Die spanische Nacht

Cobario bei ihrem Auftritt in der Kitzener Kirche.

Der eine Rekord wurde nicht gebrochen. Kitzen war für das Trio Cobario nicht der kleinste Ort, in dem es je aufgetreten ist. „Nein, ich glaube, das war ein kleiner Ort in der Nähe von Erfurt“, sagte Herwig Schaffner, der am Ende des Konzert gerade seine Geige beiseitegelegt hatte. Georg Aichberger und Peter Weiss – beide noch die Gitarren in der Hand – lachen dazu verschmitzt. „Aber wir mussten schon auf der Landkarte eine Weile suchen, um Kitzen zu finden“, meinte Aichberger. Dann habe man schnell gesehen, dass Kitzen in einer Region liegt, in dem das Trio schon gespielt hat. „Bei der Nähe unter anderem zu Leipzig war uns klar, dass ein Auftritt in eurer Kirche passen könnte“, ergänzte Weiss. Dass dann am letzten Juli-Samstag 2025 die Kirche vor lauter Besuchern aus allen Nähten zu platzen schien, das habe man so allerdings nicht erwartet. Denn dieser Rekord wurde gebrochen: Noch nie in der mittlerweile anderthalb Jahrzehnte andauernden Veranstaltungshistorie des Fördervereins Sankt Nikolai waren 190 Gäste gekommen.

Pure Begeisterung beim Publikum in der brechend vollen Kirche.

Für die Organisatoren hieß das unter anderem: Stühle, Stühle, Stühle schleppen. Alles, was im Umfeld an Sitzgelegenheiten aufzutreiben war, wurde in die Kirche getragen. Sogar Stehplätze sind vergeben worden. Und dennoch blieben wenigstens zwei Dutzend Kartenwünsche unerfüllt. Es passte partout niemand mehr in den Raum, ohne den Musikern auf den Füßen zu stehen.

(Hier gibt es einen kurzen Zusammenschnitt aus dem Konzert von Cobario.)

Irgendwie hatte es sich herumgesprochen, dass die drei Musiker von Cobario, die aus Wien angereist waren, etwas Außergewöhnliches zu bieten hatten. Und sie hielten, was versprochen war. Vor allem war es Musik aus eigener Komposition, die sie mal rasant, mal verträumt, mal verspielt, mal leiser, mal lauter von ihren Instrumenten aus unter dem Thema „Spanische Nacht“ in den Raum schweben ließen.

Herwig Schaffner

Auf ihren langen Autofahrten quer durch Europa und bis nach Mittelasien und in unzähligen Hotels haben sie viel gesehen und gehört, und sie haben immer wieder ihre Eindrücke zu Noten gemacht. Aus dem weißen Schaf, das in den schottischen Highlands plötzlich auf einem Hügel auftauchte, wurde so der Titel „Wildflower“. Als die beiden Gitarren und dann die Geige bei diesem Stück erklingen, kann man sich fallen lassen und die Augen schließen und sich hineinträumen in das schottische Hochland, irgendwo bei Fort William oder Sterling oder am Loch Ness.

Gut träumen lässt sich auch beim Titel „Café Brazil“. Dabei führt Schaffner mit seiner Geige musikalisch in ein Wiener Kaffeehaus, ehe Aichberger und Weiss mit ihren Gitarren das Publikum in eine brasilianische Nacht holen. Und wieder geht es zurück ins Kaffeehaus und plötzlich versinkt man erneut in der heißen brasilianischen Nacht.

Wiener Charme eben – Georg Aichberger kann die Gitarre auch mit einem Weinglas spielen.

Köstlich auch das Stück „Reblausexpress“, die in Musik umgesetzte Fahrt im gleichnamigen Nostalgiezug zwischen den Retzer Weingärten und dem Waldviertel in Niederösterreich. Geigen und Gitarren geleiten durch eine malerische Landschaft, währen der Mitfahrende sich an einem guten Tropfen laben kann. Wer sein Glas mit Wein von der Pfarrscheune mit in die Kirche gebracht hatte, konnte die Klänge am besten genießen. Die anderen konnten es in der Pause oder am Ende des Konzerts nachholen.

Diese Titel stammen von der jüngsten CD, die das Trio 2023 aufgenommen hat. Insgesamt sind es bislang acht Scheiben mit je einem Dutzend Titeln, die Cobario seit 2007 eingespielt hat. Nicht alles sind eigene Kompositionen. Allerdings mit ihrer eigene Art haben die drei Musiker diverse international bekannte Titel umgesetzt. Antonio Vivaldis Violinkonzerte aus der Sammlung „Die vier Jahreszeiten“ kennen die meisten eher in der Version mit einer großen Orchesterbesetzung. Bei Cobario wird die Violine allein von den beiden Gitarren begleitet und dennoch kommt „Der Sommer“ mit großer Hitze, orkanartigem Wind und gewaltigem Gewitter wunderbar zur Geltung.

Gefeiert – Georg Aichberger, Herweig Schaffner und Peter Weiss.

Zweimal 50 Minuten lang ließ Cobario sein Publikum träumen, auch einmal mitsingen, innehalten, klatschen und jubeln. Am Ende gab es die Ovationen stehend und mit der Vivaldi-Musik die erste Zugabe. Mit dem wiederum eigenen Titel „Nachtflug“ schickten Schaffner, Aichberger und Weiss schließlich ihr Publikum in die laue Sommernacht und auf den Heimweg.

