklich schon Schluss machen, fragt sich mancher im Publikum nach dem 90-minütigen Auftritt der Band „De Hutzenbossen“ am letzten Juli-Samstag 2021? Fördervereinsvorsitzende Ingrid Riedel bringt es auf den Punkt, als sie sich als Gastgeberin des Abends von Peter Kreißl kurz das Mikrofon leiht. „Da fehlt doch noch was?“ fragt sie an die Musiker gewandt. Was denn mit dem Holzmichl sei? Ob er denn noch lebe? „Wir haben es befürchtet, dass die Frage kommt“, entgegnet Kreißl laut lachend und stimmt mit Andreas Tiede das alte Volkslied an, dass die Band „De Randfichten“ in Deutschland berühmt gemacht hat. Und das Publikum auf der Terrasse vom Kitzener Kulturhaus stimmt lauthals ein in den Refrain, der erleichtert deklamiert „Er lebt noch, er lebt noch, stirbt nicht“. Die Zeile steht gleichsam für dieses spezielle musikalische Genre. Damit geht dann aber doch der Abend mit der erzgebirgischen Volksmusikgruppe „De Hutzenbossen“ zu Ende, der mit dem nicht weniger berühmte „Steigerlied“ begonnen hatte.

Dazwischen gab es jede Menge erzgebirgische Lieder, bei denen die mehr als 50 Besucherinnen und Besucher mitsangen und mitschunkelten. Auch im Flachland der Leipziger Tieflandsbucht schaffen es „De Hutzenbossen“, ihr Publikum einzufangen. Der Altersdurchschnitt der Zuhörinnen und Zuhörer ist nicht eben niedrig, da kommen auch die alten Schlager wie „Hello Mary Loo“ (Rickey Nelson 1960), „Rote Lippen soll man küssen“ (die älteste Version geht auf Ruth Brown 1957 zurück) oder „Marina, Marina“ (Rocco Granata 1959) in einem Medley bestens an. Kreißl und Tiede mischen noch „Bergvagabunden“ und „Sierra Madre“ ein, bei denen man so schön mitsingen kann.

Das Publikum ist begeistert.

Am Ende des Abends sind sich alle einig, dass sie ihren Spaß gehabt haben. Wohl auch deshalb, weil „De Hutzenbossen“ nicht nur von der Bühne, die in dem Fall die Stufen zum Kulturhaus sind, agieren, sondern auf ihr Publikum zugehen, es einbeziehen, auch einmal niederknien, über Tische und Bänke gehen und somit zeigen, dass sie selbst Freude an dem haben, was sie da 200- bis 300-mal im Jahr mit Gitarre, Trompete, Steirischer Harmonika und Stimme tun.

Privileg für Kitzen

Das Leipziger Symphonieorchester in der Kirche Sankt Nikolai.

Nach dem Auftritt von Mila Thieme, die nach langer Durststrecke wegen der Corona-Pandemie Ende Mai in die Kitzener Kirche kam, gab es Mitte Juni bereits das zweite Konzert des Jahres. Das Leipziger Symphonieorchester (LSO) lud zu „Chanson de nuit“ (Nachtlied) ein. Für das Publikum in Kitzen war das am Abend des 19. Juni ein doppeltes Privileg. Wie Orchester-Intendant Wolfgang Rögner sagte, war es überhaupt das erste Konzert, dass das LSO in diesem Jahr geben konnten. Und zweites kam der Klangkörper mit nahezu voller Kapelle. „Wir haben 25 feste Ensemble-Mitglieder, können aber auch beliebig mit Gastmusikern erweitern“, erklärte Rögner. Mit 21 Musikern war das Orchester nach Kitzen also fast komplett gekommen. Mehr hätten aus Platzgründen auch gar nicht in die Kirche gepasst.

Annika Paulick überzeugte mit ihrem Sopran.

Der Abend, die Nacht samt Mond und der erwachende Morgen haben von jeher Komponisten inspiriert. Und so konnten Dirigent Andreas Mitschke und das Orchester das Publikum mitnehmen auf eine musikalische Reise mit Stücken von Komponisten aus zwei Jahrhunderten. Das gelang umso eindrucksvoller mit der Stimme der Sopranistin Anika Paulick. Den Auftakt gab das Orchester mit der Ouvertüre aus der Oper „Il mondo della Luna“ (Die Welt auf dem Mond) von Joseph Haydn (1732 – 1809). Franz Schuberts (1797 – 1828) Lied „An den Mond“ interpretierte dann Anika Paulick, die auf der Kanzel in der Kirche einen wunderbaren Platz gleich über dem Orchester gefunden hatte.

Andreas Mitschke am Dirigentenpult.

Dem „Nachtlied“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 – 1847) ging noch das Lied  „Nachtwanderer“ seiner Schwester Fanny Mendelssohn-Hensel (1805 – 1847) voraus, ehe sich das Orchester um einen englischen Musiker des ausgehenden 19. Jahrhunderts kümmerte. Von Edward Elgar (1857 – 1934) erklangen das „Chanson de nuit“ – sozusagen der Titelgeber fürs Konzert – und das „Chanson du matin“. „Sie können für sich selbst entscheiden, ob Ihnen die Nacht oder der Morgen besser gefällt“, sagte Intendant Rögner. Dem Publikum in der gut besetzten Kirche blieb die Wahl erspart – denn es war beides ausnehmend schön. Ebenso das später noch folgende „Salut d’amour“ von Elgar. Dazwischen platzierten die Musiker einen anderen Morgen mit Haydns Sinfonie Nr. 6 „Le matin“.

Gut besucht war das Konzert.

Sozusagen als Kontrapunkt zur eingangs gespielten Welt des Mondes von Haydn setzten die Musiker anschließend das Reich des Mondes mit „Il regno della Luna“ von Niccolò Piccinni (1728 – 1800), ein Zeitgenosse von Haydn. Einen bemerkenswerten Abschluss gab es mit dem „Lied an den Mond“ aus der märchenhaften, romantischen und tragischen Oper „Rusalka“ von Antonin Dvorak. Anika Paulicks Stimme verzauberte die Besucher, die sich mit enthusiastischem Beifall bedankten und sich gleich noch eine Zugabe erarbeiteten. Über ein Wiedersehen mit den Leipziger Symphoniker würden sich gewiss alle freuen.

Viel Beifall gab es am Ende.

Randnotiz: Als am 27. Juni 2010 ein Konzert in der Kirche stattfand, kollidierte die Veranstaltung mit der zeitgleichen Übertragung des Fußballspiels Deutschland gegen England bei der Weltmeisterschaft in Südafrika (Achtelfinale – 4:1). Die Besuchersitze beim Konzert waren daher nur spärlich besetzt. An diesem 19. Juni 2021 spielte zeitgleich Deutschland gegen Portugal bei der Fußball-Europameisterschaft (Gruppenspiel – 4:2). Das Konzert des Leipziger Symphonieorchester war trotzdem gut besucht. Was sagt uns das? Entweder sind wir weniger fußballaffin geworden oder die Pandemie hat uns kulturversessener gemacht. Wie auch immer, beim nächsten Konzert am 31. Juli ist die Fußball-EM bereits Geschichte.

Moskauer Nächte am Kitzener Nachmittag

Mila Thieme begeisterte das Publikum.

Sieben Monate und zwölf Tagen gingen ins Land, ehe der Förderverein für die Kirche Sankt Nikolai Kitzen wieder ein Konzert organisieren durfte. Am 18. Oktober 2020 hatte das Leipziger Symphonieorchester seinen Auftritt. Seither hatte die Corona-Pandemie alle anderen Veranstaltungen zu Fall gebracht. Dass das erste Konzert nach sinkenden Infektionszahlen ausgerechnet das mit der in Russland gebürtigen Sängerin Mila Thieme am 30. Mai 2021 war, hat fast Symbolcharakter. Denn ihr bereits für den April 2020 geplanter Auftritt war die erste Veranstaltung, die im vorigen Jahr der Infektionswelle zum Opfer gefallen war.

Mila Thieme aus Bad Lausick überzeugte die Besucher mit ihrer fantastischen Mezzosopranstimme bei der Darbietung von deutschen Schlagern und bekannten russischen Liedern. Die Interpretin, die in Kasan geboren und aufgewachsen ist und in Nabereschnyje Tschelny sowie Moskau Gesang studiert hat, war selbst einigermaßen aufgeregt, wie sie sagte. Denn es war ihr erster Auftritt seit mehr als einem Jahr. „Seit Beginn der Corona-Pandemie habe ich nicht mehr vor Publikum gesungen“, erzählte sie im Anschluss. Nun hoffe sie, dass sie wieder regelmäßig Konzerte geben kann.

Apropos: Wer mit Nabereschnyje Tschelny nichts anfangen kann, dem sei erklärt, dass es sich um eine Stadt mit mehr als einer halben Million Einwohner handelt, in der Russlands größter Lkw-Hersteller „Kamaz“ zu Hause ist.