Die Musiker selbst machten sich auf den Weg ins Hotel und am nächsten Tag wieder auf die Fahrt irgendwohin in Europa. Vielleicht führt sie der Weg wieder einmal zurück nach Kitzen. Dem ist das Trio durchaus zugeneigt. „Es war ein wunderbares Publikum“, sagte Schaffner nach dem Konzert. So etwas merke man sich als Musiker. Und Aichberger setzte hinzu: „Beim nächsten Mal müssen wir nicht einmal mehr nachschauen, wo Kitzen liegt.“

Feiner Dixieland

Die Old Fair City Stompers bei ihrem diesjährigen Auftritt in der Kirche Kitzen.
Was für ein tolles Konzert der OLD FAIR CITY STOMPERS! Die ganze Kirche hat mitgeswingt, man könnet auch sagen, die Kirche hat gebebt. Am letzten Juni-Sonntag war die Leipziger Dixielandformation zu Gast beim Kultursonntag des Fördervereins für die Kirche Kitzen. 
Natürlich war es diesmal etwas lauter, kein Wunder bei diesen Instrumenten. Zirka 90 Gäste durften zwei Stunden lang diese Gute-Laune-Musik genießen. Die Band hat sich etwas verjüngt und die Bandbreite ihrer Titel hat sich etwas erweitert. Sie reicht von der Musik der 1930er Jahren bis in die Neuzeit. Jazz, Blues, Swing, alles war dabei. Dieses Konzert ist kaum noch zu toppen. Zum Schluss waren alle glücklich, die Besucher und auch die Bandmitglieder. Das Publikum ist richtig mitgegangen und das haben die Musiker natürlich auch gespürt.
Wir möchten diese Dixielandband bald wieder bei uns haben und dann wenn möglich im Pfarrhof an einem lauen Sommerabend. Beim Auftritt der Stompers war man froh war, die Kühle in der Kirche zu spüren. Außerhalb der Mauern war es vor Hitze kaum auszuhalten.
(Fotos und Text: Karin Weigenand)
Das Konzert war gut besucht.

Traumhafter Part am Cello

Wieder gab es einen wunderbaren Auftritt des Leipziger Symphonieorchesters in der Kitzener Kirche.

Am Schluss gab es stehend Beifall. Die mehr als 70 Besucher in der Kitzener Kirche Sankt Nikolai waren begeistert vom Auftritt des Leipziger Symphonieorchesters (LSO) am Freitag, dem 16. Mai 2025. Die Veranstaltung des eigentlich Kultursonntag heißenden Programms des Fördervereins musste aus terminlichen Gründen auf einen Freitagabend verlegt werden. Aber beide Seiten, Verein wie Orchester, wollten den Auftritt des Klangkörpers auch in diesem Jahr. Und so kamen die Musikerinnen und Musiker eben an einem Freitagabend nach Kitzen. Durchaus eine Herausforderung für das Orchesters, war es an dem Tag doch bereits der zweite Auftritt.

Robbert van Steijn dirigierte bei dem Konzert.

Wie im vorigen Jahr stand das Konzert unter dem Motto „Wiener Klassik“, aber die ist schier unerschöpflich. Mit der Sinfonie Nr. 30 C-Dur und dem Konzert für Violoncello und Orchester C-Dur (Alleluja) von Joseph Haydn sowie der Sinfonie Nr. 29 A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart bescherte das LSO dem Kitzener Publikum Neues gegenüber dem vorjährigen Auftritt und einen beschwingten Frühlingsabend. Dirigent Robbert van Steijn führte die Musikerinnen und Musiker zur Höchstleistung, was bei den Besuchern mit viel Beifall honoriert wurde.

Matthias Gagelmann spielte einen fantastischen Part.

Herausragend war der Auftritt von Cellist Matthias Gagelmann im Konzert für Violoncello und Orchester. Gagelmann spielte den Solopart mit traumwandlerischer Sicherheit, was die Zuhörer zu Beifallstürmen hinriss. Das Besondere dieses Konzerts ist, dass es eins von nur zwei Konzerten für Violoncello und Orchester ist, die tatsächlich Haydn zuzuschreiben sind. Wie die Sinfonie Nr. 30 entstand es in der ersten Hälfte der 1760er Jahre. 200 Jahre galt es als verschollen, ehe es laut Wikipedia ein Musikforscher 1961 im Prager Nationalmuseum entdeckte. Hat man das Konzert gehört, ahnt man auch als musikalischer Laie, dass das ein herausragender Fund für die Musikwelt war.

Am Ende wurde stehend Beifall gespendet.

Gagelmann hat seit mehr als 30 Jahren ein Engagement beim LSO, spielt aber auch mit vielen anderen Klangkörpern zusammen. Aus der schwäbischen Provinz stammend führte in sein Weg über das kanadische Toronto, wo er auch einen Teil seines Musikstudiums absolvierte, in den Leipziger Raum. Wie er selbst über sich auf den Internetseiten des LSO schreibt, bekam seine Frau 1992 ein Engagement an der Chemnitzer Oper, was für das Paar mit drei Kindern ausschlaggebend gewesen sei, Sachsen zum Lebens-Mittelpunkt zu machen.