Für das Konzert in der Kitzener Kirche hatte sie sich zum Auftakt mit „Ich liebe das Leben“ gleich mal einen mittlerweile zum Evergreen gewordenen Titel von Vicky Leandros von 1975 geschnappt und den Nerv des Publikums getroffen. Schön zu hören war ebenso eine deutsch-russische Version des Mary-Hopkins-Klassikers „Those were the days“. Die Waliserin hatte den Welthit 1968 erstmals gesungen, dessen Melodie allerdings auf ein bereits 1917 interpretiertes russisches Lied zurückgeht – Dorogoi dlinnoju (Entlang der langen Straße); also durchaus passend zu einem Nachmittag mit deutschen und russischen Melodien. Sozusagen Gegenstücke verkörperten das Lale-Anderson-Lied „Lili Marleen“ von 1939 und der ein Jahr früher entstandene russischer Schlager „Katjuscha“. Mila Thieme erinnerte mit ihrem Vortrag zugleich, dass Katjuscha nicht der einzige weltbekannte Hit russischer Texter und Komponisten ist. Mit Podmoskownyje Wetschera (Moskauer Abende) sang sie einen Titel, der in Deutschland unter dem Titel „Moskauer Nächte“ bekannt wurde und international in zahlreichen Versionen als „Midnight in Moscow“. Begeisterung löste Mila Thieme mit „Kalinka“, dem 160 Jahre alten Lied über die Beeren im Garten aus, mit dem schon Iwan Rebroff Erfolge feierte und jedes russische Folklore-Ensemble wo auch immer auf der Welt die Zuhörer von den Sitzen reißt. Und dann wurde es beinahe weihnachtlich. Die Titelmusik aus dem tschechisch-deutschen Märchenfilmklassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, der um die Weihnachtszeit reihenweise durch die TV-Programme läuft, klang durch den Raum. Mila Thieme interpretierte die vokale Fassung „Küss mich, halt mich, lieb mich“, die Ella Endlich 2009 eingesungen hat. Zum Abschluss gab es als Zugabe einen der vielleicht beliebtesten tanzbaren Titel, Andrea Bergs „Du hast mich tausendmal belogen“.  Wenn es vielleicht nächstes Jahr ein Wiedersehen in der Kitzener Kirche oder bei einem Open Air am Kulturhaus gibt, fände das bestimmt jede Menge Anklang, wie der lange Applaus gezeigt hat.

Testen, testen, testen – fürs Publikum eine leicht gemachte Sache vor dem Konzert.

Wenige Tage vor dem Termin hatte Fördervereinsvorsitzende Ingrid Riedel unter diversen Auflagen vom Gesundheitsamt des Landkreises grünes Licht für die Veranstaltung bekommen. Die Auflagen: Maximal durften rund 60 Besucher in die Kirche, alle mussten getestet werden, es sei denn sie waren vollständig geimpft oder hatten Corona überstanden. Dass das alles perfekt funktioniert hat, ist dem mittlerweile pensionierten Kitzener Arzt Albrecht Kunzmann und seiner Frau sowie Friedemann Schmidt von der Seume-Apotheke in Leipzig, unterstützt von seine Sohn, zu danken. Sie nahmen die für die Besucher kostenlosen Tests vor. Ein Dankeschön auch an Beate Reuter, die die Daten der Besucher akribisch erfasste. Ein Lob gilt zudem Hilde Grewe und Gerlinde Wippert, die sich unter Top-Hygienebedingungen um den Kaffeeausschank und das Kuchenbuffet kümmerten.

Ein Jahr zum Vergessen? – Durchaus nicht!

Das Jahr 2020 war eins zum Vergessen. Was immer wir uns in der Neujahrsnacht 2019/2020 – das ist in vielen Fällen der Augenblick für die mehr oder weniger guten Vorsätze und Wünsche fürs neue Jahr – vorgenommen haben, es hatte sich zum größten Teil im März des Jahres erledigt. Doch man ist leicht dabei, den Stab über das Jahr zu brechen. Nicht in jeder Hinsicht ist es eins zum Vergessen, zumal wir uns noch lange daran erinnern werden. In der jüngeren Geschichte hat es Schlimmeres gegeben als das Tragen von Masken und den Ausfall von Veranstaltungen, als geschlossene Läden und stornierte Reisen. Meine Großeltern, die Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts geboren wurden, haben ganz anderes erlebt in zwei Weltkriegen und auf der Flucht von der in der heutigen Ukraine gelegenen Heimat bis nach Mitteldeutschland.

Der neue Leuchter in der Kirche ist sehenswert (mehr dazu am Schluss des Beitrages)

Und so lohnt sich auch ein Jahresrückblick auf das Geschehen an und in der Kirche Sankt Nikolai Kitzen. Trotz aller Corona-Hemmnisse ist es dem Förderverein gelungen, die Innensanierung der Kirche im zehnten Jahr der Baumaßnahmen abzuschließen. Das ist wahrlich nicht zum Vergessen. Die Vorsitzende des Fördervereins Ingrid Riedel kann eine richtig gute Bilanz ziehen. „Die 2019 begonnene Innensanierung wurde 2020 mit der Komplettierung der Elektrik sowie der Erneuerung der Sakristei und des Vorraums am Nordportal und Fliesenarbeiten im Altarraum abgeschlossen.“ Auch die Restauration am Nordportal ist erfolgreich beendet worden. 2019 waren ja bereits die Putz- und Malerarbeiten im gesamten Kirchenraum erfolgt. Ganz wesentlich für die weitere künftige Nutzung der Kirche als Gotteshaus für die Kirchgemeinde, aber eben auch als kulturelle Veranstaltungsstätte waren die restlichen Elektrikerarbeiten. Damit ist es möglich geworden, die Sitzpolsterheizung der aufgearbeiteten beziehungsweise neuen Bänke auch mit Strom zu versorgen und nutzbar zu machen. Beim Konzert des Leipziger Symphonie Orchesters im Oktober 2020 konnten sich die Besucher von der neuen Heizung durchwärmen lassen. Gern hätten sie das sicher auch beim für den ersten Advent geplanten Gospelkonzert oder dem Auftritt der Thomas-Kantorei getan, aber die fielen letztlich dem verordneten Veranstaltungsverbot und dem gesunden Menschenverstand zum Opfer.

Der Auftritt des Leipziger Symphonie Orchesters war eins von nur zwei Konzerten 2020.

Bislang sind damit nach Aussagen von Ingrid Riedel 1,5 Millionen Euro in die Sanierung des Kirchenbauwerks geflossen. „Davon waren zirka 300.000 Euro Eigenkapital, das der Förderverein mit Hilfe von Spenden, Einnahmen aus Kulturveranstaltungen sowie freiwillige Arbeitsleistungen zusammengebracht hat“, sagt Ingrid Riedel. Das Eintrittsgeld zu den Veranstaltungen spielt im Haushalt des Fördervereins alles andere als eine untergeordnete Rolle. Deshalb gehen mit dem Ausfall der Konzerte im Jahr 2020 umfangreiche Einbußen einher. Mit einem Geschichtsvortrag von Carsten Iwan und den Auftritten von Tino Standhaft/Norman Dassler und des Leipziger Symphonie Orchesters konnten lediglich drei Veranstaltungen stattfinden. „Das hat uns empfindlich getroffen“, sagt die Vereinsvorsitzende.

Und da für das neue Jahre nicht absehbar ist, wie es weiter gehen kann und wird, steht die Eigenkapitalbeschaffung unter keinem guten Stern. Zwar plant der Verein ab April Veranstaltungen, ob sie jedoch stattfinden können, wird man erst noch sehen. Unter anderem ist für April ein Auftritt des Leipziger Kammerchors, für Juni des Leipziger Symphonie Orchesters und für Juli der Hutzenbossen mit erzgebirgischer Volksmusik geplant. Angefragt wurde auch beim Kabarettisten Bernd-Lutz Lange wegen einer Lesung. „Die Einnahmen wären immens wichtig, weil es ja noch ein großes Sanierungsvorhaben gibt“, sagt Ingrid Riedel. Und das ist die Instandsetzung des Kirchturms samt Uhr.

Die Zifferblätter befinden sich in unterschiedlicher Höhe. Das soll sich mit der Turmsanierung ändern.

Für die vorgesehene Sanierung laufen derzeit Voruntersuchungen und Begutachtungen, die sich noch bis zum Frühjahr hinziehen werden. So werden statische Untersuchungen angestellt, um herauszufinden, ob die am Mauerwerk angebrachten Zugbänder weiter erforderlich sind. Untersucht wird ebenso, ob die Glockenschläge Ursache für Rissbildungen sind. Außerdem wurde ein holzschutztechnisches Gutachten in Auftrag gegeben. Erst wenn alle Erkenntnisse vorliegen, kann über den tatsächlichen Umfang der Sanierung etwas gesagt werden. Zum Beispiel ist noch unklar, ob der Glockenstuhl erneuert werden muss. „Im Moment rechne ich mit einem Aufwand von etwa 300.000 Euro für die Turmsanierung“, sagt Ingrid Riedel. Wieviel davon aus eigener Kraft aufgebracht werden muss, hängt davon ab, welche Fördermittelzusagen es zu welchen Konditionen gibt. Es ist durchaus möglich, dass der Förderverein wenigstens ein Drittel der Investitionssumme aufbringen muss.

„Wir hoffen derzeit, dass im Laufe des Jahres 2021 die Außensanierung samt Turmuhr abgeschlossen werden kann“, schätzt Ingrid Riedel ein. Die Turmuhr steht derzeit still, weil sie täglich aufgezogen werden müsste, was bedeutet, dass tagtäglich jemand den Turm besteigen müsste. Außerdem hängen die Zifferblätter an den Turmseiten auf unterschiedlichen Höhen. Das soll ausgeglichen werden. Die Uhr bekommt ein Funk-Uhrwerk, das elektrisch betrieben wird. Insgesamt werden sich die Sanierungsarbeiten bis ins Jahr 2022 hinziehen. Wegen des zu erwartenden Staubes bei den Arbeiten kann erst danach wieder die Orgel eingebaut werden.

Fertiggestellt wurden in diesem Jahr auch die angekündigten Filme über die Kirche. Einen kurzen kann man auf Youtube sehen. Zirka fünf Minuten dauert der sehenswerte Streifen. Darüber hinaus gibt es noch zwei andere Filme, die jeweils etwa 20 Minuten lang sind und einerseits die Sanierungsarbeiten zwischen 2010 und 2020 beschreiben sowie andererseits die Architektur des denkmalgeschützten Bauwerks. Die beiden längeren Filme wird es demnächst auf einer DVD geben, die gegen ein geringes Entgelt erworben werden kann. Außerdem will der Förderverein die Filme als Werbung für Kitzen und Kirche einsetzen.

Schön geschmückt war die Kirche zur Weihnachtszeit, auch wenn es nicht viele sehen konnten.