Gespräche am Rande unterm Zeltdach.

Am Rande gab es vor dem Konzert, in der Pause und nach dem letzten verklungenen Ton Gelegenheit zum geselligen Beisammensein und Gesprächen zwischen den Musikfreunden, trotz kühler Temperaturen und ein paar Regentropfen. Mitglieder des Fördervereins hatten Leinwandpavillons aufgebaut, den Grill angeheizt und einen Getränkeausschank eröffnet. Das gab den Besuchern die Möglichkeit zu einem begeisterten Austausch über die soeben gehörten drei Musikstücke. Orchester und Besucher gingen im Übrigen in der Gewissheit auseinander, dass das Leipziger Symphonieorchester auch im nächsten Jahr wieder einen Stopp in Kitzen einlegen wird.

Vereinsmitglieder bereiteten den Besuchern ….
… das Drumherum für einen entspannten Abend.

Orgel im „Anflug“

So sieht die Orgel im Moment aus, die von Thorsten Zimmermann (l.) und Mike Zuber wieder hergerichtet wird.

Im August 2025 könnte es so weit sein. Dann sollte die Kitzener Kirche nach gut einem Jahrzehnt wieder eine Orgel haben. Die beiden Orgelbauer Thorsten Zimmermann aus Halle und Mike Zuber aus Mixdorf in Brandenburg sind in diesen Maitagen dabei, den hölzernen Korpus der Orgel für den Wiedereinbau des Musikinstruments vorzubereiten. Das bedeutet für die beiden Meister erst einmal großes Saubermachen. Nicht nur, dass das Holzgestell und viele Teile, die nicht ausgebaut wurden wie die Pfeifen, im Laufe der Jahre eine ordentlich Staubschicht angesammelt haben. Durch die Sanierungsarbeiten in den Kirche und im Turm liegen auch jede Menge Putzreste und anderes grobkörniges Material darin herum.

Putzen ist für Thorsten Zimmermann erst einmal angesagt.

Ist alles besenrein, müssen als nächstes viele Kleinteile wie die hunderte von Ventilen gereinigt werden. Das ist eine aufwändige und zeitintensive Arbeit. Erst dann können nach und nach die rund 700 Pfeifen wieder eingesetzt werden. Orgelbauer Thorsten Zimmermann rechnet damit, dass das bis Mitte oder Ende Juli dauern wird. Sind die Pfeifen eingebaut, muss noch jede gestimmt werden

Mike Zuber verschafft sich einen Überblick, wie es im Inneren der Holzkonstruktion aussieht.

Die Pfeifen liegen derzeit noch in seiner Werkstatt. Jede einzelne musste in akribischer Handarbeit aufgearbeitet werden. „Das haben wir geschafft“, sagt Zimmermann. Immerhin hat nach seinen Worten allein dieser Teil der Arbeit zwei volle Monate in Anspruch genommen.

Blick auf die Ventile der Orgel, die auch alle gereinigt werden müssen.

Die Orgel ist im Übrigen ein wenig herumgekommen, ehe sie in der Kitzener Kirche zum ersten Mal eingebaut wurde. War bislang immer zu lesen, dass das Instrument von 1913 stammt, so kann Thorsten Zimmermann das korrigieren. Ihm liegt der „Lebenslauf“ der Orgel vor. Demnach wurde sie ursprünglich für die hallesche Garnisonskirche gebaut, und zwar 1902. 1927 wurde sie in einer Kirche in Erfurt installiert. Erst 1937 ist sie dann nach Kitzen umgesetzt worden.

Überall in der Holzkonstruktion liegt Staub und anderer Schmutz.

Gebaut wurde sie vom Zörbiger Orgelbaumeister Wilhelm Rühlmann, der von 1842 bis 1922 gelebt hat und in seiner Jugend beim berühmten Weißenfelser Orgelbauer Friedrich Ladegast in die Lehre gegangen ist. Von Ladegast stammen unter anderem die Orgel in der Leipziger Nikolaikirche, im Merseburger Dom und in der Weißenfelser Marienkirche. Dass die Rühlmannsche Werkstatt einen guten Ruf hatte, zeigt die Tatsache, dass sie zwischen 1869 und 1939 unter Friedrich Rühlmann, Wilhelm Rühlmann und Wilhelm Rühlemann jun. für 460 Neu- und größere Umbauten von Orgeln verantwortlich zeichnete.

Die schwäbische Jungfrau

Carolin Fischer und Enrico Wirth alias Fräulein Fischer und Sven in der Pension zur schwäbischen Jungfrau.

Achtung! Mitdenken! Das ist nun mal beim Kabarettprogramm so. Erst recht, wenn man als Sachse etwas geschwäbelt bekommt. Aber wenigsten sollte man wissen, dass ein hiesiges Haus im Schwäbischen ein Häusle ist. Dann geht der Witz so: Was ist in Schwaben ein kleines, um Hilfe schreiendes Schwein?

Antwort: A Notrufsäule!

Muss man es jetzt noch erklären? Vermutlich nicht, denn die mehr als 120 Besucherinnen und Besucher in der rappelvollen Kitzener Kirche am Sonntag, 27. April, haben es schließlich auch verstanden.

Fräulein Fischer hat am Telefon allerhand zu tun.

Aber warum wird beim Kultursonntag des Fördervereins der Kirche Sankt Nikolai Kitzen plötzlich nicht nur gesächselt, sondern auch geschwäbelt? Weil es Carolin Fischer und Enrico Wirth bei ihrem Programm so wollen. Was sich die Kabarettistin mit Academixer-Vergangenheit ausgedacht hat und für rund 90 Minuten auf die Bühne bringt, heißt: Die Pension zur schwäbischen Jungfrau.

Frau Sturm und Sven.

Allerdings steht die nach der „Flucht“ der Inhaberin aus ihrer schwäbischen Heimat im sächsischen Ottendorf-Okrilla. Im „schönen Ottendorf-Okrilla“ wie Carolin Fischer alias Fräulein Fischer immer wieder betont, wenn sie sich am Rezeptions-Telefon ihrer Pension meldet. Das klingelt vier-, fünfmal, was Fräulein Fischer dazu veranlasst, vielsagend zum Pianisten Sven (Enrico Wirth) zu schauen und zu bemerken, dass „heute ganz schön was los ist“.

Sven soll als Pianist für Unterhaltung in der Pension sorgen. Die hat auch tatsächlich einen Gast, einen Dauergast, nämlich Frau Sturm, in die sich Fräulein Fischer verwandelt, indem sie sich einen Hut aufstülpt und eine Stola umwirft. Frau Sturm ist, wen wunderts, ebenso urkomisch wie Fräulein Fischer. Und Frau Sturm geht auf Kreuzfahrt, um am Nordkap die Asche ihres dahingeschiedenen Gatten in den Wind zu pusten. Dafür teilt sie die Asche in drei Häufchen und pustet sie zu entsprechenden Kommentaren an den Dahingeschiedenen in den Wind. Vor allem der dritte hat es in sich. „40 Jahre wolltest du, dass ich dir einen blase“, spricht sie. Jetzt sei es soweit und sie bläst das dritte Häufchen davon.

Ja, es geht auch ein wenig schlüpfrig zu in der Pension zur schwäbischen Jungfrau, ohne aber zotig zu werden. Das trifft auch auf die Einlagen von Enrico Wirth zu, wenn er als Sven zum Beispiel das Liedchen singt, in dem er sinniert, ob es in sei, sich den Sack zu rasieren und wie man dabei aufpassen müsse.

Volles Haus am Kultursonntag.

Apropos Sven. Ihn hat Fräulein Fischer aufgelesen. „Den hatten sie während der Corona-Pandemie ausgesetzt“, sagt sie. Und gefunden hat sie ihn an der Autobahnraststätte Dresdner Tor an der A 14 und als mitleidige Seele mit ins schöne Ottendorf-Okrilla genommen. Damit er die Gäste unterhalte. Was er natürlich fleißig tut, zumindest in Bezug auf das Auditorium, das sich allenthalben ausschüttet vor Lachen.

Enrico Wirth – seine kabarettistischen Lieder hatten es in sich.

Nicht alles dreht sich ausschließlich um die Pension. Es geht auch ums Leben an sich. Natürlich witzig. Wie hört sich der Hochzeitsantrag eines schwäbischen Bauern an? „Dasch is mei Hof, dasch is mei Vieh, dasch is mei Mutter. Überlegsch dirsch halt!“ Kommt natürlich viel komischer rum, wenn es Fräulein Fischer erzählt.

Die Mutter von Perschilbär.

Ach ja, kurz zu Besuch im Programm ist auch noch die Mutter von Perschilbär. Zumindest nennt sich der Dreijährige so, als ihn die Kindergärtnerin als Neuankömmling nach seinem Namen fragt. Wie, was, nie gehört. Die Mutter, in die sich Carolin Fischer per wasserstoff-blonder Perücke verwandelt, klärt das schließlich auf. Der Kleine heiße Pierre-Gilbert, natürlich französisch gesprochen. Perschilbär eben.

Am Ende gehst du raus aus dem Programm mit ein wenig Schmerzen, nämlich im Zwerchfell vom Lachen. Übrigens, dass die Pension noch nicht so richtig läuft, findet Fräulein Fischer nicht tragisch. „Ich bin schließlich erst drei Jahre am Markt“, sagt sie. Was für Carolin  Fischer viel wichtiger sein dürfte, dass es beim Publikum wie geschmiert lief.

Extra Glückwünsche gab es von der Vereinsvorsitzenden Ingrid Riedel (r.) für Beate Reutter zum Geburtstag. Beate Reutter organisiert die Programme und trifft die Absprachen mit den Künstlern.

Kampf um den Floßgraben

Bei Elstertrebnitz sprudelt Wasser aus dem Tagebau Profen in den Floßgraben. Es ist die Quelle für den Abschnitt, der auch durch Kitzen und Eisdorf führt.

Dem Elsterfloßgraben droht die Trockenlegung. Wenn die Mibrag aufgrund des politisch gewollten Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen für die Stromerzeugung 2030 mit der Kohleförderung in Profen aufhört, wird auch kein Wasser mehr in den Floßgraben eingeleitet. Das erfolgt bislang über eine „Quelle“ bei Elstertrebnitz. Von dort führt der Floßgraben an Werben vorbei, mitten durch Kitzen, weiter nach Eisdorf, ins sachsen-anhaltische Kleingörschen und über Lützen bis in den Raum Schladebach/Kötzschau.