Zum Schluss noch etwas Besonderes: Mitte im Raum gibt es neuerdings in der Kirche einen Kronleuchter. Ingrid Riedel und Ehemann Siegwald Bilesch hatten schon lange die Idee für ein solches Accessoire. „Wir haben das im Familienkreis besprochen. Und unser kreativer Schwiegersohn hat den Leuchter entworfen und angefertigt. Als unsere familiäre Spende ist der Leuchter mittlerweile an der Decke angebracht.“ Bleibt die Hoffnung, dass im neuen Jahr wieder Publikum in die Kirche strömen darf, um unter anderem diese ganz spezielle Erleuchtung zu erfahren.

Perfekt im alten Stil

Zum klasischen Konzert mit dem Leipziger Symphonie Orchester hatte der Förderverein am 18. Oktober eingeladen. Und die Leipziger Symphoniker hielten, was sie versprachenn. Mit Werken von Edvard Grieg, Johann Baptist Neruda und Wolfgang Amadeus Mozart begeisterten sie die rund 70 Besucher in der Kitzener Kirche Sank Nikolai. Damit war die frisch sanierte Kirche auch ausverkauft, denn das Hygienekonzept angesichts der weiter fortschreitenden Corona-Pandemie erlaubte nicht mehr Gäste.

Das Leipziger Symphonie Orchester in der Kirche Sankt Nikolai.

Den Auftakt gab der Klangkörper unter dem Dirigat von Andreas Mitschke mit der Suite im alten Stil „Aus Holbergs Zeit“. Das Musikstück hatte der Norweger Edvard Grieg (1843 -1907) dem 200. Geburtstag des dänisch-norwegischen Dichters Ludvig Holberg im Jahre 1884gewidmet.

Fortgesetzt wurde das Konzert mit dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Konzert für Trompete und Streicher, das als das bekannteste Werk des bömischen Komponisten und Violinisten Johann Baptist Neruda (1707 – 1780) gilt. Carsten Schirm brillierte dabei an der Trompete.

Den Schlusspunkt setzte das Orchester mit der Sinfonie Nr. 29 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791). Vollendet hat Mozart diese Sinfonie bereits im Alter von 18 Jahren.

Andreas Mitschke am Dirigentenpult.
Carsten Schirm an der Trompete.

Standhaft/Daßler zum Dritten

Tino Standhaft (l.) und Norman Daßler waren bereits zum dritten Mal für ein Konzert in Kitzen.

Nach 2017 und 2019 waren sie wieder da. Tino Standhaft und Norman Daßler kam dabei ein Privileg zu. Der Auftritt der beiden Rockmusiker aus Leipzig war das erste Konzert nach dem Abschluss der Sanierung in der Kirche Sankt Nikolai Kitzen. Der hätte früher sein sollen, aber die Corona-Pandemie verhinderte bislang in diesem Jahr Veranstaltungen in der Kirche. Daher sollte der Auftritt von Standhaft/Daßler am 26. September eigentlich unter freiem Himmel im Pfarrhof stattfinden. Ein entsprechendes Hygienekonzept war von der zuständigen Behörde genehmigt worden. Doch der Dauerregen machte ein Konzert im Freien unmöglich. Kurzfristig wurde in die Kirche umgezogen, ebenfalls unter strengen Hygieneregeln. Nur Besucher aus einem Haushalt durften beisammensitzen, ansonsten wurden die Zuschauer und -hörer weit auseinandergesetzt. Das Hinein und Hinaus in und aus der Kirche wurde über getrennte Türen an der Süd- und an der Nordseite geregelt. Getränke und Speisen durften nicht mit hineingenommen werden. „Maske auf!“ hieß das Motto.

Letzteres galt nicht für Standhaft/Daßler – die sollten schließlich spielen und singen. Und das taten sie in bekannt wunderbarer Manier. Im Teil des Abends holten sie Rock- und Bluessongs unterschiedlichster Musiker der 1970er Jahre hervor. So schallte Eric Claptons „Cocain“ ebenso durch die Kirche wie „Keep on Running“ von der Spencer Davis Group, „Can´t find my Way home“ von Blind Faith erklang und „Locomotiv Breath“ von Jethro Tull. Um besonders gut gerüstet zu sein für „Circle oft the world“ von Ritchie Blackmore, stimmte Standhaft extra noch einmal seine Gitarre. „Das Lied ist so schön, dafür muss alles stimmen“, meinte Standhaft lachend.

Im zweiten Teil des Abends gab es dann, wofür Standhaft/Daßler besonders gern in die Saiten greifen und die Stimmen nicht schonen. Eine Stunde lang holten sie Neil Young in den Raum. „On the beach“ fehlte ebenso wenig wie „Heart of gold“ oder „Comes a time“, „Old man“ oder „The needle and the damage done“ und „Words“. Standhaft setzte bei einigen der Songs noch die Mundharmonika ein. Alles einfach fantastisch anzuhören.

Natürlich wollten die Besucher die beiden Rocker nicht ohne Zugabe ziehen lassen. Die gabs dann dreifach, unter anderem mit „Rockin´ in a free world“. Einer von jenen Titeln, wie Standhaft anmerkte, die US-Präsident Donald Trump ohne zu fragen bei seinen Wahlkampfveranstaltungen nutzte, wofür ihn Neil Young mittlerweile verklagt hat.

In Sankt Nikolai hatte niemand Grund zur Klage, als sich die Konzertbesucher nach gut zwei Stunden Rockgeschichte zutiefst zufrieden auf den Heimweg machten. Der eine oder andere sicher mit dem Gedanken, auch ein viertes Mal für die zwei Rocker in oder an die Kirche zu kommen.

Nach einem Abend, bei dem die beiden Musiker auch optisch in bestes Licht gesetzt wurden. Hier noch ein paar Bildimpressionen des Abends:

Die Kirche im Film

Mit einem Film will der Förderverein für die touristische Nutzung des Kulturdenkmals Kirche Sankt Nikolai Kitzen werben.

Mehr als 800 Jahre gibt es eine Kirche in Kitzen beziehungsweise Hohenlohe. Seit zehn Jahren wird das Bauwerk saniert. Ebenso lange gibt es die Kultursonntage in der heutigen Kirche Sankt Nikolai Kitzen mit ihren Konzerten und anderen Veranstaltungen. All das wird jetzt in einem Imagefilm über die Kirche zusammengefasst. Der Förderverein hat dafür aus europäischen Förderprogrammen Geld bekommen. „Seit kurzem liegt uns der Fördermittelbescheid vor“, sagt Vereinsvorsitzende Ingrid Riedel. 42 840 Euro fließen für die Produktion des Films zum Verein. Das sind 90 Prozent der Produktionskosten.  Die restlichen zehn Prozent bringt der Verein aus Eigenmitteln auf. Die zuständigen Behörden des Freistaats Sachsen haben anerkannt, dass ein solcher Film der touristischen Entwicklung der Region förderlich ist und die Finanzierung aus den europäischen Programmen LEADER und EPLR bewilligt.

Restauratorin Birgit Mühler hat bei den Dreharbeiten viel zu erklären

Und so können nun Steffen und Liane Lehmann, die mit der Firma Videoproduktion Deutschland in Kitzen ansässig sind, Szene um Szene in und an der Kirche drehen. „Der Film gliedert sich in drei Teile“, sagt Ingrid Riedel. Zum einen geht es um die Kultur- und Bauhistorie der Kirche, deren Anfänge in die romanische und den Beginn der gotischen Epoche einzuordnen sind. Zum zweiten wird die bislang zehnjährige Sanierungszeit mit all ihren Besonderheiten wie der denkmalgerechten Gestaltung erfasst. Und im dritten Teil beschäftigt sich der Film mit der kulturellen und touristischen Nutzung und dem Zusammenwirken mit der Bevölkerung.

Der Turm soll nun auch saniert werden.

Der Film soll einerseits ein Dankeschön sein an all jene, die im Laufe der Jahre an der Sanierung mitgewirkt haben. Andererseits soll er Menschen Appetit machen, sich das Kleinod einmal anzuschauen. Die entstehende DVD wird also einerseits als Repräsentationsgeschenk dienen, vor allem jedoch potenziellen Partnern zugesandt. „Wir hatten schon einmal Kontakte zu einem Reisebüro in Dresden und konnte aufgrund dieser Verbindung bereits dreimal Gruppen von etwa 50 Menschen in der Kirche empfangen, die sich sehr angetan gezeigt haben vom Bauwerk und seiner Nutzung“, erzählt die Vereinsvorsitzende. Daran will der Förderverein nun anknüpfen und mithilfe des Films Kitzen als ein Ziel im Leipziger Neuseenland etablieren. Dafür ist Ingrid Riedel derzeit im Gespräch mit dem Reiseunternehmen Polster und Pohl. Unter dieser Zielstellung werden weitere Kooperationen angebahnt wie die Einbeziehung von Kitzen in die Wanderungen im Neuseenland. „Geplant ist zudem eine Zusammenarbeit mit Andrea Auster vom Wunderbrunnen, die voraussichtlich im nächsten Jahr am ehemaligen Wasserwerk eine Imkerei und einen Hofladen einrichten wird“, berichtet Ingrid Riedel. Kontakte gibt es nach ihren Worten ebenfalls zum Verein Elsterfloßgraben. Dieses technische Denkmal hat seinen Bachlauf bekanntlich auch in Kitzen. Weiteres Potenzial sieht die Vereinsvorsitzende in der Lage Kitzens am sogenannten Grünen Ring, einem Radwegesystem rund um Leipzig.