Frank Thiel vor einem Jahr beim Vortrag in Kitzen.

Mit einer Neun-Punkte-Erklärung hat der Förderverein Elsterfloßgraben seinen Standpunkt zum langfristigen Erhalt des Floßgrabens als Technisches Denkmal und als Ökosystem deutlich gemacht. Das Floßgrabensystem wurde vor rund 450 Jahren gebaut, um Brennholz aus dem Vogtland zu den Salinen bei Schladebach und Kötzschau sowie nach Leipzig zu transportieren. Dank der Initiative des Vereins sind heute wieder Abschnitte zwischen dem thüringische Crossen und Schleckweda im sachsen-anhaltischen Burgenlandkreis sowie eben der bei Elstertrebnitz beginnende Graben erhalten und führen auch Wasser.

Vor einem Jahr hat der Vereinsvorsitzende Frank Thiel in Kitzen bei einer Veranstaltung des Kulturfördervereins über das Projekt gesprochen. Klar ist, dass für den Erhalt die Bundesländer Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt an einem Strang ziehen müssen und nach Ansicht des Floßgrabenvereins auch verantwortlich für den Erhalt sind. Thiel sagt, es sei nicht hinnehmbar, dass die Landesregierung Sachsen-Anhalt die Absicht geäußert habe, den Floßgraben zu beseitigen. „Das ist ein Verstoß gegen den Denkmal- und Naturschutz“, sagt Thiel. In allen drei Bundesländern sei der Floßgraben in die Listen der Technischen Denkmale aufgenommen.

Ist der Teich an der Feuerwehr Kitzen bedroht, wenn über den Floßgraben kein Wasser mehr fließt?

Dies und weitere Argumente pro Elsterfloßgraben stehen auch in der Erklärung der 4. Elsterfloßgrabenkonferenz, die am 26. März dieses Jahre stattgefunden hat. Um vor allem die Landesregierung in Sachsen-Anhalt zu bewegen, sich für den Graben und seiner Wasserführung zu engagieren, sammelt der Verein jetzt auch Unterschriften von Bürgern. Entsprechende Listen sowie die Erklärung und weitere Informationen sind unter www.elsterflossgraben.com zu finden beziehungsweise stehen zum Download zur Verfügung.

Der Kulturförderverein, so erklärte Vorsitzende Ingrid Riedel, unterstützt das Engagement des Floßgrabenvereins nachdrücklich. Während der nächsten Veranstaltung des Kitzener Kulturfördervereins am 27. April in der Kirche Sankt Nikolai werden deshalb Kopien der Erklärung sowie Unterschriftenlisten ausliegen. Wem der Erhalt des Grabens am Herzen liegt, kann sich in die Listen eintragen. Die Unterschriftslisten werden dann an den Floßgrabenverein übermittelt.

Rudolph Sack begründete 162jährige Industrietradition

Thomas Vogler gab Einblicke in das Leben von Rudolph Sack und die Entwucklung von BBG.

Kleinschkorlopp oder Löben? Wo nun alles seinen Anfang nahm, darüber lässt sich trefflich streiten. Rudolph Sack erblickte 1824 in Kleinschkorlopp das Licht der Welt, aber in Löben baute er 1850 gemeinsam mit dem Dorfschmied Klopp den ersten deutschen Pflug aus Eisen. Was heute so normal klingt, war damals eine Sensation und sollte die Landwirtschaft revolutionieren und wenige Jahre später in die Gründung einer nunmehr 162 Jahre anhaltenden Industrietradition münden. Sack gründete 1863 in Leipzig-Plagwitz die Landmaschinenfabrik Rudolph Sack.

Den Bogen vom deutschen Pflug-Pionier bis zur heutigen Landmaschinenproduktion unter dem Markennamen Amazone bei BBG Leipzig spannte bei einem Vortrag am 23. März im Kitzener Kulturhaus Thomas Vogler. Vogler hat sei komplettes berufliches Leben in verschiedenen Funktionen bei Bodenbearbeitungsgeräte (BBG) in Leipzig verbracht. Der Mann vom Jahrgang 1954 erlebte nicht nur die Entwicklung des bedeutendsten Landmaschinenherstellers der DDR, sondern war ebenso Zeitzeuge des Fast-Untergangs von BBG nach 1990 sowie der Wiederauferstehung ab Ende der 1990er Jahre mit der Übernahme des Betriebes durch das renommierte Landmaschinenunternehmen Amazone der Industrieellenfamilie Dreyer aus dem niedersächsischen Hasbergen-Gaste bei Osnabrück.

Vogler, der für den erkrankten Siegfried Pögel beim Vortrag eingesprungen war, schilderte, wie aus dem Volkseigenen Betrieb BBG mit 4100 Beschäftigten bis 1998 noch rund 90 Mitarbeiter übriggeblieben waren. Mit denen begann Amazone, nachdem eine frühere Privatisierung von BBG mit einem anderen Partner gescheitert war, den Aufbau einer neuen Produktionsstätte an der Rippachtalstraße in Leipzig. Viele Menschen aus Kitzen und Umgebung kennen das Gelände, an dem sie bei Fahrten nach Leipzig vorbeikommen. Der Investition von rund 65 Millionen Euro lässt Amazone derzeit laut Vogler noch einmal 12 Millionen Euro folgen, um das traditionsreiche Leipziger Werk mit mittlerweile fast 500 Beschäftigten weiter auszubauen.