Auftritte in der Kirche, wie hier für den Film in Szene gesetzt, gehören zum Angebot des Fördervereins

Die Bewilligung der Fördermittel für den Film machen dem Verein Mut, trotz der Auswirkungen der Corona-Krise in diesem Jahr weiter mit Optimismus an die nächsten Ziele zu denken. Das ist vor allem die geplante Sanierung des Kirchturms. „Wir werden noch in diesem Jahr Angebote einholen, um uns über die Anzahl der Gewerke und der Kosten klar zu werden“, sagt Ingrid Riedel. Der nächste Schritt ist dann, für das kommende Jahr Fördermittel zu beantragen. Die für derartige Vorhaben notwendigen Eigenmittel aufzubringen war niemals leicht, wird im Moment aber noch zusätzlich erschwert. „Aufgrund der aktuellen Situation sind ja bereits mehrere Veranstaltungen ausgefallen. Das bedeutet eine erhebliche Einbuße bei den Einnahmen für den Verein“, begründet Ingrid Riedel die derzeitigen Sorgen. Zum Glück habe der Verein wieder 5000 Euro aus der privaten Katharina und Gerhard Hoffmann Stiftung erhalten. Dieses Geld könne unter anderem als Eigenkapital zur Kofinanzierung von Fördermitteln eingesetzt werden.

Übrigens …

… die Sanierung in der Kirche ist planmäßig weitergegangen. Die neuen Bänke mit der Sitzheizung stehen bereits auf ihren Podesten, auch wenn sie vorerst noch abgedeckt sind. Im Altarraum sind die neuen Sandsteinplatten gelegt worden. Damit kam der Förderverein einer Auflage der Denkmalpflege nach, die nicht denkmalgerechten Teile des Fußbodens im Altarraum zu ersetzen. Im Klartext heißt das, der Veranstaltung des Konzerts am letzten Aprilsonntag würde aus dieser Sicht nichts mehr im Weg stehen. Ob es allerdings wirklich stattfinden kann, ist wegen der Corona-Epidemie noch ungewiss. Der Förderverein muss erst noch abwarten, welche Regelungen es in Sachsen nach dem 20. April gibt.

Wir werden die Freunde des Fördervereins und der Kultursonntage rechtzeitig informieren.

Offen ist im Inneren der Kirche noch die Erneuerung des Fußbodens in der Sakristei. Das wird als nächstes in Angriff genommen. Der alte Boden ist bereits entfernt worden.

Die neuen Sandsteinplatten liegen.
Unter den Abdeckplanen stehen die neuen Bänke an ihrem richtigen Platz.

Kennen Sie Ihre Vorfahren?

Mag sein, dass es den einen oder anderen nicht so sehr beschäftigt. Aber viele Menschen wollen wissen, von wem sie abstammen, woher ihre Vorfahren gekommen sind. Carsten Iwan beschäftigt sich seit einigen Jahren damit. An einem Februarsonntag 2020 stand er nun mit Computer, Beamer und seinem Wissen im Saal des Schlosses Kitzen, um Interessierten ein paar Tipps zu geben, wie sie es anfangen können, einen Stammbaum zu erstellen.

Carsten Iwan bei seinem Vortrag zur Familienforschung.

Die einfachste Methode, um ein Stück in die Vergangenheit vorzudringen, ist: „Fragen Sie Ihre Eltern und Großeltern, was sie von ihren Eltern und Großeltern wissen“, sagte Carsten Iwan. Damit gab er auch gleich den Fingerzeig, den Beginn dieser Art der Forschung nicht auf jene Zeit zu verschieben, wenn man persönliche im Ruhestand ist und vermeintlich Zeit hat. „Dann könnte es für die eine oder andere Befragung schon zu spät sein“, so Iwan. Allerdings wird da schon klar, sehr weit kann man in die Vergangenheit nicht vordringen, es sei denn, die Eltern oder Großeltern und mit einer Portion Glück die Urgroßeltern verfügen über Aufzeichnungen davorliegender Zeiten. Möglicherweise gibt es Familien- beziehungsweise Familienstammbücher, die in Deutschland um 1875 eingeführt worden sind. Oft sind die allerdings in Zeiten der Wirren des Zweiten Weltkriegs abhandengekommen. Und persönlich aufgezeichnet haben die wenigsten Familien ihre Ahnentafeln.

Die nächstliegenden Quellen sind dann Standesämter – die wurden ebenfalls erst in den 1870er Jahren eingeführt – und Kirchenbücher. Letztere gibt es in Deutschland flächendeckend seit dem 16./17. Jahrhundert. Damit werden die Grenzen der Ahnenforschung sichtbar. Aber immerhin könnte man mit Glück und Ausdauer ein knappes halbes Jahrtausend in die Vergangenheit seiner Familie zurückreisen.

Nun stammen unsere Familie nicht zwingend über mehrere Generationen aus der unmittelbaren Region. Die Siedlungspolitik deutscher Königreiche hat im 18. und 19. Jahrhundert zu manch kleiner Völkerwanderung geführt, die sich vor allem in Richtung Ost- und Südosteuropa entwickelte. Und umgekehrt gab es im 20. Jahrhundert in der Folge zweier Weltkriege, aber auch der gesellschaftlichen Veränderungen zum Beispiel in der Sowjetunion enorme Bevölkerungsbewegungen. Unter den Bedingungen Dokumente über die Familienherkunft zu erlangen, ist meist deutlich schwieriger, als sich in die nächsten Stadesamt- oder Kirchenarchive zu begeben. Aber Carsten Iwan hat es ausprobiert und ist in Sachen Familienforschung auch außerhalb der Staatsgrenzen fündig geworden, wie er sagte.