Gut besucht war der Vortrag im Kitzener Kulturhaus.

Die Amazonenwerke wurden nur zwei Jahrzehnte nach Sacks Landmaschinenbau gegründet. Mit der Übernahme haben sich zwei geschichtsträchtige Unternehmen zusammengefunden. Die Sacksche Fabrik war immerhin in den 1930er Jahren der größte Pflug- und Drillmaschinenhersteller der Welt.

Ein kurzer Film, der allerdings schon zehn Jahre zuvor gedreht worden ist, veranschaulichte die Entwicklung der beiden Landmaschinenunternehmen bis hin zum gemeinsamen Weg. Die Amazonenwerke werden in der vierten Generation von der Familie Dreyer geführt. Da bleibt offenbar Geschichtsbewusstsein bewahrt, den neben dem Firmennamen Amazone ist beim Leipziger Werk der Name BBG erhalten geblieben, wie man den Firmen- und Bauschildern am Betriebsgelände in der Rippachtalstraße entnehmen kann.

Für die gut 50 Besucher des Vortrags im Kulturhaus Kitzen waren die 60 Minuten ein kurzweiliger Ausflug in die hiesige Geschichte des Landmaschinenbaus. Auch wenn sich mancher womöglich etwas mehr über die Geschichte von Rudolph Sack und seiner Nachkommen gewünscht hätte. Dass Inhalte dazu recht knapp ausfielen, war sicher auch dem Wechsel des Referenten geschuldet. Vogler hatte seinen Vortrag mehr auf BBG ausgelegt. Sein Leben bei und mit BBG bis zu seiner Pensionierung hat er in seinem Buch „Die BBG, mein Leben“ niedergeschrieben.

Der Gedenkstein für Rudolph Sack in Löben.

Allerdings gab und gibt es verschiedene Aktivitäten, die Erinnerung an Rudolph Sack zu pflegen. In Löben gibt es seit dem September vorigen Jahres einen Gedenkstein für den Erfinder und Unternehmer. In der VDI-Garage an der Leipziger Karl-Heine-Straße, die sich in einem 1912 erbauten Gebäude der Sackschen Fabrik befindet, wird das Andenken von Rudolph Sack gepflegt. Seit 2018 steht dort auch eine 1906 von Adolf Lehnert gestaltete Büste. Seit Dezember 2000 gibt es wieder einen Rudolph-Sack-Straße in Leipzig. Die Fröbelstraße wurde damals umbenannt. Die Erinnerung an den Pädagogen Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782 – 1852) ist mit einem Straßennamen im heute zu Leipzig gehörenden Wiederitzsch dennoch erhalten geblieben. Das frühere Anwesen der Familie Sack in Leipzig, das sich im Robert-Koch-Park befindet, rückt mittlerweile in den Fokus eines Vereins, der es erhalten möchte. Mehr dazu ist in einer Broschüre mit dem Titel „Ein Schloss in Grünau“ zu lesen, die der Kitzener Bodo Götze am Ende des Vortrags vorstellte. Unter anderem geht es den Initiatoren darum, den Robert-Koch-Park in Paul-Sack-Park umzubenennen. Der 1923 gestorbene Sohn von Rudolph Sack hatte seinerzeit den Park gestalten lassen.

Bodo Götze zeigt die Broschüre zum einstigen Anwesen der Familie Sack in Leipzigh-Grünau.

Es ist geschafft

Vor wenigen Tagen sind die letzten Gerüste an der Kirche Sankt Nikolai Kitzen abgebaut worden. Damit endet eine mehr als 14 Jahre andauernde Bautätigkeit an dem denkmalgeschützten Bauwerk. Vor rund 14 Jahren drohte der Kirche, deren Bau wohl vor 875 Jahren begonnen wurde, der totale Verfall. Ingrid Riedel und Siegwald Bilesch nahmen sich der damals herrenlosen Kirche an, gründeten den Förderverein, der Kirche erwarb, und die Stiftung und leiteten die Sanierung in die Wege. Das Ergebnis ist ein innen wie außen wieder schick und standhaft gemachtes Bauwerk.

Die Sanierung des Turms war die letzte Etappe des Mammutprojektes. Hier ein fotografischer Rundgang um die komplett sanierte Kirche.

Zum Vergleich: Die Außenansicht der Kirche 2014:

Kirche Kitzen 2014: Trockenlegung des Mauerwerks

Sturm rüttelt an der Kirche

Der Umschlag des mehr als 230 Jahre alten Briefes.

War es eine stürmische Nacht? Oder hat der Wind tagsüber heftig geblasen? Auf jeden Fall hat der Sturm ordentlich an der Kirche Kitzen gerüttelt und erhebliche Schäden angerichtet, möglicherweise am 15. März 1793 oder in der Nacht zum 16. März. Es könnte aber auch ein paar Tage zuvor gewesen sein. Genau wissen wir es nicht.