Im heutigen intermedialen Zeitalter gibt es zudem zeitsparende Zugriffsmöglichkeiten. In den letzten Jahren sind verschiedene Programme entwickelt worden. Die Links zu einigen Beispielen:

https://www.daubnet.com/de/produkte

https://www.familysearch.org/de/

https://www.ancestry.de/

Es gibt noch viele mehr. Wobei klar sein muss, dass es nicht auf Anhieb in die tatsächliche Familiengeschichte führt und bei der Nutzung verschiedenster Programme entstehen Kosten für die entsprechenden Lizenzen.

Das trifft durchaus auch zu, wenn man sich an Archive wendet, egal ob persönlich, telefonisch oder online. Auch hier ein paar Beispiele:

https://www.archiv.sachsen.de/

https://www.archion.de/de/

https://landesarchiv.sachsen-anhalt.de/startseite/

Wer sich zu seinen Wurzeln vortasten will, wird in jedem Falle viel Geduld und Ausdauer haben und einige Euro in die Hand nehmen müssen, wie Carsten Iwan deutlich machte. Allerdings, der persönliche Lohn ist nicht schlecht und vielleicht danken es einem auch noch Enkel, Ur- oder Ur-ur-Enkel. Vorausgesetzt, das Interesse an der Vergangenheit lässt auch in den nachfolgenden und zukünftigen Generationen nicht nach.

Ein Ende ist in Sicht

Zum Adventskonzert am 1. Dezember 2019 mit dem Pegauer Elsterchor, der eine große Besucherschar begeisterte, und beim Adventsmarkt im Pfarrhof am 7. Dezember konnten die Besucher schon mal einen Blick in die frisch gestrichene Kirche werfen. Das Ergebnis dieses Teils der Sanierungsarbeiten gibt dem Inneren der Kirche einen Anblick, der überragend ist. Die Düsternis des Deckengebälks und die Tristesse der durch Alter und diverse Arbeiten ramponierten Wände ist verschwunden. Der nächste Schritt ist in den kommenden Wochen, die Installation der erneuerten Sitzbänke mit ihrer Sitzpolsterheizung. Die sollten beim ersten Konzert des Jahres am 26. April, 16 Uhr mit Mila Thieme (mehr unter Veranstaltungen 2020), das musikalische Erlebnis noch einmal deutlich versüßen.

Blick in den Südarm der Kirche nach dem erneuerten Anstrich.

Auch wenn innerhalb des Kirchenraums noch einige Arbeiten zu erledigen sind, sollten sie die Nutzung des Hauses in diesem Jahr nicht mehr beeinträchtigen. Allerdings hat der Förderverein für sein Jahres-Kulturprogramm auch Alternativen. So wird es ebenfalls Veranstaltungen im Pfarrhof geben und auf der Terrasse des Schlosses Kitzen. Jener Veranstaltungsort hatte im vorigen Jahr, als die Kirche wegen der Sanierungsarbeiten gar nicht genutzt werden konnte, bei den Besuchern Anklang gefunden. „Deshalb wollen wir ihn auch in diesem Jahr nutzen“, sagt die Vorsitzende des Fördervereins Ingrid Riedel. So wird zum Beispiel das Rockkonzert mit Tino Standhaft und Norman Dassler am 29. August, 19 Uhr, dort stattfinden.

Was die Restarbeiten in der Kirche betrifft, da zeigt sich Ingrid Riedel optimistisch, dass die wirklich in diesem Jahr abgeschlossen werden können. Den Optimismus bezieht sie einerseits daraus, dass es gemessen an der bisherigen Gesamtleistung der vergangenen Jahre wirklich nur noch Restarbeiten sind, die erledigt werden müssen. Andererseits gründet sich der Optimismus auch darauf, dass die Fördermittel aus dem Sonderförderprogramm für Denkmalschutz des Freistaates Sachsen noch ausgangs des vorigen Jahres deutlich aufgestockt wurden. Nach den Worten von Ingrid Riedel wurden die ursprünglich zugesagten 83600 Euro noch einmal ordentlich aufgewertet. Es gab jetzt insgesamt 120000 Euro aus dem Programm, die auch noch im neuen Jahr verwendet werden können. Der Verein nutzt das Geld, um Fußbodenarbeiten im Altarraum ausführen zu lassen sowie den Fußboden in Sakristei zu erneuern. Zudem wird der Nordvorraum, in dem sich das bereits sanierte Nordportal befindet, instandgesetzt.

Wenn der Verein zum Tag des offenen Denkmals am 13. September einlädt, dürften auch diese Anstrengungen Geschichte sein, hofft Ingrid Riedel. Dann ist das auch eine gute Gelegenheit, nach zehn Jahren Sanierung einen vorläufigen Endpunkt zu feiern.