Jedenfalls hat der Merseburger Domkämmerer Melchior Balthasar Segnitz am Sonntag, dem 17. März 1793 an den Kitzener Pastor Funkens einen Brief geschrieben, um dessen Brief zu beantworten, der ihm am Sonnabend zuvor (oder vielleicht auch schon eine Woche früher) zugegangen war. Darin entschuldigt sich Segnitz, dass er nicht gleich am Sonnabend dem Boten eine Antwort mitgegeben hat, da ihn andere wichtige Geschäfte daran gehindert haben. Auf jeden Fall sagte er dem Kitzener Pastor zu, dass er unaufschiebbare Reparaturen sofort ausführen lassen kann und für die aufschiebbaren einen Kostenvoranschlag nach Merseburg senden soll. Darüber hinaus geht es in jenem Brief noch um einige Schuldenangelegenheiten, die aber offenbar weniger mit der Geschichte der Kirche Kitzen zu tun haben.

Seite 1 des Briefes

Nach knapp 232 Jahren ist jener Brief wieder in Kitzen angekommen, irgendwie auf wundersame Weise. Was Pastor Funkens seinerzeit mit dem Brief gemacht hat, wird wohl im Dunkeln bleiben. Jedenfalls ist er nicht in einem der Kirchenarchive gelandet. Im vorigen Jahr hat ihn ein Berliner Online-Antiquariat bei E-Bay angeboten. Markus Cottin, der Leiter des Domstiftsarchivs und der Domstiftsbibliothek in Merseburg, hat ihn entdeckt und bei Ingrid Riedel, der Vorsitzenden des Fördervereins der Kirche Sankt Nikolai Kitzen, nachgefragt, ob der Verein Interesse an dem Brief haben würde. Ingrid Riedel sagte Ja und Cottin ersteigerte das alte Dokument. Im Januar 2025 hat er es an den Verein übergeben.

Nach 230 Jahren noch immer recht gut erhalten: Seite 2 des Briefs.

Der Brief ist offensichtlich gut gelagert worden. Denn das mehr als 200 Jahre alte Schriftstück ist gut erhalten, die schwarze Tinte hebt sich klar vom Papier ab, vorausgesetzt, man kann die alte Schrift auch wirklich lesen.

„Gut! das Sie sogleich die Fenster wieder machen laßen. Wenn der Schaden am Kirch Dach unaufschieblich ist, so laßen Sie es auch machen. Wo nicht, so schicken Sie mir einen Anschlag der Reparatur-Kosten und Materialien.“ So heißt es in dem Brief.

Die „Übersetzung“ des Briefs in für die Allgemeinheit lesbare Schrift, aber in der damals gebräuchlichen Ausdrucksweise und Rechtschreibung.

Hübsch zu lesen ist auch die ausgesprochene Höflichkeit, mit der sich Segnitz an Funkens wendet. Die Anrede ist geradezu entzückend: „Seiner des Herrn Pastors Magister Funkens, Hochwohlehrwürdigen in Hohenlohe. Hochwohlehrwürdiger Herr, Hochgeehrtester Herr Magister.“

Und am Schluss, nicht weniger entzückend: „Empfehlen Sie mich dero Frau Liebste! Ich bin mit vollkommener Hochachtung Ew. Hochwohlerwürden ergebenster Diener.“

Welchen Weg der Brief in den 230 Jahren zurückgelegt hat, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Der Berliner Online-Antiquar Theodor Schmidt hat ihn zusammen mit 2000 weiteren Briefen auf einem Flohmarkt am Berliner Ostbahnhof erstanden. „Das waren acht Aktenordner aus dem Nachlass eines Briefsammlers, die dort angeboten wurden“, erzählt er in einem Telefonat. Nach Durchsicht dieser 2000 Schreiben habe er 70 aussortiert, von denen er angenommen habe, dass es dafür Interessenten geben könnte. „Zwei Drittel davon habe ich mittlerweile verkauft“, sagt Schmidt. Wie der Brief zu dem Sammler, der nicht mehr befragt werden kann, gekommen ist, könne er nicht sagen. „Aus meinen Erfahrungen weiß ich allerdings, dass Pfarrer solche Schreiben als ihr persönliches Eigentum betrachtet haben, so dass sie nicht in Kirchenarchiven gelandet sind, sondern eben in der Familie aufgehoben wurden.“

Ähnlich sieht das auch Markus Cottin. Er sei immer auf der Spur von alten Dokumenten, die sich mit dem Merseburger Dom befassen. Daher habe er beim Internetportal Ebay einen permanenten Suchauftrag eingerichtet unter den Stichworten Sammeln, Seltenes, Merseburg. „Das meiste, was dabei angezeigt wird, sind Postkarten aus jüngerer Zeit. Da viele Touristen nach Merseburg und in den Dom kommen, werden auch viele derartige Dinge angeboten. Zirka 20 Treffer habe ich jeden Tag. Und manchmal sind eben auch interessante Briefe wie jener von 1793 dabei“, erzählt Markus Cottin. Aufgrund seiner Erfahrung kann er die vor mehr als 200 Jahren verwendete Kanzleischrift, in der der Domkämmerer geschrieben hat, lesen und „übersetzen“. Das hat er mit dem besagte Brief gemacht. Etwa eine Stunde habe er dafür gebraucht. Den vorausgegangenen Brief von Pastor Funkens an den Domkämmerer habe er allerdings nicht finden können. Der sei offenbar nicht im Domarchiv gelandet.  

Was aber nun tun mit einem solchen alten Dokumente. „Ich denke, wir sollten den Brief zeigen“, sagt Ingrid Riedel. So weit, so gut. Aber in welcher Form. Darüber wird man sich im Verein noch ein paar Gedanken machen müssen. Denn das schon gealterte Papier würde wohl den schwankenden Temperatur- und den unklaren Feuchtigkeitsverhältnissen in der Kirche nicht lange standhalten. Also wird es darauf hinauslaufen, eine Kopie des Originalbriefes zu zeigen. Über das Wann und Wie wird noch zu entscheiden sein.

Allerdings dürfte es noch eine Menge anderer Dokumente zur Kitzener Kirche geben. Sie gehören laut Ingrid Riedel zum Kirchenarchiv, das im Pfarrhaus gelagert ist. Was dort zu finden sein könnte, das wartet noch auf die Erforschung. Nach Auskunft von Markus Cottin gibt es auch im Domarchiv Dokumente zur Kitzener Kirche wie zum Neuaufbau des Altars Ende des 18. Jahrhunderts. Aber das wäre dann schon wieder eine neue Geschichte.

Advent ist ein Leuchten

„Guten Abend, schön Abend, es weihnachtet schon …“ Mit diesem Lied und der damit verbundenen Einladung an dieser oder jener Stelle mitzusingen, hatte der Gemischte Chor Neukieritzsch das Publikum sofort auf seine Seite gebracht und den perfekten Einstieg in das traditionelle Adventskonzert des Fördervereins der Kirche Sankt Nikolai Kitzen gefunden. Zum zweiten Mal nacheinander bestritt dieser Chor aus dem nur 20 Autominuten entfernten Ort das stets am ersten Advent stattfindende letzte Konzert des Kitzener Kulturjahres – dieses Jahr unter dem Programmtitel „Advent ist ein Leuchten“. Und wie schon im vorigen Jahr wollten sich viele Menschen den besinnlichen Nachmittag nicht entgehen lassen. Rund 100 Besucherinnen und Besucher waren am ersten Adventssonntag gekommen, um erst Kuchen, Kaffee und Glühwein zu naschen und sich anschließend an weihnachtlichen Melodien zu erfreuen.

Der Neukieritzscher Chor beim Auftritt am ersten Advent.

Unter der Leitung von Viktor Vetter, der als Pianist sowie früherer Kantor und nun im Ruhestand als Chorleiter sein Leben der Musik gewidmet hat, boten 31 Sängerinnen und Sänger ein gut gemischtes Programm. Das reichte von bekannten und in vielen Familien gesungenen Melodien wie dem Eröffnungslied bis hin zu Liedern, die seit Jahrhunderten in der Weihnachtszeit in den Kirchen erklingen. Dabei blieb der Chor nicht im deutschsprachigen Raum. So erklangen Lieder aus Frankreich, Spanien, Schweden und England. 31 Melodien ganz unterschiedlicher Art erklangen, meist vom gesamten Chor dargeboten, mal nur von der Männergruppe oder der Frauengruppe interpretiert oder als Instrumentalstück mit Flöte, Gitarre und Akkordeon gespielt. Hier noch ein kleines Video vom Adventskonzert, das Karin Weigenand zusammengestellt hat.

Viktor Vetter leitet den Chor.

Die Besucher bedankten sich für den Auftritt mit viel Applaus, erklatschten sich auch noch eine Zugabe.  Der Förderverein hatte noch für jedes Chormitglied ein kleine Überraschung parat. Es gab je ein Beutelchen mit Plätzchen, die die Mitglieder der Landfrauengruppe gebacken hatten. Schließlich bedankte sich die Vorsitzende des Fördervereins Ingrid Riedel am Ende des Jahres bei allen ehrenamtlichen Helfern, die zum Gelingen der Veranstaltungen beitragen.

Die Instrumentalgruppe des Chors.

Das sind zahlreichen Frauen und Männern um Gerlinde Wippert, die Kaffee kochen, Kuchen verkaufen, Geschirr spülen und Kirche sowie Pfarrscheune wieder blitzsauber machen, die für den Ausschank von Wein und anderen Getränken sorgen, Tische und Stühle aufstellen und wieder wegräumen und die Bühne in der Kirche auf- und abbauen. Speziellen Dank richtete Ingrid Riedel auch an die viele Kitzenerinnen, die für die Veranstaltungsnachmittage Kuchen backen. „Auf diese Weise tragen sie im Jahr zu einem Erlös von rund 4000 Euro ein“, sagte die Vereinsvorsitzende, der wiederum in den Etat des Vereins einfließt, aus dem die notwenigen Eigenanteile für die Finanzierung der Sanierung kommen, ohne die der Verein keine Fördermittel beanspruchen könnte.

Isabell Gärtner moderierte das Programm.
Einen großen Korb mit Plätzchen brachte Viktor Johannsen, worin sich für jedes Chormitglied ein Beutelchen befand.
Setzten auch diesen Auftritt in der Kirche ins rechte Licht: Ralf Pappert und Thomas Glück.